/// Rubrik: Leserbriefe

Notwendig oder spaltend kritisieren

Leserbrief – Zuerst möchte ich festhalten, dass es den Leuten, die im Bericht als «Kritiker» beschrieben werden, nicht einfach um mehr oder weniger unbequeme Kritik an der jetzigen seelsorgerlichen Leitung der Pfarrei und der Verwaltung der Kirchgemeinde geht. Da engagieren sich Männer und Frauen, die mit vielen andern weder theologisch noch strukturell zu einem Kirchenverständnis und entsprechender Leitung und Pastoral zurückkehren wollen in die Zeit vor dem zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) und der Synode 72 in der Schweiz (1972-1975). (Rita Bausch, Theologin)

(Bild: pixelio)

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(Zum Artikel «Keine einfache Lösung in Sicht»)

Wenn das Kritik sein soll, dann eine unbedingt notwendige. Man könnte andrerseits ja auch die Berufsausübung von Pfarradministrator Jehle und die Amtsführung der Kirchenvorsteherschaft als Kritik bezeichnen, ablehnend gegenüber dem, wie das Konzil und die Synode die Kirche und ihre Aufgaben in der Schweiz für uns geltend umschrieben haben. Da greifen Wörter wie «rückständig/fortschrittlich, konservativ/liberal» viel zu wenig.

Fragwürdige Leitung
Zum zweiten Mal wurde Bischofsvikar Ruedi Heim nach Kreuzlingen geladen, um einen Gesprächsabend zu den Spannungen in katholisch Kreuzlingen zu leiten. Mir ist unklar, weshalb er sich dazu vom Pfarradministrator, dem Pfarreirat und der Kirchenvorsteherschaft instrumentalisieren liess. Weshalb hat Ruedi Heim Alois Jehle nicht aufgefordert, selber mit der gespaltenen Pfarrei zu reden und den Konflikt auszutragen? Warum hat er ihn geschont oder entmündigt und dem Pfarradministrator nicht zugetraut, dass er auch in schwierigen Zeiten fähig ist, eine Gemeinde zu leiten, mit den ihm anvertrauten Leuten einen guten Weg gemeinsam gelebten Glaubens zu finden? Was ich im Artikel als Antworten des Bischofvikars lese, ist nicht etwas, was die Kreuzlinger nicht auch wissen. Halt ein Versuch zu besänftigen – und die Kreuzlinger haben einmal mehr erlebt, dass Herr Jehle nicht mit ihnen und für sie, sondern einfach nichts sagend da sein will.

Was Thema ist
Wieder kamen die ziemlich gleichen Einzelthemen in der seelsorgerlichen Leitung als «Knackpunkte» zur Sprache wie am ersten Abend. Mit seinen zwei neuen Mitarbeitenden hat Alois Jehle zusammen mit der Kirchenvorsteherschaft organisatorisch bereits versucht, mögliche «Angriffe» als «nicht wahr» abtun zu können. Es geht nicht nur um dies und jenes als Einzelbereich der Pastoral. Es geht doch um die Frage, was für ein Gottes- und Menschenbild, was für ein Verständnis von Kleriker und Laien, was für eine Vision von Kirche-sein, von gemeinsamem Mensch-sein die zur Zeit leitenden Leute haben, dass sie so Seelsorgende und Verwaltende sind, wie sie es sind. Geht es ihnen drum, dass ‚die Sache Jesu‘ weitergeht zum Leben für alle, oder geht’s drum, eine pseudo-ruhige, wohlhabende und eigenmächtige ‚Ghetto-Kirche‘ wieder – wie vor langer Zeit gehabt – aufzubauen?

Personalentwicklung
Zwei neue Mitarbeitende als Pfarreimitarbeiterin und Katechet/Jugendseelsorger hat die Kirchenvorsteherschaft seit Frühjahr/Sommer für St. Ulrich angestellt. Gesucht hat sie sich Herr Jehle. Auf Anfrage beim Personalamt des Bistums bekam ich die Antwort, dass beide vom Bischof keine Missio (Beauftragung, Sendung) für Kreuzlingen erhielten. Das ist in der kath. Kirche normalerweise Voraussetzung und gängige Ordnung, dass jemand in der Seelsorge auch eingebunden im Bistum steht. Doch beide haben die für ihren Dienst in einer Pfarrei erforderliche Ausbildung nicht erfüllt. Über ev. andere Gründe, liegt die Zuständigkeit der Information allein bei Bischof Dr. Felix Gmür. Er ist auch Personalchef im Bistum Basel. ‚Die beiden stehen allein im Auftrag von Alois Jehle‘, so das diözesane Personalamt. Das kann sein. Doch mir macht es Sorge, dass die Kirchenvorsteherschaft Leute anstellt, die sich nicht auch dem Bistum gegenüber verpflichtet fühlen sollen. Das zeigt, dass der Pfarradministrator sich hier eine Pfarreileitung nur nach seinem Kirchen- und Seelsorgeverständnis aufbauen will. Ich frage mich, ob es in der Kompetenz der Kirchenvorsteherschaft liegt, solche Anstellungen vorzunehmen, ohne vorher mit den Pfarreiangehörigen und KirchbürgerInnen drüber zu reden. Wollen die katholischen steuerzahlenden Kreuzlinger ungefragt eine solche Entwicklung hin zu einer ‚Sonder-Pfarrei‘ finanzieren? Ich finde es unkorrekt, dass der Pfarradministrator und die Behörde dieses Thema noch nie von sich aus zur Sprache gebracht haben, soweit mir bis heute bekannt ist. Solche «geheime» Machenschaften machen mir die seelsorgerliche und verwaltende «Geschäftsführung» unglaubwürdig und untergraben das Vertrauen.

Pastoralraum
Um Leiter eines Pastoralraumes zu werden, muss ein Priester, Diakon oder LaientheologIn bestimmt in einer festen Beauftragung als Pfarrer oder GemeindeleiterIn im Bistum stehen. Für Alois Jehle trifft das nicht zu. Er ist noch immer Pfarradministrator und nicht Pfarrer. Die Pfarrwahl steht immer noch aus. Die kirchenrechtliche Pfarrverantwortung auch für St. Ulrich liegt bei Pfarrer Josef Gander. Ich hoffe, dass sich die Katholiken im Bistum Basel ihr demokratisches Recht der Pfarrwahl nicht «stillschweigend» nehmen lassen, sollten Pastoralraumleitende einfach auf Vorschlag der Kirchenvorsteherschaften vom Bischof ernannt werden können – ohne dass diese vorgängig von den betroffenen KirchbürgerInnen als Pfarrer oder GemeindeleiterIn demokratisch gewählt sind.

Meine Fragen an Bischof und Kreuzlinger Kirchenvorsteherschaft
Was für Fähigkeiten und Talente müssen Priester oder LaientheologInnen haben, damit sie die Aufgabe eines Pfarrers, eines Gemeindeleiters/Gemeindeleiterin übernehmen können? Welche Anforderungen stellt das Bistum nebst den theologischen und pastoralen Voraussetzungen an ihre soziale Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Führungsqualität?

Will die Bistumsleitung das demokratische Wahlrecht für Pfarrer und GemeindeleiterInnen in den Kirchgemeinden abschaffen – oder Pfarreien aufheben?

Wie weit gehen die Befugnisse einer Kirchenvorsteherschaft im Thurgau im Bereich der Personalpolitik? (natürlich auch der Sach- und Finanzverwaltung) Wo untersteht sie der Pflicht, die StimmbürgerInnen zu informieren oder ihre Zustimmung zu erfragen?

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2 thoughts on “Notwendig oder spaltend kritisieren

  1. Zorell Gross Anne

    Zur Präzisierung: Auszug aus den Dokumenten des Bistums Basel zur Errichtung eines Pastoralraums, einzusehen auf der Website des Bistums Basel.

    2.2 Projektleiter
    Die Projektleitung liegt beim designierten Pastoralraumpfarrer bzw. beim designierten Pastoralraumleiter.
    Aufgaben und Kompetenzen:
    Der Projektleiter
     leitet das Projekt im Auftrag des Bischofs;
     ist für die Durchführung des Gesamtprojekts verantwortlich;
     leitet die Projekt- und die Begleitgruppe;
     ernennt die Mitglieder der Projekt- und der Begleitgruppe;
     beauftragt den Projektberater;
     ist für die Zusammenarbeit mit den Exekutiven der Kirchgemeinden innerhalb des projektierten Pastoralraumes verantwortlich.
    Vorschlag/Ernennung:
     der Projektleiter wird durch die Leitungen der Pfarreien des zukünftigen Pasto-ralraumes der Bistumsregionalleitung vorgeschlagen;
     die Bistumsregionalleitung konsultiert die Dekanatsleitung und die Exekutiven der Kirchgemeinden innerhalb des zukünftigen Pastoralraumes;
     die Bistumsregionalleitung ernennt die vorgeschlagene Person zum Projektleiter und beauftragt sie mit der Projektleitung.

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  2. L.F.Vargas

    Da wird doch so Herr Heim mit seinen Aussagen, welche nicht zur Rüge von Alois Jehle führten, konzielentfernt dargestellt, somit auch der Bischof mit seinem Bischofsvikar. Sagen sie doch dem Bischof, dass sie nicht mehr römisch katolisch sein wollen, dass sie keine Sünden haben und auch nicht beichten wollen.

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