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750 Einsprecher wehren sich gegen den Antennenwildwuchs

Kreuzlingen – Im Grünen Hof 3 will Salt eine leistungsstarke Mobilfunkanlage errichten und auf dem Ziil-Center soll die Sendeleistung des Antennenmastes von Sunrise auf einen Schlag gleich verdreifacht werden. Die Bewohner beider Quartiere haben in den Sommerferien und vor einer Woche zwei Sammeleinsprachen mit insgesamt über 750 Unterschriften beim Stadtrat eingereicht. (Verein Strahlungsfreies Kreuzlingen)

Einige Einsprecher vor der Antenne im Grünen Hof. (Bild: zvg)

Einige Einsprecher vor der Antenne im Grünen Hof. (Bild: zvg)

In grossen Teilen der Bevölkerung brodelt es wegen des erneut grassierenden Antennenwildwuchses in Kreuzlingen. Das Unverständnis über die Rücksichtslosigkeit der Mobilfunkbetreiber und die Passivität der Kommunalpolitik ist gross und erzeugt neben Kopfschütteln inzwischen auch Wut bei den Betroffenen. In der zweiten Sommerferienwoche konnten die Anwohner rund um den Grünen Hof über 500 Unterschriften beim Stadtrat für eine Sammeleinsprache gegen den Salt-Antennenmast abgeben. Noch nie kamen in Kreuzlingen so viele Unterschriften gegen eine einzige Anlage zusammen.

Beinahe verpasst wurde die Einsprachefrist für die Leistungserhöhung der Salt-Antenne auf dem Coop Ziil-Center – einer Immobilie von Kantonsrat Hermann Hess. Dennoch beteiligten sich innerhalb einer Woche auch hier über 250 Betroffene kurzfristig an einer Sammeleinsprache. Trotz gegenteiliger Behauptungen von Industrie und Behörden, schützen die Grenzwerte für Mobilfunkantennen nachweislich nicht vor biologischen Wirkungen der Funkstrahlung. Dies gilt insbesondere für die gesundheitlichen Langzeitrisiken. Es ist deshalb im Sinne der Vorsorge wichtig, die Strahlenbelastung der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.

Inzwischen stehen als Alternative zu den trägen Antennenmasten mit hoher Sendeleistung flexiblere Technologien und Konzepte zur Verfügung, die weniger Risiken bergen. Als Beispiel sei das Hybrid-Konzept erwähnt, das wenige grosse Antennenmasten ausserhalb des Siedlungsgebietes benötigt und im Stadtgebiet nur noch bedarfsorientiert bewilligungsfreie Kleinfunkzellen vorsieht. Damit Handys nicht mehr dicke Hausmauern durchdringen müssen, sollten zudem innerhalb von Gebäuden kostengünstige Kleinstfunkanlagen (Femto-Zellen) oder Repeater mit Aussenantennen genutzt werden. Diese Technologien sind im Ausland schon lange im Einsatz.

Die Beispiele des St. Galler Wireless und der «indoor box» von Sunrise belegen, dass es auch in der Schweiz funktioniert. Mit einem entsprechenden Antennenreglement könnte unsere Kommunalpolitik die Mobilfunkanbieter gesetzlich zur Umsetzung dieses Hybridkonzeptes und anderer Schutzmassnahmen verpflichten. Durch gepflegte Passivität hält man seit Jahren aber lieber am gegenwärtigen Missstand fest und fördert damit den weiteren Antennenwildwuchs. Besonders stossend ist dabei der Umstand, dass der Stadtrat die Mobilfunkanbieter sogar noch unterstützt und mit Steuergeldern juristisch gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Dies selbstverständlich nur bei Antennen, die nicht vor dem Stadthaus geplant sind. Sankt Florian lässt grüssen.

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