/// Rubrik: Kultur

Satire kratzt an der Oberfläche

Kreuzlingen – Wenn die Kulturbeiz Z88 zur Eigenproduktion über das politische Stadtgeschehen lädt, dann lassen sich die Mächtigen in Kreuzlingen nicht lange bitten. So geschehen am vergangenen Freitag und Samstag, als nach drei Jahren mal wieder eine Satire aus der Feder von Kurt Peter auf dem Programm stand. Vielsagender Titel: «Die Stadthausoffenbarung», zur Arbeit des Stadtrates.

Von links: Kurt Peter (alias Heinz Theus), Björn Seydel (Ernst Zülle), Marion Gräf (Inka Bögle-Bölle), Lukas Huber (Andreas Netzle) und Antoinette von Massenbach (Dorena Raggenbass) zerreden das Stadthaus. (Bild: Thomas Martens)

Von links: Kurt Peter (alias Heinz Theus), Björn Seydel (Ernst Zülle), Marion Gräf (Inka Bögle-Bölle), Lukas Huber (Andreas Netzle) und Antoinette von Massenbach (Dorena Raggenbass) zerreden das Stadthaus. (Bild: Thomas Martens)

Um es vorweg zu nehmen: Wer eine bitterböse Abrechnung mit der Exekutive erwartet hatte, wurde ein wenig enttäuscht. Obwohl die einzelnen Figuren genügend Möglichkeiten der pointierten Überspitzung geboten hätten, kratzte der Versuch lediglich an der Oberfläche. Immerhin gab es am Schluss einen Stadtpräsidenten in abgesägten Hosen.

Vielleicht lag es am mangelnden komödiantischen Talent der Darsteller, vielleicht am Respekt oder gar an der Ehrfurcht vor den Stadträten, dass das Ensemble überaus vorsichtig agierte und Charaktereigenschaften oder zahlreiche politische Flanken der jüngsten Zeit ungenutzt verstreichen liess. So war es Bauverwalter Heinz Theus (Kurt Peter), der seiner Leidenschaft fürs «schöne, grosse und hohe Bauen» wegen ein ums andere Mal aufs Korn genommen wurde: «Wer hat den denn zum Baugott ernannt?». Zusammen mit Ernst Zülle (Björn Seydel) musste er auf Weisung einer Expertin aus Deutschland alle Pläne des bisherigen Scheiterns in der Stadthaus-Frage zusammen stellen, was untereinander zu Abstimmungsproblemen führte und beim Zuschauer die Frage aufwarf, wer der eigentliche Chef des Baudezernats ist.

Lust auf mehr
Die Mittagspause wird in Konstanz verbracht, Stadträtin Dorena Raggenbass (Antoinette von Massenbach) ist eine «Harmonie-Tussi» – die Lacher waren den Darstellern auf jeden Fall sicher, übrigens auch von den «Betroffenen» im Publikum selbst. Gewöhnungsbedürftig waren allerdings die Gesangseinlagen, hier wäre weniger sicher mehr gewesen. Alles in allem aber zwei Abende, die Lust auf mehr gemacht haben. Hoffentlich lassen sich die Verantwortlichen nicht wieder drei Jahre Zeit für ein neues Stück, Steilvorlagen gibt es schliesslich genug.

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