/// Rubrik: Stadtleben

Lohr gegen Poststellen-Kahlschlag

Kreuzlingen/Bern – Seit 2001 wurden 51 Prozent der Poststellen geschlossen, im Thurgau sogar rund 70 Prozent. Nationalrat Christian Lohr hat gestern dazu eine Interpellation eingereicht. Diese wurde neben Parlamentariern aus verschiedenen weiteren Kantonen auch von sämtlichen Thurgauer Nationalräten unterzeichnet. Lohr stört insbesondere, dass inzwischen sogar in zentralen Orten Poststellen geschlossen werden. Auch die kundenunfreundlichen Öffnungszeiten sind ihm ein Dorn im Auge.

Der Diebstahl des Elektro-Rollstuhls von Nationalrat Christain Lohr in Frauenfeld wurde aufgeklärt. (Bild: Archiv)

Nationalrat Christian Lohr. (Bild: Archiv)

Während im Detailhandel Kunden heute über Mittag, Abends oder Samstags einkaufen, halte die Post an veralteten Öffnungszeiten fest. Dies moniert Nationalrat Christian Lohr, CVP TG, neben verschiedenen weiteren Punkten in einer gestern eingereichten Interpellation an den Bundesrat. Das sei gerade im eher ländlichen Thurgau mit ein Grund für mittelmässige Kundenfrequenzen. Diese wiederum nimmt die Post zum Anlass, im grossen Stil Poststellen zu schliessen. Christian Lohr handelt auch in Absprache mit dem Thurgauer Regierungsrat, der kürzlich angekündigt hat, Gemeinden bei ihrem Kampf gegen die oft übermächtige Post zu unterstützen.

Post verletzt Richtpläne
Zu Beginn der Schliessungswelle ab 2001 kam es in vielen sehr kleinen Orten zu betriebswirtschaftlich sinnvollen Strukturbereinigungen. Doch inzwischen sind je länger je mehr grössere, zentrale Orte im ländlichen Raum betroffen. Diese Orte haben gemäss den vom Bundesrat genehmigten Richtplänen Zentrumsfunktionen zu erfüllen. «Mit den Postschliessungen verstösst die Post in eklatanter Weise gegen die vom Bund vorgegebene Raumplanung» kritisiert Christian Lohr.

Als sehr stossend empfinden sowohl die Gemeinden wie auch der Kanton, dass die Post nicht bereit ist, die von der Postverordnung verlangte Erreichbarkeit der verbliebenen Poststellen für jeden einzelnen Kanton aufzuzeigen. Christian Lohr verlangt nun vom Bundesrat, diesen Missstand zu beseitigen und Transparenz zu schaffen.

Schwächung von Postfinance
Postfinance gehört zu den gewinnbringenden Teilen der Post und wird laufend ausgebaut. Im Widerspruch dazu stehen die vermehrten Poststellen-Schliessungen und Umwandlungen in Agenturen ohne Bargeldverkehr. Christian Lohr ist überzeugt, dass «es kaum neue Konti bei Postfinance gibt, wenn die Kunden nicht einmal Geld von ihrem Konto abheben können». Denn im Gegensatz zu verschieden Banken hat die Post in ländlichen Orten kaum Postomaten. Lohr vermisst hier die Logik und auch den Sinn für den Markt: «Mit den schlechten Öffnungszeiten einerseits und fehlenden Möglichkeiten für den Bargeldverkehr plant die Post komplett am Markt vorbei»

Christian Lohr verlangt nun Antworten vom Bundesrat auf verschiedene Fragen. Er möchte wissen, ob der Abbau in den ländlichen Kantonen noch stärker ausfalle als bisher befürchtet und weshalb die Post Antworten dazu verweigert. Ebenso wünscht er eine Stellungnahme des Bundesrates zur Grundversorgung in ländlichen Gebieten und zur Bedeutung mittelgrosser Poststellen beim vom Bund gewünschten Ausbau der Postfinance.

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