/// Rubrik: Leserbriefe

Wollen wir spröde Atomkraftwerke?

Leserbrief – Nachdem in den letzten Jahren mehrheitlich politisch über den Atomausstieg diskutiert wurde meldet sich jetzt die Physik zu Wort. (Georg Klevenz, Kreuzlingen)

Nach gründlichen Ultraschalltests bleibt Beznau 1 vorerst abgeschaltet. ‚Material-Unregelmässigkeiten‘ lautet die freundliche Umschreibung. Spröde sagt man dazu im Volksmund. Wie kam es dazu?

Auf der Webseite des ENSI (Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat) ist im Moment umfangreich dokumentiert, wo die Probleme alter Atomkraftwerke liegen. Sie sind nicht sicher, sondern spröde.

Das ENSI beschreibt die Situation in Belgien. Dort sind seit 2014 zwei grosse AKW stillgelegt, nachdem bei gründlichen Ultraschalltests tausende, auch grosse Risse im Reaktordruckbehälter gefunden wurden. Eine Expertenkommission wurde einberufen und mit der Untersuchung beauftragt.

Die belgische Atomaufsicht hat formal die europäische Aufsicht WENRA gewarnt und diese empfiehlt jetzt gründliche Ultraschalltests für alle AKW. Auch die Axpo wurde daraufhin von der ENSI angewiesen, endlich einmal genauer hinzuschauen.

Und dabei ist Beznau 1 jetzt durchgefallen. Jetzt bleibt es erst einmal stillgelegt. Die Beznau-Reaktoren sind halt alt und verschlissen. Wie jedes andere alte Bauwerk und jede andere alte Maschine auch. Versprödet durch 45 Jahre Strahlung. Materialermüdung. Das ist Physik und lässt sich nicht von Parteiprogrammen beeinflussen.

Alle AKW weltweit aus der Serie von Beznau sind abgeschaltet. Sie sind verschlissen und vom Konzept her zu unsicher. Und sie wurden für nur 40 Jahre Laufzeit gebaut.

Was alle anderen stillgelegt haben ist für die Schweiz noch gut genug. Wir probieren mit uneingeschränkten Laufzeiten aus, wie lange es braucht, bis so ein alter, spröder Kessel platzt. Das wollen zumindest einigen Parteien und die Axpo wissen.

Es kommt dazu, dass die Herstellungsunterlagen des Kessels von Beznau I fehlen. Man kann deshalb heute die Sicherheit nicht mehr beurteilen. Das musste die Axpo gerade zugeben. Jetzt, nach 47 Jahren erfahren auch wir endlich, dass elementare Unterlagen fehlen. Bisher fanden Axpo und ENSI das nicht so wichtig.

Beznau II ist auch gerade wegen Revision und Reparaturen vom Netz. Es wäre keine Überraschung, wenn es die gleichen ‚Material-Unregelmässigkeiten‘ gibt.

Die Schweiz hat heute schon beste Voraussetzungen, um ohne Atomkraft auszukommen. Und wir haben es erst recht nicht nötig, die ältesten und sprödesten Kessel weltweit weiter zu betreiben. Alles in einem Moment, wo die Schweizer Wasserkraft wegen eines Stromüberangebots nach Hilfen schreit.

Also weg mit Beznau I und II. Jetzt, wo beide bereits abgeschaltet sind und man täglich sieht, dass die Schweiz trotzdem Strom exportiert. Nie mehr anschalten. Das AKW-Zeitalter läuft aus.

Fragen sie ihre Kandidaten für die Wahlen im Herbst, ob sie veraltete, spröde AKW lieben, deren Strom keiner mehr braucht. Und drängen sie sie zum Ausstieg! Jetzt in der Herbstsession werden schon entscheidende Weichen gestellt.

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