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Kameras haben Verspätung

Kreuzlingen - Dass am Skaterpark bereits Kameras installiert seien, wurde von der Stadt im Juli etwas vorschnell angekündigt. Wegen Personalengpässen kommen die zwei Aufnahmegeräte erst im September. Aber sind diese überhaupt nötig?

Lenny Schwarz zeigt einen Trick mit seinem Roller. (Bild: sb)

Lenny Schwarz zeigt einen Trick mit seinem Roller. (Bild: sb)

«Der Skaterplatz in Kreuzlingen ist für uns kein Brennpunkt», sagt Daniel Metzler von der Kantonspolizei unmissverständlich. Eine überraschende Aussage: Denn man sollte meinen, dass die Polizei zumindest übermässig oft ausrücken musste an einen Ort, den künftig zwei 14’000 Franken teure Spezialkameras überwachen sollen.
In einer Medienmitteilung der Stadt Kreuzlingen ist dagegen von «Littering und Vandalismus» sowie einer «Zunahme der Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen» als Grund für die Überwachungskameras die Rede. Doch hält diese Aussage der Überprüfung stand? Die einzige aktenkundige Sachbeschädigung am Skaterpark, auf die wir bei unserer Recherche stiessen, liegt Jahre zurück. Ein Solarabfalleimer und ein Robidog wurden im 2011 beschädigt – kein Vorfall, um jetzt Totalüberwachung zu rechtfertigen, sagen manche hinter vorgehaltener Hand.

Die Kameras wurden gemäss Informationsdienst der Stadt von der Arbeitsgruppe «Sicherheit im öffentlichen Raum» beantragt. Wir haben einige Mitglieder der Arbeitsgruppe befragt, ob es an der Skaterrampe Schlägereien und Verletzte gab oder ob die Anlage öfters beschädigt wird und repariert werden muss. Die Antworten bewegten sich nicht in einem Bereich, der Anlass zur Sorge gibt: In den vergangenen zwei Jahren habe keine mutwillige Zerstörung, die Reparaturen nach sich zog, stattgefunden. Tagsüber gebe es hin und wieder Konflikte zwischen jüngeren und älteren Benutzern der Anlage, die man aber habe schlichten können, durch Zuzug von Sicherheitsdiensten und weil Jugendarbeiter vor Ort waren. Teilweise seien Eltern aber verbal von Jugendlichen angegangen worden und hätten sich beschwert. Und es komme vor, dass am Morgen Scherben und Müll auf dem Platz liegen.

Aufnahmen zentral speichern
Geplant sind die Kameras dennoch für September. Dann haben die mit dem Anschluss ans Glasfasernetz beauftragten Handwerker Kapazitäten frei. Die Kameras sollen 24 Stunden am Tag aufzeichnen, nach 48 Stunden wird alles wieder gelöscht. Die Verantwortlichen haben sich dazu entschlossen, dass die Aufnahmen nicht vor Ort, sondern zentral aufgezeichnet werden. Nur wenn etwas passiert, werden die Bilder von der Stadtpolizei ausgewertet. Erst bei einer Anzeige geht das Bildmaterial an die Kantonspolizei.

Sicherheit und Abschreckung
Der zuständige Stadtrat Thomas Beringer vom Departement Dienste verteidigt das Ansinnen jedoch: «Kameras erhöhen die Sicherheit der Kinder und wenn mal etwas passiert, haben wir eine bessere Handhabe.» Auch dürfe man die Konflikte zwischen den Benutzern der Anlage nicht kleinreden. «Das ist teilweise eskaliert. Eltern wurden richtiggehend angepöbelt.» Der Chef des zuständigen privaten Sicherheitsdienstes, Michael Maier, ist seiner Meinung. Die Überwachung  sei wegen der abschreckenden Wirkung vorteilhaft. «Es hat immer einige darunter, die sich sehr daneben benehmen. Kameras können helfen, die ganz Wilden in Zaum zu halten.»

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