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Blütezeit und Vernichtung

Konstanz – Im Richentalsaal des Kulturzentrums am Münster wird mit der Sonderausstellung «Das jüdische Konstanz. Blütezeit und Vernichtung» an das gewaltsame Ende jüdischen Lebens im Bodenseeraum vor 75 Jahren erinnert.

Die 1883 erbaute Konstanzer Synagoge.(Bilder: zvg)

Die 1883 erbaute Konstanzer Synagoge. (Bilder: zvg)

Dargestellt werden die Verfolgungsmassnahmen seit 1933, die «Arisierung» von Geschäften, die für alle Welt sichtbare Ausstossung der jüdischen Bürger aus dem Alltagsleben, die Ereignisse der so genannten «Reichskristallnacht» und die Deportation der badischen und pfälzischen Juden 1940 in das Lager Gurs/Frankreich.

Geachteter Teil der Gesellschaft
Doch jüdische Deutsche sollen nicht nur als Opfer von staatlicher Verfolgung und nachbarschaftlicher Ausgrenzung erscheinen. Die Ausstellung richtet den Blick tiefer in die Geschichte: Jüdische Bürger waren vor 1933 geachteter und engagierter Teil der Gesellschaft. Auch im Bodenseeraum zogen seit dem badischen Gleichstellungsgesetz von 1862 jüdische Familien aus den so genannten «Judendörfern» in die grösseren Städte, gründeten dort Firmen und Geschäfte, nahmen am kulturellen Leben teil.

Schweizer Abschottungspolitik
Doch mit Beginn der nationalsozialistischen Diktatur begann auch auf lokaler Ebene eine von den Kommunalverwaltungen häufig besonders radikal betriebene Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bürger. Ihrer Erwerbsmöglichkeiten beraubt, verliess ein Grossteil der jüdischen Konstanzer bis 1939 die alte Heimat.

Die nahe Schweiz wurde für wenige wohlhabende Familien zum rettenden Ufer. Mittellose jüdische Flüchtlinge wurden jedoch infolge der energischen Abschottungspolitik der Schweizer Bodensee-Kantone abgewehrt. Wenige mutige Nachbarn und Fluchthelfer wagten es, Bedrohten in waghalsigen Aktionen zur Flucht über die Grenzlinien oder über den Bodensee in die vermeintlich rettende Schweiz zu verhelfen.

Deportation und Vernichtung
Am 22. Oktober 1940 wurden 112 jüdische Konstanzer in das primitive Übergangslager Gurs am Fusse der Pyrenäen deportiert, für viele die erste Station auf dem grausamen Weg in die Vernichtungslager im Osten.

Im Richentalsaal des Kulturzentrums am Münster werden jüdische Exponate aus Konstanz und aller Welt gezeigt. Die Ausstellung wird begleitet von einer Publikation und einem vielfältigen Rahmenprogramm.

Vom 19. Oktober bis 1. November soll ein erhaltener Personenwaggon der Reichsbahn in Konstanz, mit dem 1940 badische Juden dportiert wurden, als besonderes Mahnmal aufgestellt und zugänglich gemacht werden.

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