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Zum Abschied noch einmal auf die Probe gestellt

Salenstein – Montagabend, 7. September, kurz vor halb acht: Schon von weitem ist die Silhouette des roten Feuerwehrautos erkennbar, das sich via Arenenberg auf der Anfahrt Richtung Mannenbach befindet. In der Führerkabine des Tanklöschfahrzeuges sitzt Bruno Lorenzato, scheidender Kommandant der Feuerwehr Salenstein, zusammen mit einem eingeweihten Offizierskameraden. (Text: Christian Graber, Feuerwehr Salenstein/Bilder: Werner Stalder, Mannenbach)

Lorenzato selber ist ahnungslos. Vor wenigen Augenblicken hat er einen Anruf der aufgebrachten Löwen-Wirtin erhalten, ihre Küche stehe in Brand.

Auf der Kippe
Glücklicherweise ist es heute nur eine unangekündigte Einsatzübung, die seine Kameraden zu Ehren ihres Kommandanten im Verborgenen minutiös auf die Beine gestellt haben. Dabei sah es Minuten vor der Alarmierung noch so aus, als wäre die Überraschung zum Scheitern verurteilt: Lorenzato hielt sich nämlich wider Erwarten nicht zu Hause auf und fuhr direkt ins Feuerwehr-Depot, um den Übungsabend vorzubereiten, der an diesem Tag ohnehin geplant war. Doch sämtliche Lektionspläne, die für diesen Abend vorbereitet wurden, waren hinfällig. Und das sollte nicht die einzige Überraschung bleiben.

Ehemalige Kameraden mit traditionellen Mitteln
Zurück zum anrückenden Kommandanten: Aus den Fenstern vom Restaurant Löwen dringt dichter Rauch, Hauptmann Lorenzato – voll konzentriert – geht immer noch vom Schlimmsten aus. «Erst als ich die drei Schüsse hörte (so wurde zu früheren Zeiten alarmiert), wurde mir allmählich klar, das hier irgendetwas nicht stimmen konnte», wird Lorenzato am Ende des Abends zu Protokoll geben. Seiner Konzentration tut diese Erkenntnis aber keinen Abbruch, der umsichtige und einsatzerprobte Feuerwehroffizier nimmt jeden Alarm genau gleich ernst und keinen auf die leichte Schulter – kein Alarm und kein Einsatz ist wie der andere. Dann, als er beim Löwen vorfährt, sieht er sich zunächst in alte Zeiten zurückversetzt: Eine Handvoll ehemaliger Kameraden mit der alten Handspritze und dem hölzernen Schlauchverleger warten bereits auf Lorenzato und seine Befehle. Für einen Moment liegt Nostalgie in der Luft.

Das Training zahlt sich aus
Dann geht’s Schlag auf Schlag: Nach bis nach treffen die Einsatzkräfte sowie die weiteren Fahrzeuge der Feuerwehr Salenstein ein und holen beim Einsatzleiter ihre Aufträge ab. Im selben Moment treffen zwei Duzend Kameraden der Stützpunktfeuerwehr Steckborn unter der Leitung von Stützpunktkommandant Reto Fischer zu Unterstützungszwecken auf dem Platz ein. Sie haben Hubretter, ein Tanklösch- sowie das Atemschutzfahrzeug dabei. Lorenzato bleibt die Ruhe selbst, stellt fest, beurteilt die Situation, priorisiert und verteilt Befehle. Man merkt dem langjährigen Kommandanten seine Erfahrung an. Erst in einer zweiten Phase gibt er die Einsatzführung an seinen Stellvertreter ab, um heute ausnahmsweise höchstpersönlich eine Rettung aus dem oberen Stockwerk auszuführen, die extra für ihn vorbereitet wurde.

Es werden Rettungen ausgeführt, Hydranten angezapft, Dreiverteiler platziert, Schläuche verlegt, Löschangriffe gestartet. Atemschutzgeräte werden in Betrieb genommen, die Motorspritze stellt die Wasserversorgung aus dem nahegelegenen Seeufer sicher. Mensch und Tier zu retten hat immer oberste Priorität. Gleichzeitig muss der Brand mit einer Ausbreitung im Erdgeschoss unter Kontrolle gebracht und ein Übergriff auf die unmittelbar angrenzende Scheune verhindert werden. Alle arbeiten Hand in Hand, Salensteiner und Steckborner, das Zusammenspiel funktioniert reibungslos – Übungen wie jener von heute sei Dank.

Überraschung gelungen
Nach Übungsende und dem Rückzug wird das soeben Trainierte gemeinsam besprochen. Die Kameraden beider Wehren stellen dem Salensteiner Kommandanten, der sich anlässlich dieser nicht ganz alltäglichen Übung beweisen musste, ein gutes Zeugnis aus. Der Gemeindepräsident von Salenstein, Roland Nothhelfer, überbringt der versammelten Mannschaft und ihrem Kommandanten ein Dank- und Grusswort. Er habe die heutige Übung mit Bravur bestanden, Lorenzato ist begeistert: «Die Überraschung ist euch echt gelungen, Kameraden!» Nach getaner Arbeit verköstigen sich die Einsatzkräfte bei Steaks vom Grill und am reichhaltigen Salatbuffet, es wird gefachsimpelt und die Kameradschaft gestärkt – bis irgendwann der Abend ausklingt. Nicht ohne zuvor den abtretenden Kommandanten noch einmal auf die Probe zu stellen. Nur so viel sei verraten: Es war eine feurige Angelegenheit.

Bis es soweit ist und der umsichtige Offizier seine Uniform endgültig an den Nagel hängen wird, geht es zwar noch rund zweieinhalb Monate. Diese gemeinsame Übung war aber mit Sicherheit ein gelungener Höhepunkt im letzten Amtsjahr des scheidenden Chefs. Mit Bruno Lorenzato verliert Salenstein nicht nur einen erprobten, tüchtigen, umsichtigen und besonnenen Kommandanten sondern auch einen tollen, allzeit verlässlichen Kameraden. Nach 8-jähriger Tätigkeit als Kommandant der Feuerwehr Salenstein wird Bruno Lorenzato Ende Jahres in den wohlverdienten Feuerwehr-Ruhestand entlassen. Seine Nachfolge ist aber in guten Händen: An Lorenzatos Stelle wird Andreas Roth nachrücken, der ab dem
1. Januar 2016 das Amt des Feuerwehrkommandanten von Salenstein bekleiden wird.

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