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Neuer Chef der Affenbande

Salem – Es war spannend am grossen Platz des Waldgeheges vom Affenberg Salem beim Bodensee: Wer wird Chef in der grössten Berberaffengruppe mit 60 Tieren und fünf Affenbabys? Die schlauen Affen lassen sich nicht beeindrucken – kräftig und laut reicht nicht. Es sollte ein erfahrenes, kluges und durchsetzungsstarkes Männchen sein.

Lentigo, der neue Chef in der größten Berberaffengruppe (links im Bild) am Affenberg Salem, kümmert sich um die Babys und nutzt diese gleichzeitig aus, um Kontakte mit Koalitionspartnern (rechts im Bild) zu knüpfen. (Foto: Affenberg)

Lentigo, der neue Chef in der größten Berberaffengruppe (links im Bild) am Affenberg Salem, kümmert sich um die Babys und nutzt diese gleichzeitig aus, um Kontakte mit Koalitionspartnern (rechts im Bild) zu knüpfen. (Foto: Affenberg)

Drei Kandidaten waren auf «Wahl-Tour» – die ranghohen Männchen Trikora und Lentigo sowie dessen jüngerer Neffe Julius. Dabei zeigte sich rasch, dass das aggressive und auf Konfrontation ausgelegte Vorgehen von Trikora nicht ankam. Dem strategisch und umsichtig handelnden Netzwerker Lentigo im besten Berberaffenalter gelang es, die Wahl eindeutig für sich zu entscheiden. Beim Rundgang im Park erkennt man ihn rasch – er ist der, sich als erster Futter nimmt. Da gelingt sicher ein tolles Promi-Bild, das noch bis zum 15. August Chance auf einen Gewinn beim Tierfoto-Wettbewerb hat. Auch bei den Störchen herrscht reges Treiben. Die ersten Jungstörche reihen sich in den Thermikflug ein, andere üben noch das ‚Abheben‘ vom Horst.

Der 15 jährige Lentigo stammt aus einer grossen Familie, ist zwar nicht das stärkste Tier der Gruppe, dafür sehr clever. Er trumpfte mit seinem diplomatischen Geschick und konnte nicht nur Familienangehörige, sondern auch zahlreiche weitere Männchen als Koalitionspartner gewinnen. «Wenn er diese Kontakte gut pflegt, so kann er seine Führungsposition für bis zu fünf Jahre halten», meint Biologe und Parkleiter Dr. Roland Hilgartner. Immer wieder lässt sich beobachten, wie Lentigo und andere Männchen die süssen Affenbabys als Zeichen friedlicher Absichten ihrer Begegnung einsetzen. Dem Chef steht der Platz im Zentrum der Gruppe zu – in freier Wildbahn kann dies überlebenswichtig sein. Auch in der herbstlichen Paarungszeit geniesst er gewisse Vorteile, wenngleich die Weibchen auf geschickte Weise mitentscheiden. «Das Sozialerhalten und die Sozialstruktur in einer Berberaffengruppe ist eine sehr komplexe Sache, bei der Affenchef und –chefin eine grosse Rolle spielen», weiss der Experte. Neben zahlreichen, auch interaktiven Informationen kennen die geschulten Mitarbeiter ihre Schützlinge gut und können viel erklären. Derweil nehmen die Affen entlang des Rundweges gerne das gratis ausgegebene Popcorn aus der Hand der Besucher.

Beim weiteren Weg durch das weitläufige Areal mit grossem Weiher gelangt man auch ins Damwildgehege. Hier trauen sich jetzt auch die jungen Bambis zum täglichen Mitfüttern durch die kleinen und grossen Gäste jeweils um 16.15 Uhr. Darüber ist der Himmel voller Störche. Während bei zwei Horsten mit Nachzüglern die Beringung erst noch erfolgt, sind viele Jungvögel eifrig dabei, ihre Flugqualitäten zu trainieren. Bei anderen sieht man, wie sie immer wieder etwa einen halben Meter über dem Horst flattern, das vollständige Auffliegen gelingt hier in Kürze. Noch ist Zeit zum Üben: «Wenn Mitte August die Thermikbedingungen gut sind, starten alle Jungstörche gemeinsam zum grossen Zug nach Süden – die Altvögel folgen etwas später, so Hilgartner, den dieses Spektakel jedes Jahr aufs Neue fasziniert.

Mitte August endet auch die Einreichung der Schnappschüsse und Kurzfilme mit schönen Szenen oder markanten Affengesichtern. Neben attraktiven Preisen kann man die Siegerbilder danach bis in den Herbst hinein im Park bewundern (Informationen hierzu im Park oder online).

Erste Eindrücke zu diesem schönen Ausflugsziel mit Affenberg-Kino, grossem Spielplatz, Hofschänke und mehr zu familienfreundlichen Preisen gibt es unter www.affenberg-salem.de.

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