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Kein Lehrermangel trotz leicht steigender Schülerzahlen

Frauenfeld – Wie jedes Jahr stellt sich auch diesen August die Frage, ob im kommenden Schuljahr an der Volksschule genügend Lehrpersonen vor die Kinder treten. Die gute Nachricht: Alle knapp 28900 Kinder und Jugendliche, die am kommenden Montag ihr neues Schuljahr beginnen, haben ihre Lehrperson. Dies obwohl die Gesamtschülerzahl in den Regelklassen nach Jahren stagnierender Entwicklung wieder um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat. Bei weiter positivem Wanderungssaldo wird diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren anhalten.

Felix Züst, Präsident Verband Thurgauer Schulgemeinden, Walter Berger, Chef  Amt für Volksschule und Heinrich Christ, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Volksschule (v.l.), informierten über den anstehenden Schuljahreswechsel. (Bild: zvg)

Felix Züst, Präsident Verband Thurgauer Schulgemeinden, Walter Berger, Chef
Amt für Volksschule und Heinrich Christ, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Volksschule (v.l.), informierten über den anstehenden Schuljahreswechsel. (Bild: zvg)

Rund 2 800 Kinder beginnen im Thurgau am kommenden Montag ihre Schulkarriere mit ihrem ersten Kindergartentag. Dies sind rund 100 mehr als im Vorjahr. Diese kräftige Zunahme um zwei Prozent im Kindergarten ist auch für die insgesamt steigende Schülerzahl verantwortlich, denn noch weist die Sekundarschule ein Minus von einem Prozent auf. «Aber auch an der Sekundarschule ist die Talsohle erreicht», erklärte Walter Berger, der Leiter des Amts für Volksschule, anlässlich einer Medienorientierung.

Felix Züst, der Präsident des Verbands Thurgauer Schulgemeinden und Schulpräsident von Bischofszell ergänzte, dass die Talsohle ein bis zwei Jahre früher erreicht wurde als gedacht. Dies sei jedoch von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. So wachse etwa die Stadt Bischofszell, aber es gebe Aussengemeinden ohne Bautätigkeit, die sinkende Schülerzahlen aufwiesen.

Zu wenig Heilpädagogen
Fürs neue Schuljahr konnten alle vakanten Lehrpersonen-Stellen relativ leicht besetzt werden. Eine Umfrage unter den Absolventinnen und Absolventen der Pädagogischen Hochschule Thurgau ergab, dass die meisten eine Stelle gemäss ihren individuellen Vorstellungen gefunden haben. Von den rund 130 frisch Diplomierten in den Bereichen Kindergarten und Primarstufe wird etwa die Hälfte eine Lehrtätigkeit im Kanton Thurgau übernehmen, ein Viertel im Kanton Zürich und ein Zehntel im Kanton St. Gallen. Schwierig bleibt die Situation weiterhin bei den schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen. Hier blieben fünf Stellen mit einem Pensum von über 50 Prozent offen.

Ende des vergangenen Schuljahres waren rund 2390 Lehrpersonen an der Thurgauer Volksschule beschäftigt. Dies entspricht rund 1710 Vollzeitstellen oder einer Zunahme von 2,9 Prozent. Teilzeitarbeit gewinnt dabei weiter an Bedeutung. Der Ausbau des Lehrpersonals erfolgt vor dem Hintergrund der guten finanziellen Situation vieler Schulgemeinden. Das erlaubt, dass auch kleinere Klassen erhalten bleiben. Dies obwohl der Finanzbeitrag des Kantons um 4,2 Millionen Franken gesunken ist, da der Kanton pro Sekundarklasse neu mit 21 statt 20 Schülerinnen oder Schüler rechnet.

Interkantonal sei der Thurgau gut aufgestellt, meinte Berger, besuchten doch durchschnittlich 19 Kinder eine Kindergartenklasse, 19,5 eine Primarklasse, 19 eine Sekundarschulklasse E und 17 eine Sekundarschulklasse G. Die Situation bei den Schulleiterinnen und -leitern hat sich ebenfalls verbessert. In diesem Jahr ist lediglich noch eine Stelle mit kleinem Pensum vakant.

Seit Frühling 2015 können sich Lehrpersonen und Schulleitungen online über verschiedene Aspekte der Elternzusammenarbeit informieren. Es geht um Rechte und Pflichten von Eltern und Schule, Formen der Zusammenarbeit, Möglichkeiten der Elternmitwirkung und die interkulturelle Elternzusammenarbeit. Anstelle einer gedruckten Broschüre setzt das Amt für Volksschule konsequent auf eine elektronische Aufbereitung, was laut Heinrich Christ, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Volksschule, die Aktualisierung erleichtere und Ressourcen spare. Das inhaltlich unveränderte Schulblatt öffnet sich künftig auch für Eltern, die die Dezember-Ausgabe als kostenlose Probenummer bestellen können.

Lehrplan 21 kommt
Die Vorbereitungen zur Einführung des Lehrplans Volksschule Thurgau sind auf Kurs. Am 19. August informieren Schulleitungen und -behörden über das kantonale Einführungskonzept und den kantonalen Auftrag an die Schulgemeindem. Im Herbst finden die Weiterbildungen von bis heute rund 150 angemeldeten Lehrpersonen zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren statt. Die Einführung des Lehrplans 21 ist auf das Schuljahr 2017/2018 vorgesehen. Das elektronische Lehrmittel «Thurgau du Heimat» mit Lerninhalten mit Bezug zur Thurgauer Heimatkunde, welches momentan in Zusammenarbeit mit der PHTG entsteht, soll die Lehrpersonen bei der Arbeit mit dem Lehrplan 21 unterstützen.

Die Weiterbildung zum Sicherheitskonzept stösst bei den Schulgemeinden auf grosses Interesse. Die ersten Kurse waren sofort ausgebucht. Im August und Herbst sind weitere Kurse geplant. Aufgrund des Musterkonzepts können Schulgemeinden eigene Sicherheitskonzepte erarbeiten. Die Fachleute des schulischen Kriseninterventionsteams SKIT stehen für Beratungen, Weiterbildungen und Schulungen zur Verfügung.
Felix Züst, Präsident Verband Thurgauer Schulgemeinden, Walter Berger, Chef
Amt für Volksschule und Heinrich Christ, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Volksschule, informierten über den anstehenden Schuljahreswechsel.

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