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«Frischer Wind und neue Ideen!»

Kreuzlingen – Seit gut zwei Monaten ist Kai Kopp neuer Leiter der Jugendmusikschule Kreuzlingen. Im Interview erzählt er, warum er die Stelle angetreten hat, was für Aufgaben ihn erwarten und wie sich die Schule unter ihm verändern wird.

Haut ordentlich auf die Pauke: Kai Kopp, der neue Leiter der Jugendmusikschule.(Bild: ek)

Haut ordentlich auf die Pauke: Kai Kopp, der neue Leiter der Jugendmusikschule. (Bild: ek)

KreuzlingerZeitung: Am 1. August haben Sie Ihre Stelle als Musikschulleiter angetreten. Gut eingelebt?
Kai Kopp: Ja, ich hatte schon vor dem offiziellen Arbeitsbeginn die Möglichkeit, mich in die Abläufe und Aufgaben einzuarbeiten. Von daher konnte ich beim Arbeitsbeginn gleich loslegen.

Was sind eigentlich die Aufgaben eines Musikschulleiters?
Die Jugendmusik Kreuzlingen (JMK) ist in zwei Bereiche aufgeteilt: die Musikschule und das Orchester. Ich leite Erstere und sorge dafür, dass Angebote, Räume und Lehrer für die Schüler zur Verfügung stehen und alles reibungslos läuft.

Davor haben Sie die Jazz- und Rockschule in Konstanz geleitet. Was hat Sie zu einem Wechsel nach Kreuzlingen bewogen?
In Konstanz hat mir die Unterstützung der Stadt gefehlt. In Kreuzlingen ist das genaue Gegenteil der Fall. Die JMK hat eine lange Tradition und ist gesellschaftlich und auch politisch breit abgestützt.

Tradition kann auch als altbacken verstanden werden. Fungieren Sie als Gralshüter und bewahren alles beim Alten?
Nein, auf keinen Fall. Das war auch eine meiner ersten Fragen beim Bewerbungsgespräch: Ob ich frischen Wind und neue Ideen einbringen darf. Zum Glück ist genau das die Absicht des Vorstandes, sonst hätte ich die Stelle nie und nimmer angenommen.

Was wird sich mit Ihnen denn verändern?
Die Jugendmusik Kreuzlingen ist schweizweit bekannt für ihr Jugendblasorchester (JBO). Die Musikausbildung lief bisher eigentlich immer darauf hinaus, Nachwuchs für dieses Orchester zu generieren. Diese Schiene soll auch in Zukunft beibehalten werden. Doch wurden dadurch zwangsläufig Schüler abgehängt, welche die erforderte Leistung nicht erbringen wollten oder konnten. Neu wollen wir nicht nur in die Exzellenzbildung gehen, sondern auch die Breitenbildung abdecken. Bisher lautete das Motto: Spass durch Leistung. Jetzt darf es auch heissen: Leistung durch Spass.

Wie kann man sich das vorstellen?
Ideen habe ich zuhauf, so stelle ich mir eine Big Band und kleinere Ensembles vor, damit jeder Schüler seiner musikalischen Neigung nachgehen kann. Denn der Spass bei Musik fängt ja erst gemeinsam richtig an. Konkret geplant sind für nächstes Jahr ein Alphorn- sowie Jodelkurs.

Sie haben klassisches Klavier studiert, als Jazzlehrer gearbeitet und Popmusik angeboten. Die JMK war jedoch bisher auf Blasmusik spezialisiert.
Die Spezialisierung bleibt, nur öffnen wir unseren musikalischen Horizont. Stilistisch wollen wir ein breiteres Angebot schaffen. Jedes Kind oder Jugendlicher soll die Musik spielen dürfen, die ihm Spass macht.

Weshalb ist das wichtig?
Wir leben heute in einer Multioptionsgesellschaft. Jeder kann genau das machen, wozu er Lust hat. Als Musikschule müssen wir uns für Kinder attraktiv halten, damit sie den Zugang zur Musik entdecken.

Wieso braucht es dann überhaupt noch eine Musikschule, wenn jeder sich seinen Lehrer und seine Musikrichtung selber suchen kann?
Wir bündeln die Kompetenzen und dienen als Ansprechpartner für eine Musikausbildung. Zudem garantieren wir, pädagogisch und musikalisch qualifizierte Lehrkräfte anzubieten.

Geht mit der musikalischen Öffnung nicht die Tradition der Blasmusik verloren?
Der Komponist Gustav Mahler soll mal gesagt haben: Tradition heisst, das Feuer weiterzutragen, nicht die Asche anzubeten. Ausserdem wird bei uns ja immer noch Blasmusik gespielt. Und je mehr Jugendliche Musik machen, desto mehr können diese Stilrichtung für sich entdecken.

Bei so viel geplantem Angebot, ist da überhaupt noch genug Platz im Vereinshaus?
Nein, die Schule wird wachsen und mit ihr auch der Raumbedarf. Doch sehe ich das nicht als grosses Problem an. Um uns herum sind Schulen und öffentliche Gebäude. Die JMK ist gut vernetzt und wir stossen mit unseren Anliegen auf offene Türen. Ich denke, es werden sich mit Sicherheit Synergien für gemeinsame Raumnutzungen finden lassen.

Gibt es noch weitere Herausforderungen?
Eine grosse Baustelle ist die Veränderung der Bildungslandschaft. Wir müssen uns den neuen Tagesstrukturen der Schulen anpassen. Eine Idee wäre zum Beispiel, dass nicht mehr die Schüler zu uns ins Vereinsaus kommen, sondern die Musiklehrer direkt zu den Schülern in die Schulhäuser gehen. Auch wollen wir Menschen mit Behinderungen musikalischen Unterricht anbieten.

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