/// Rubrik: Leserbriefe

Ein Vergleich

Leserbrief – Um die Meinungsverschiedenheiten in St. Ulrich ist es, wohl ferienbedingt, etwas ruhiger geworden. Man muss kein Prophet sein um zu erahnen, dass es im Innern in beiden Lagern weiter brodelt, wohl auch im Hinblick auf die weiteren Gespräche vom kommenden Montag, 24. August. (Hanspeter Schär, evangelisch, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

(Bild: pixelio)

Die Protagonisten beider Parteien haben sich vor einiger Zeit für je eine Pressefoto ablichten lassen und sich somit der Öffentlichkeit gestellt. Es ist höchst interessant und aufschlussreich, diese zwei Gruppierungen miteinender zu vergleichen: Bei den Vertretern der Kirchgemeinde St. Ulrich handelt es sich bis auf eine Person um Mitarbeiter resp. Angestellte der Kirchgemeinde. Einzig der Archivar ist ein alteingesessener, sicher verdienstvoller Kreuzlinger. Die Frau, die als Vertreterin des Kirchenvolkes dargestellt wird, ist eine bayrische Juristin, die in Wil arbeitet und noch nicht lange in Kreuzlingen wohnt.

Ganz anders die Zusammensetzung der Dialoggruppe: Da versammeln sich Persönlichkeiten, meist stadt- und regionalbekannt, die sich alle über frühere intensive Mitarbeiten in St. Ulrich oder in andern Kirchgemeinden ausweisen können. Als aussenstehender Beobachter muss man zwangsläufig die Frage stellen: Was treibt diese Menschen an, sich so zu exponieren? Von Behördenseite scheint diese Frage wohl noch nie gestellt worden zu sein.

Die Antwort liegt auf der Hand: Es ist die Sorge um die Pfarrei St. Ulrich, die sie lieben, die sie z.T. mitgeprägt haben und die ein Teil von ihnen ist, resp. war! Und diese verdienten Katholiken werden Seitens der Behörde lediglich als Nestbeschmutzer, Unruhestifter und Lügenverbreiter an den Pranger gestellt. Wenn ein Kreuzlinger Journalist (ein Innerrhödler nota bene!) und der auswärtige Moderator des ominösen ersten Gesprächsabends so undifferenziert, tendenziös und einseitig über die Sache berichten und sich der Präsident des Pfarreirates bemüht, mit einem eines Dozenten unwürdigen Tones die «Aufständischen» abzukanzeln, fragt man sich, ob diese selbsternannten «Richter» wirklich erfasst haben, worum es hier geht.

Es ist augenscheinlich, dass sich in dieser Auseinandersetzung ein weltweit innerkatholischer Konflikt manifestiert. Auf der einen Seite sind die konservativen, reaktionären Kräfte, die gerne das letzte Konzil rückgängig machen würden und denen es um Macht- und Privilegienerhaltung geht. Es sind diejenigen, die wissen, dass alle anderen im Unrecht sind! Auf der andern Seite stehen diejenigen Gläubigen, die, bei aller Wahrung der elementaren christlichen Botschaft, sich nach einer Kirche mit entstaubten, zeitgemässeren Formen sehnen.

Im Prinzip gibt es für Kreuzlingen nur eine Lösung: Man muss in St. Ulrich endlich zu ermitteln versuchen, für welchen Weg sich die Mehrheit der Kirchbürger entscheidet. Irgendwie ist man immer noch im Ungewissen darüber, weshalb die Kirchenvorsteherschaft bisher Pfarradministrator Jehle nicht zur Wahl zu stellen wagte, auch wenn eine solche Befragung nur konsultativen Charakter gehabt hätte.

Share Button

2 thoughts on “Ein Vergleich

  1. Bruno Neidhart

    „Hanspeter Schär, evangelisch“ (kein Prophet), sieht, wie sich „augenscheinlich………. ein weltweit innerkatholischer Konflikt manifestiert“. Jetzt wird es aber kompliziert! „Augenscheinlich“ in einer Art „ökumenischer Aufwallung“ begibt er sich – in welcher Absicht auch immer – auf eine zu hohe Ebene. Das Ganze „manifestiert“ hier erkennbar eben nur einen örtlich überschaubaren „Konflikt“, der immer wiedermal zwischen „konservativ und zeitgemäss“ zu Diskussionen führen kann – und aus Erfahrung ab und zu auch muss. In jeder Religion. In jeder Gesellschaft. Tut gut. Tut nur dann nicht gut, wenn versucht wird, Personen gegeneinander auszuspielen („Bayrische Juristin“, „Innerrhödler“ „regional bekannt“, usw.)! Christlich? Jesus fragen………

    Antworten
    1. schiesser

      Naja, „Jesus fragen“ ist natürlich (sorry) Baubau. Der gibt keine Antwort und sein Bodenpersonal antwortet je nach eigenem Standpunkt. Hanspeter Schärs Aussage, wonach sich in den Kreuzlinger Auseinandersetzungen ein weltweiter innerkatholischer Konflikt manifestiere, ist doch völlig richtig: In der röm.-kath. Kirche gibt es diesen Konflikt zwischen konservativ bis reaktionärer und zeitgenössischer-offener Haltugn. Wobei die Kurie mehrheitlich zum ersten Lager tendiert, was natürlich dann auch im Konflikt vor Ort die Haltung der „Gemeindeoberen“ prägt.
      Wenig hilfreich (um es diplomatisch statt drastisch auszudrücken) ist die Etikettierung verschiedener Personen (die zudem nur bei der einen Gruppe vorgenommen wird) – von der „bayrischen Juristin“ bis hin zum „Innerrhödler“. Was soll das? Wenn sich nur noch Menschen mit Thurgauer Bürgerrecht (oder hier geboren und nie weggezogen) engagieren und äussern dürfen, ist schnell „Matthäi am Letzten“. Es ist doch völlig egal, ob einer ein Innerrhödler Bürgerrecht hat, aus Bayern zugezogen ist oder aus S-chanf oder Ouagadougou stammt. Wichtig ist das Engagement und die Qualität der Arbeit sowie der Umgang mit den Mitmenschen. Mit dieser Etikettierung schürt man höchstens die Differenzen, während man von anderen fordert, diese einzuebnen.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.