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Aus für Café Bürgi in Scherzingen

Scherzingen – Auf den morgendlichen Gang zum Bäcker müssen die Einwohner Scherzingens ab Ende August verzichten. Das Café Bürgi an der Seestrasse schliesst nach zwölf Jahren.

Nur noch bis Ende August gibt es das Café Bürgi in Scherzingen. (Bild: Thomas Martens)

Nur noch bis Ende August gibt es das Café Bürgi in Scherzingen. (Bild: Thomas Martens)

Seit November 2003 gibt es das Erlebnis-Café, das bei Einheimischen wie Durchreisenden gleichermassen sehr beliebt ist. Der Entscheid zur Schliessung ist deshalb auch nicht aus wirtschaftlichen Gründen gefallen: «Die Liegenschaft wird von den Eigentümern an Dritte verkauft», sagt Erika Herzog, Verwaltungsrätin der Bürgi Spezialitäten AG, einer schweizweit bekannten Schokoladenmanufaktur mit Hauptsitz in Pfyn. Das Café war in der Liegenschaft eingemietet. Was daraus wird, ist noch unklar.

Ende Januar dieses Jahres verstarb der Hauptaktionär des Unternehmens, Albert Bürgi, der das Café privat geführt hatte. Er habe im Rahmen seiner Nachlassregelung bestimmt, dass nur die AG als eigenständiges Unternehmen unter dem bisherigen Namen weitergeführt werden soll. Deshalb werde sich die Bürgi Spezialitäten AG künftig auf ihr Kerngeschäft in Pfyn, die Produktion der «Bürgi Kreationen», konzentrieren. Seit 1970 ist die Firma auf Herstellung und Verkauf hochwertiger Schokolade spezialisiert und beschäftigt 50 Mitarbeiter.

Der Café-Betrieb in Scherzingen läuft noch bis zum 30. August wie gewohnt weiter, eine Abschiedsparty oder einen Ausverkauf wird es nach Angaben Herzogs nicht geben: «Über den Monat August werden den Kunden aber entsprechende Geschenke für ihre Treue abgegeben.» In Scherzingen sind insgesamt 17 Mitarbeiter beschäftigt mit zum Teil sehr unterschiedlichen Beschäftigungsgraden. «Nach einer Lösung für diese MitarbeiterInnen wird in Zusammenarbeit mit dem RAV gesucht», so Verwaltungsrätin Herzog.

Gemeinde sind Hände gebunden
«Die Gemeinde Münsterlingen bedauert die Schliessung des Cafés», wie Gemeindepräsident René Walther auf Anfrage sagt. Münsterlingen wurde vor 26 Jahren aus den beiden bis dahin selbstständigen Dörfern Scherzingen und Landschlacht gebildet. Doch im Gegensatz zu Landschlacht hat Scherzingen ausser dem «Gasthof zum Bahnhof» und dem «Bäckerstübli» mit abendlichem Bistro-Barbetrieb und Live-Musik momentan gastronomisch nicht mehr viel zu bieten. Der «Konsumhof» ist seit Ende Juli geschlossen, ein neuer Pächter sei gemäss Eigentümer allerdings bereits gefunden.

«Es ist nicht Aufgabe der Gemeinde, ein neues Café anzusiedeln oder gar zu betreiben», sagt Walther. Man könne mithilfe der Raumplanung lediglich für attraktive wirtschaftliche Rahmenbedingungen sorgen, wie gute Infrastruktur oder Zonierung. Letztlich bestimme die Nachfrage das Angebot. Diese könnte aber durchaus vorhanden sein, hatte Scherzingen in den vergangenen zehn Jahren doch einen enormen Bevölkerungszuwachs von 1344 auf heute knapp 1800 Einwohner zu verzeichnen. Und an der Seestrasse werden gerade rund 40 neue Wohneinheiten gebaut. Berücksichtigt werden muss allerdings auch die Nähe zu den umliegenden Schweizer Gemeinden und Konstanz mit einer Vielzahl gastronomischer Betriebe in allen Preissegmenten.

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