/// Rubrik: Leserbriefe

Keule im Titel – warme Luft im Text

Leserbrief – Was sich derzeit Pfarrer Jehle und die Kirchenvorsteherschaft erlauben, kann ich nicht mehr aushalten. In St. Ulrich heirateten wir, unsere drei Kinder wurden dort getauft und waren eifrige Ministranten. Meine Frau und ich bewerkstelligten während zehn Jahren kostenfrei den Apéro zu allen Anlässen von St.Ulrich. Wir alle sind dieser Kirche sehr verbunden, sehen uns aber bei den heutigen Umständen gezwungen, in Nachbargemeinden die Messe zu besuchen. Nun wollte ich es nochmals wissen und besuchte die Samstagmesse vom 27. Juni 2015. (Toni Räber, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

(Bild: pixelio)

1. Fakt: Weniger als 40 Messebesucher waren anwesend, obwohl ein Gedächtnis stattfand (Ministranten, Durchführende und Holzfiguren im Ölberg nicht eingerechnet). Von den Wenigen die ich kannte, muss ich annehmen, dass sie aus logistischen Gründen nicht auf eine benachbarte Gemeinde ausweichen können. Alle Kirchgänger sind verstreut auf das ganze Kirchenschiff, kein Bild von Gemeinschaft. Nicht einmal ein Viertel der angeblich 150 im Durchschnitt, laut Angaben des Organisten im Artikel. Also nichts als warme Luft.

2. Fakt: Und das ist dann schon ganz heisse Luft! Pfarrer Jehle formuliert die Ansage zum Papst-Opfer wie folgt: «Egal was Sie über unsern Papst denken, möchte ich Ihnen die Spende empfehlen, weil es für eine gute Sache ist». Auch wenn dies eine humoristische Einlage gewesen sein sollte, das ist schon beissender Weihrauch und absolut fehl am Platz! Passend dazu das Credo von Pfarrer Jehle im obgenannten Artikel, Zitat! «Im übrigen vertrete er ganz klar die Haltung von Papst Franziskus, der ……». Nochmals Verdrehung und warme Luft.

3. Fakt: Die Gestaltung dieser Messe mit allem Sing-Sang und Hosianna erlebt sich wie eine klösterliche Vesper aus dem Mittelalter. Mir tat die Sängerin leid, die mit ihrer wirklich bezaubernden Stimme herhalten musste, um jedem gesprochenen Wort aus dem Weg zu gehen. Will man so die Jugend in die Kirche locken und den Alters-Mix verjüngen? Dann die süssliche Show von Pfarrer Jehle, die über alle Fakten hinweg den Schein erwecken soll, alles ist doch bestens. Auch davon strömt jede Menge warmer Luft.

4. Fakt: Zitat aus obig genanntem Artikel «Ich habe nie jemandem die Kommunion verweigert» ist der Oberhammer. Es gibt die Person, der von Pfarrer Jehle die Kommunion verweigert wurde. Ihr fehlt die Kraft sich öffentlich zu stellen. Es droht einem ja «die juristische Keule» des (Gard)Jur-isten von St.Gallen. Traurig und lächerlich zugleich, dieser Gegenwind von warmer Luft.

5. Fakt: Die Familie Räber gehört zu den vielen «Vertriebenen von St.Ulrich», die sich in den umliegenden Kirchen in gefüllten Kirchbänken wieder treffen. Die Dialoggruppe vertritt eindeutig die Mehrheit der Katholiken von St.Ulrich und die wiederholte Behauptung, es handle sich um eine Minderheit, ist wie vieles im Abschiedskampf von Pfarrer Jehle nur warme Luft.

6. Fakt: Die früheren Seelsorger von St.Ulrich hätten sich solche Unchristlichkeiten nie erlaubt. Weder Pfarrer Isler, Pfarrer Hopp, Pfarrer Müller noch Matthias Loretan. In einem ständigen Prozess wurde im ökumenischen Sinne optimiert und gestrandeten Menschen eine Heimat geboten. Punktgenau mit dem Einzwängen von Pfarrer Jehle begannen die Wirbel. So wurde ein Gedächtnis für Frühverstorbene jeder Konfession und darunter leidende aus der Gemeinde ins Leben gerufen. Die Unterstützung zur späten Trauerarbeit wird nicht mehr publiziert. Das ist nur ein Beispiel. Auch der Kirchenchor wird zusehends entevangelisiert. Also die trügerische Überschrift «Ökumene ist ein Muss» ist bei Pfarrer Jehle – Sie ahnen es schon – einmal mehr warme Luft.

Fakt Y: St.Ulrich hat es trotz allen Stürmen und jeder warmen Luft geschafft, dass die Türe stets weit offen bleibt, auch von innen her – für solche, die besser gehen sollten, Herr Pfarrer Jehle! Einfach damit wir Kreuzlinger wieder zu einem zeitgemässen und christlichen Frieden zurückkehren können, ohne Hosianna.

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13 thoughts on “Keule im Titel – warme Luft im Text

  1. B.M.B.

    Es ist in meinen Augen Aufgabe des Kirchenrates, in solchen Fällen zu vermitteln und im Hintergrund zu wirken. Egal, ob man dabei frontal angegriffen wird, ob die Vorwürfe gerechtfertigt sind oder ob alles erfunden ist. Das Verhalten des Kircherates geht vom ersten Tag an in eine total andere Richtung. Immer wieder tritt man auf, verteidigt Positionen und schiesst auf die klagende Partei. Wer nicht mit dem in einem solchen Amt üblichen Druck umgehen kann und solchen Situationen mit der gebührenden Gelassenheit und Proffesionalität entgegen tritt und klärend wirkt, ist fehl am Platz. Leider gibt es immer häuffiger zu beobachten, dass öffentliche Ämter aus Mangel an qualifizierten Interessenten mit der zweit- und drittbesten Wahl besetzt werden. Spätestens beim Auftreten ernsthafter Probleme scheitern diese Würdenträger dann an der eigenen Profilneurose. Wer die Augen vor dem Volkeswillen verschliesst, passt nicht in ein öffentliches Amt. Ich rate dem Kirchenrat und Herr Jehle, endlich ernsthaft nach Lösungen zu suchen oder zurückzutreten.

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    1. Bruno Neidhart

      „Volkeswillen“: Nicht immer die erste Wahl, wie die Geschichte zeigt! Zumindest im Politischen.

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      1. B.M.B.

        Danke für diese Präzisierung und das Comming-out. Genau so habe ich Sie, Jehle und den Kirchenrat eingeschätzt.

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        1. Bruno Neidhart

          Ich verstehe Sie nicht ganz – Frau oder Herr B.M.B.! Sich mit „Volkeswillen“ zu bekränzen, ist schon mal grundlegend fraglich, meine ich. Und dass Menschen, die in „öffentlichen Ämtern“ arbeiten, „immer häufiger“ an einer „Profilneurose scheitern“, ist Ihrer eigenen Interpretation überlassen. Die Bemerkung trägt auf jeden Fall kaum zu einer Befriedung bei, in dem hier wohl auch „persönliche Animositäten“ aufscheinen. Dies ist stets ein Grundübel für Verständigung, da es „die Kommunikation in der Sache selbst“ – oder das „Gedankengut“, wie Toni der Räber bemerkt – , negativ beeinflussen kann. Es bleibt viel zu tun im Weinberg des Herrn.

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    1. schiesser

      Hallo Bruno Neidhart, mich hat genau diese Passage wirklich erheitert – der „Ölberg“ in St. Ulrich weist laut kunstgeschichtlicher Beschreibung etwa 280 Holzfiguren auf…. Ich denke, man kann die Intention von Toni Räber sehr gut verstehen, oder? Ich wundere mich nur, wie sich hier eine Gemeinde unter tätiger Mithilfe der Kirchenvorsteherschaft selbst zerlegt. Wie B.M.B bin auch ich der Meinung, es wäre die Aufgabe dieser Vorsteherschaft, befriedend zu wirken. Daran scheint sie aber nicht interessiert zu sein. Sie scheint (diskussionslose) Unterordnung zu erwarten. Das mag innerhalb einer autokratisch organisierten Religionsgemeinschaft zwar von einigen Vertretern und offiziellen Stellen als „normal“ erwartet werden. Aber in der Schweiz sollte auch solchen Vertretern/Stellen schon mal aufgefallen sein, dass das selten funktioniert – es gibt ja diverse Beispiele. Wieso man es da nicht schafft, ein halbwegs erträgliches Miteinander zu schaffen, ist doch merkwürdig. Umsomehr doch Gläubige nach aussen ständig die Friedfertigkeit des Christentums betonen.

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      1. Bruno Neidhart

        Schweiz – „Friedfertigkeit des Christentums“: Noch gegen Mitte des 19. Jahrhunderts war im „Sonderbundskrieg“ die Auseinandersetzung im Wesentlichen auch religiös inspiriert.

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        1. schiesser

          Naja, wir wollen ja hoffen, dass nicht gleich der nächste Sonderbundskrieg ausgerufen wird. Katholisch Kreuzlingen als neuer Halbkanton mit guten Beziehung zum Vatikan… Man müsste sich dann natürlich noch eine Art „Grenze“ einfallen lassen – hie „rechtgläubige“ Katholiken, da der Rest (sorry, die liberalen Katholiken könnten wohl nicht auch noch einen eigenen „Park“ bekommen). Im Kanton Glarus hat man das in vergangenen Zeiten so gelöst, dass die Katholiken in den unteren Kantonsteil zogen, der Rest blieb den Protestanten (von Inner- und Ausserrhoden ganz zu schweigen). In Kreuzlingen könnte man ja vielleicht ien paar Figuren der Kunstgrenze einer neuen Verwendung zuführen…

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    2. strotz

      Sie verstehen es nicht Herr Neidhart oder? Es braucht Mut, eine kritische Meinung so öffentlich zu äussern, wie das Toni Räber macht. St.Ulrich ist ihm ans Herz gewachsen, das sieht man an seinem Engagement. Trotz aller Enttäuschung und einer sehr ernsten Lage ist ihm der Humor nicht vergangen. Bravo! Das ist bewundernswert. Die wahre Tragödie hinter der Cause Jehle steckt jedoch in den zerbrochenen Freundschaften. Jedem Pfarrer vor Jehle ist es gelungen, die Interessen aller Anspruchsgruppen unter einen Hut zu bringen. Jehle und dem Kirchenrat fehlt diese Eigenschaft offenkundig. Und so gehen die einen weiterhin in Kreuzlingen in die Kirche, während die Mehrheit wie ich in die umliegenden Gemeinden ausweicht. Während man früher gemeinsam auf der selben Kirchbank sass und sich beim Suppenzmittag angeregt unterhalten konnte, wechselt man heute die Strassenseite und meidet jeden Kontakt. Hier versagen die Organe unserer Kirche komplett. Keine Spur von lösungsorientertem Handeln. Stattdessen wird scharf geschossen und latent gedroht. Dieses grosse Unvermögen, für das ich Geld zahle, macht traurig und fassungslos. Die Passivität in Solothurn macht wütend und ohnmächtig. All das passt nicht in eine aufgeklärte Zeit.

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      1. Bruno Neidhart

        „Wechseln der Strassenseite“ ist keine Antwort (wie auch das „Nichteinrechnen von Holzfiguren“). Wo ist letztlich die „Brücke“ zurück über die „Strasse“?

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  2. Toni der Räber

    Werte B.M.B, Schiesser und Strotz
    Besten Dank für euer Gedankengut. Genau das bestärkt uns alle! Denken und nachdenklich sein ist einer der Vorgänge, die in der Quantität die Qualität bringen und uns letztlich befreien…

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  3. Pedro Linder

    Erstaunlich, über welche Nebensächlichkeiten hier man diskutiert. Religionen sind barer Unsinn. Es geht nur noch darum, dass man die Erbschaft aus vergangenen Jahrhunderten klug verwaltet.

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    1. schiesser

      Hallo Pedro Linder – in einer freiheitlichen Gesellschaft kommt es schon mal vor, dass die Meinung darüber, was „Nebensächlichkeiten“ und „Hauptsachen“ sind, auseinander gehen. Für die Katholiken der Gemeinde St. Ulrich ist die eben vor sich gehende Neuausrichtung der Gemeinde offenbar wichtig. Für sie ist die Religion halt kein „Unsinn“. Auch die Entscheidung darüber, sollte doch jedeR selbst fällen können, oder? Zur „Erbschaft aus vergangenen Jahrhunderten“ gehört die Religion nun eindeutig. Die Frage ist doch aber, wird sie – wie Sie verlangen – in dieser zerstrittenen Pfarrei auch „gut verwaltet“? Das scheint doch derzeit wohl nicht der Fall zu sein, regiert doch eher die Ausgrenzung statt der Suche nach einem Miteinander. Und „vom Schiff aus“ hat man den Eindruck, die Gemeindeleitung sei auf Konfrontationskurs – den sie gleichzeitig der Gegenseite vorwirft. Statt einer/einem MediatorIn wird da lieber auf einen Anwalt gesetzt – als ob dadurch das Verlassen der „Schützengräben“ auf beiden Seiten einfacher würde.
      Übrigens: Die Meinungen darüber, ob Erbschaften aus vergangenen Jahrhunderten „klug“ oder „unklug“ verwaltet werden, dürften bei den meisten Themen ziemlich auseinander gehen. Ausserdem muss auch nicht jede Erbschaft aus vergangenen Zeiten erhalten werden, bei manchen ist es ganz gut, wenn man sie vergisst. Und nicht zuletzt, sollte man sich nicht aufs kluge Verwalten von Erbschaften beschränken, man sollte mehr Ehrgeiz dafür investieren, klug in die Zukunft zu gehen/kommen.

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