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«Ich kämpfe für die Sache»

Kreuzlingen – Für die Nationalrats- und Ständeratswahlen am 18. Oktober bringen die Parteien sich und ihre Kandidaten bereits in Position. Aus dem Bezirk Kreuzlingen kandidiert Unternehmer Klemenz Somm als einziger für beide Kammern.

Klemenz Somm aus Kreuzlingen, Kandidat der Grünliberalen für die National- und Ständeratswahlen.(Bild: Thomas Martens)

Klemenz Somm aus Kreuzlingen, Kandidat der Grünliberalen für die National- und Ständeratswahlen. (Bild: Thomas Martens)

Klemenz Somm (47) ist seit 2004 Kantonsrat. Als grünliberaler Politiker ist er Mitglied der CVP/GLP-Fraktion. Der selbstständige Unternehmer (Schrofenhof) ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

Herr Somm, Sie kandidieren als National- und Ständerat. Wieso beides?
Klemenz Somm: Die Ständerats-Kandidatur ist eine gute Plattform, um Positionen zu transportieren. Man geht nicht in einem Meer von 100 bis 150 Kandidaten unter, die öffentliche Wahrnehmung fokussiert sich auf die wenigen Kandidaten. Dann hat es ja so ausgesehen, als gebe es gar keine richtige Wahl im Thurgau, wenn sich nur die beiden Bisherigen stellen. Das wäre unbefriedigend. Der Thurgau kann durchaus auch anders repräsentiert werden, als durch die beiden jetzigen Ständeräte und diesem Thurgau möchte ich eine Stimme geben.

Sie könnten sich aber auch voll auf den Ständerat konzentrieren, warum auch Nationalrat?
Somm: Ich denke, dass ich durch meinen Bekanntheitsgrad und entsprechende Stimmen unserer GLP-Nationalratsliste helfen kann, unseren Sitz zu verteidigen.

Welche Kammer ist wichtiger, Ständerat oder Nationalrat?
Somm: Man kann nicht sagen, die eine ist wichtiger, als die andere. Im Ständerat steht Parteipolitik aber eher im Hintergrund und ist von untergeordneter Bedeutung. Das ist auch das, was mich am Ständerat reizt, weil ich nicht unbedingt ein Parteikopf bin. Ich arbeite gerne auf Sachebene und diskutiere ohne ideologische Verklärung. Im Nationalrat sind die Diskussionen doch eher parteipolitisch geprägt.

Welche Themen treiben Sie um, was würden Sie mit nach Bern nehmen?
Somm: Mir brennt auf den Nägeln, dass wir in der Schweiz seit Jahren einen Quadratmeter Grünland pro Sekunde verbauen. Die rasend schnelle Zubetonierung unserer Landschaft möchte ich stoppen. Wir haben es zudem immer noch nicht geschafft, einen verbindlichen Ausstieg aus der Kernenergie zu fixieren, das wäre bereits nach Tschernobyl (1986, Anm. d. Red.) überfällig gewesen. Jetzt kam auch noch Fukushima und es hat sich fast nichts geändert. Das wären meine Schwerpunkte.

Die rege Bautätigkeit hat auch mit einer gewissen Nachfrage zu tun. Wie ist das Dilemma zu lösen?
Somm: In den Zentren muss die Schweiz ganz sicher in die Höhe wachsen.  Entscheidend ist eine Raumplanung mit dem Mut zu urbanisieren, wo urbane Räume sind und zu schonen, wo ländliche Räume sind und auch bleiben sollen. Auch aus verkehrstechnischen Überlegungen macht das Sinn. Wenn wir Ballungsräume haben, können die Verkehrsströme sehr gut und wirtschaftlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden.  Bei dispersen Verkehrsströmen kann der öffentliche Verkehr kaum konkurrenzfähig betrieben werden. Wir haben sicherlich auch ein grosses Umnutzungspotential von Industriebrachen, was bisher viel zu wenig beachtet wird, weil das Bauen auf der grünen Wiese immer noch das Günstigste ist. Bei einer Industriebrache müssen bestehende Gebäude zurückgebaut und eventuell Altlasten entsorgt werden. In diesem Zusammenhang muss die Politik auf jeden Fall Hilfestellungen geben, dass so etwas finanziell tragbar ist und attraktiv wird.

Wie lässt sich Ihr politisches Engagement mit Geschäft und Familie vereinbaren?
Somm: Das wäre etwa ein 50 Prozent-Pensum. Unser Geschäft wird zum Glück betrieben von einem ganzen Team. Mit meinen Mitarbeitern habe ich das besprochen, das würde nahtlos weiterlaufen. Es gibt ja vier Sessionen pro Jahr in Bern, die jeweils etwa drei Wochen dauern. In dieser Zeit ist man grösstenteils vor Ort. Bis auf Komissionssitzungen ist man sonst weitgehend zuhause. Meine Familie steht voll dahinter. Ich habe mich aus Rücksicht darauf bisher nie einer nationalen Wahl gestellt, schliesslich sollten die Kinder aus dem Gröbsten draussen sein. Jetzt kommt der Jüngste in die Lehre, jetzt ist es soweit.

Wem würden Sie am ehesten den Ständeratssitz wegnehmen wollen?
Somm: Eigentlich möchte ich gerne eine für die Sache-Kandidatur machen. Nicht gegen eine Person.

Okay, aber es gibt doch sicherlich politische Gegner?
Somm: Man nennt den Ständerat ja auch chambre de reflexion, da ist es  von Vorteil, wenn Köpfe drin sind, die eine ausgewogene Sicht haben, keinem verpflichtet sind und nicht extrem in eine politische Richtung gehen. Es ist unschwer zu erkennen, wer von den beiden Bisherigen ideologisch politisiert. Wichtig ist mir auch, dass politische Vertreter losgelassen von irgendwelchen Verwaltungsratsmandaten mit bestem Wissen und Gewissen zum Wohl der Gesellschaft wirken können. Und nicht permanent in der Lobbyistenrolle sind.

Kommen solche Ämter nicht irgendwann mal automatisch?
Somm: Ich würde keine annehmen, wenn ich Ständerat wäre. Genau aus diesem Grund. Ich finde es äusserst unsensibel, dass zum Beispiel Roland Eberle HRS-Verwaltungsrat im Thurgau ist und gleichzeitig Verwaltungsrat der Spital Thurgau AG. Er hat das HRS-Mandat im Wissen angenommen, dass das Spital demnächst den grössten Generalunternehmer-Auftrag in der Geschichte des Kantons vergeben wird. Die Interessenkollision ist ja vorprogrammiert. Da stelle ich mir die Frage, was geht im Kopf eines solchen Mannes vor, wenn er das Mandat der Baufirma in dieser Situation annimmt.

Warum sollte man Sie wählen?
Somm: Weil ich vernetzt denken kann. Ich schaue Themen aus verschiedenen Blickwinkeln an, das kommt vielleicht auch von meinem Werdegang her. Ich habe den Standpunkt des Familienvaters, selbstständigen Unternehmers und Bauers. Oftmals bekämpfen sich die Vertreter dieser unterschiedlichen Bereiche und ich denke, dass ich auch in den elf Jahren als Kantonsrat viele Erfahrungen sammeln konnte, um eine ausgewogene Sicht vertreten zu können. Ich finde es auch wichtig, dass Unternehmer in der Politik sind, die selbst noch aktiv sind, die mit eigenem Geld im Risiko stehen und tagtäglich mit allen Sorgen, Nöten  und Freuden, die das mit sich bringt, konfrontiert werden. Das ist die ganz andere Sicht eines Wirtschaftsvertreters, im Gegensatz zu der eines angestellten Managers in einem Grossunternehmen. Dabei sind gerade die kleinen und mittleren Unternehmen das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft.

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One thought on “«Ich kämpfe für die Sache»

  1. Sauter

    Herr Somm ist für mich in der Politik nicht tragbar. Er ist der Prototyp des Opportunisten. Am Anfang seiner politischen Karriere politisierte Herr Somm im Gemeinderat von Kreuzlingen für die FL (Freie Liste). Bald wechselte er zur Wirtschaftspartei FDP. Und nun will er die GLP (Grün Liberale Partei) in unserem Kanton vertreten. Dies gleich als zukünftiger National- oder Ständerat unseres Kanton Thurgau. Ich wünsche ihm eine gehörige Abfuhr. Ist es denn auch akzeptabel einen Fleischladen oberhalb Kreuzlingen im „Grünen“, ohne Anbindung an den öffentlichen Verkehr, der auf der Anhöhe von Kreuzlingen nur mit dem Individualverkehr, sprich dem eigenen Auto, zu erreichen ist zu betreiben? Wenn es um den eigenen Profit geht scheinbar schon und da ist die Politik sogar hilfreich.

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