/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Erst Leben retten, dann Fragen stellen!

Leserbrief – Ich habe es satt! Die ganzen Diskussionen in der Schweiz und umliegenden Ländern drehen sich um «Willkommenskultur», «Grillieren gegen das Asylheim» und die «besorgten Bürger». In manchen Lokalblättern wird seit Jahren fröhlich gegen «Asylanten» gehetzt. (Julian Fitze, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

(Bild: pixelio)

Das Sterben im Mittelmeer ist jetzt erst allgegenwärtig geworden, doch wir wissen es schon seit Jahren. Seit Jahren verrecken die Menschen auf der Suche nach einem sicheren Leben. Die Sahara, das Mittelmeer, die lybischen Folterknäste, die Wälder um die spanischen Enklaven in Afrika, die Küsten vor Asien sind verdammte Massengräber geworden. Warum? Weil die Bewegungsfreiheit eben nicht für alle gilt. Die Chance auf Bewegungsfreiheit ist verschwindend klein wenn man nicht weiss ist.

Die meisten Todesfälle könnten «ganz einfach» mit legalen Wegen zur Einreise verhindert werden. Das ist nicht kompliziert, dazu ein Beispiel: Der dreijährige Junge aus Kobani, Aylan Kurdi, der in den Fluten ertrank und dessen Foto um die Welt geht hätte eigentlich auch eine normale Fähre besteigen können und wäre in 45 Minuten an seinem Zwischenziel gewesen. Keine grössere Sache als von Kreuzlingen nach Friedrichshafen zu fahren. Die repressiven Grenzgesetze haben es ihm verboten und ihn damit in den Tod getrieben.

Es geht um das Recht auf Leben. Wer dieses seinen Mitmenschen entzieht, nimmt sich selbst die Menschlichkeit.

Nur was kann man persönlich tun gegen die Hilflosigkeit? Ich weiss es nicht …
In der Theorie müssten «nur» die Europäischen Regierungen einlenken und Menschen schützen – Grenzen öffnen, Leben retten und danach erst Fragen stellen. Doch die PolitikerInnen der Regierungsparteien wollen uns glauben machen, dass das nicht so einfach sei. Doch das wäre es. Wir müssten nur systematisch statt vereinzelt Leben retten – und die Grenzen endlich öffnen! Erst Leben retten, dann Fragen stellen!

Wir müssen jetzt handeln bevor unsere zukünftigen Seelenverwandten, beste Freundinnen, Ehemänner und -frauen, Lehrlinge, Fussballheldinnen, Bundesräte oder Disco-Flirts elendiglich verrecken und wir sie nie kennenlernen können … so viele von ihnen haben wir schon verloren.
Wenn wir die Leben gerettet haben oder es zumindest ernsthaft versuchen, könnten wir auch mal darüber nachdenken, was denn genau diese Menschen in die Flucht treibt und wieviel wir selbst und unser ach so erfolgreiches Wirtschaftssystem damit zu tun haben.

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