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Beliebter Partyplatz ist in Gefahr

Tägerwilen – Der Tägerwiler Gemeinderat erklärt den «Kampf gegen den Partyplatz» im Pfaffenbühl für begonnen und verlangt von Bio-Bauer Christian Schwarz, nach mehr als zehnjähriger stillschweigender Duldung ein Baugesuch für seine beliebte Festwiese einzureichen. Hintergrund ist ein elektronisches Festival, das Mitte Juni zum zweiten Mal stattfand und wegen zu lauter Musik Anwohner verärgerte.

Der eigenwillige Bio-Bauer lässt auch andere an der schönen Aussicht im Pfaffenbühl teilhaben. (Bild: sb)

Der eigenwillige Bio-Bauer lässt auch andere an der schönen Aussicht im Pfaffenbühl teilhaben. (Bild: sb)

Am 13. Juni fand auf dem Partyplatz im Pfaffenbühl ein Festival mit elektronischer Musik statt. Bekannte internationale Szene-DJs spielten, das Publikum reiste von weit her an, mehrere hundert Menschen feierten friedlich und versuchten ein Experiment: Der Anlass sollte ohne die sonst üblichen Müllberge über die Bühne gehen. Es gab Bio-Food, Kompost-Klos, Solarstrom, ein Verbot von Plastikbechern und ­-flaschen sowie eine Recycling-Station. Die Feiernden reisten zu einem grossen Teil mit dem ÖV an.

Eigentlich könnte ungetrübte Freude darüber herrschen, dass einige engagierte Junge es schafften, ein Festival dieser Grössenordnung auf solche Weise durchzuziehen. Wäre da nicht die Musik. Denn darin sind sich viele einig: Sie war zu laut.

«Das hat total über die Schnur gehauen», erbost sich Gemeindepräsident Markus Thalmann. Um die 30 Reklamationen habe er erhalten. Wütend ist auch ein Anwohner: «Bei uns haben die Scheiben gezittert», berichtet er. «Halb Tägerwilen und halb Kreuzlingen wurde durch den Lärm verrückt gemacht», weiss ein anderer. Von 10 bis 22 Uhr habe nonstop der Bass der Tanzmusik gewummert. Bei der Kantonspolizei gingen zur Tageszeit laut Mediensprecher Matthias Graf rund ein Dutzend Meldungen wegen Lärmklagen ein.

Der Partyplatz ist klein, aber fein, liegt am Hang über Tägerwilen und bietet eine wunderschöne Aussicht. Das Angebot, hier zu feiern, nutzen viele Bürger für Geburtstage oder sonstige Feste. Von Mai bis September finden bzw. fanden dort fünf private Feste und drei grosse Anlässe statt: Das Day Dance, das Nothing Hill und das Oben Toben. Alle Veranstaltungen sind im Kalender einsehbar auf www.christian-schwarz.ch.

Panorama vom Partyplatz. (Bild: zvg)

Panorama vom Partyplatz. (Bild: zvg)

Alle Auflagen eingehalten
Selbst Partyplatz-Vermieter Christian Schwarz sagt genau dasselbe: «Mir ist klar, dass es getönt hat. Das Day Dance war zu laut.» Dabei habe er alle von der Gemeinde geforderten Auflagen – WCs, Sanitäts- und Sicherheitsdienst, keine laute Musik mehr nach 22 Uhr, Dezibel-Richtlinien nicht überschreiten – penibel eingehalten. Der Anlass wurde drei Monate vorher angemeldet. Wie konnte es also dazu kommen?

«An dem Tag herrschte sehr starker Westwind», erinnert sich Schwarz und entschuldigt sich: «Es war nie unsere Absicht, die Anwohner zu belästigen.» Auch habe er sich zu sehr auf die Veranstalter verlassen. Diese hätten die Musikanlage besser einstellen sollen, versichern aber, sich für die Zukunft neue Strategien auszudenken, damit so etwas nie mehr passiert.

Gemeinde aufgefordert
Gerne würde Schwarz bei der Planung mehr Eckpunkte von der Gemeinde bekommen und enger mit dieser zusammenarbeiten. Statt Konfrontation setzt er auf Austausch. Und das, obwohl er ja auf seinem Grund und Boden recht eigentlich so laut sein könnte, wie er will – zumindest bis 22 Uhr. Dies bestätigt auch Matthias Graf von der Kantonspolizei. Veranstaltungen, die Eintritt kosten, seien allerdings von der Gemeinde zu genehmigen.
«Ich wohne an einem wunderschönen Ort und möchte anderen auch weiterhin die Möglichkeit geben, hier zu feiern. Mir liegt immer daran, etwas zu optimieren», sagt Schwarz. So hat er erst kürzlich ein Baugesuch für einen Hofladen mit WC und Brünneli eingereicht. Ihm schwebt eine Besenbeiz für Ausflügler vor, die nur Bioprodukte anbietet. Und wenn man den Anwohnern Glauben schenkt, ist es auch nicht der Partyplatz im Allgemeinen, der sie auf die Barrikaden treibt, sondern das besagte Festival im Speziellen.

Trotzdem scheint es, als ob die Gemeinde mit baurechtlichen Waffen versuchen will, die Festwiese zu schliessen. Schwarz soll Baugesuche für ein seit anfangs der 90er Jahre bestehendes Wetterdach, die seit Jahren benutzte Holzbühne und ganz allgemein für die Umnutzung des seit zehn Jahren in Betrieb stehenden Partyplatzes nachreichen. Der Gemeinderat sieht durch das Day-Dance-Festival, welches von den Veranstaltern im Internet stark beworben wurde, eine neue Qualität der Nutzung erreicht. «Wir werden alles dran setzen, um diesem Habakuk einen Riegel vorzuschieben», lässt der spürbar verärgerte Gemeindepräsident Markus Thalmann wissen.

«Behörde sollte neutral bleiben»
Dass der Gemeindepräsident schon Partei ergreift, bevor der Bauantrag veröffentlicht ist, befremdet den Bio-Bauern indes sehr. «Ich denke, die Behörde sollte sich da neutral verhalten, denn es gibt auch viele Wähler, die hinter dieser Veranstaltung stehen», sagt Christian Schwarz. «Nur: Lob erreicht die Gemeindeverwaltung nicht. Wir bekommen hingegen viel mehr positives Echo als negatives. Aber Letzteres kommt an und ich nehme es ernst.»

Das Inserat des Gemeinderats finden sie in der Tägerwiler Post (in der Printausgabe auf Seite 19).

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One thought on “Beliebter Partyplatz ist in Gefahr

  1. Bruno Neidhart

    Etwas ist zu laut, wenn es zu laut ist (mit oder ohne „Westwind“!): Das hat auch der Promotor, „Christian „Bio“ Schwarz vom Pfaffenbühl“ festgestellt. Er beabsichtigt, darauf entsprechend zu reagieren und hat sich entschuldigt. Gleichzeitig versucht nun die Gemeinde durch „baurechtliche Waffen“ einzugreifen, operiert mit: „neue Qualität der Nutzung“. Immerhin „Qualität“! Da möchte man schon einwenden, dass das, was unten im Tägemoos geschieht, zwar „baurechtlich“ wohl so von der Gemeine abgesegnet wurde, doch über die „Qualität“ des beton-betonten, allmählichen Totalzubauens dieses historisch offenen Gebiets zwischen Dorf und Rhein liesse sich ebenso diskutieren, wie oben am „Hang mit Aussicht“ über ein eher harmloses „Wetterdach mit Holzbühne“. So wäre denn die Frage zu stellen, wo mehr „Habakuk“ (Thalmann) stattfindet: „Unten“ oder „Oben“ (wo sie halt gelegentlich „Toben“). Ist das soooo „schlimm“?

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