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Geheimbund gewährt Einblick

Konstanz – Der zweitälteste Konstanzer Verein feiert 150-jähriges Bestehen. Deshalb gewährt die Freimaurerloge «Constantia zur Zuversicht» Einblick in ihre Arbeit und Tradition.

Ralf Schrödinger (li.), Meister vom Stuhl, und Jan Hendrik Taubert informieren über die Konstanzer Freimaurer. Kleines Bild: Der Geheimbund ist voll von Symbolik, wie den Tierkreiszeichen an der Tempelkuppel. (Bild: Thomas Martens)

Ralf Schrödinger (li.), Meister vom Stuhl, und Jan Hendrik Taubert informieren über die Konstanzer Freimaurer. Kleines Bild: Der Geheimbund ist voll von Symbolik, wie den Tierkreiszeichen an der Tempelkuppel. (Bild: Thomas Martens)

Heute Freitag, 2. Oktober, sind alle Interessierten um 19.30 Uhr zum Festakt im Konstanzer Bürgersaal eingeladen. Nach Grussworten und dem Vortrag «Freimaurerei gestern – heute – morgen» gibt es eine moderierte Gesprächsrunde zur Geschichte der Konstanzer Loge und einen abschliessenden Stehempfang. Hier können die Besucher den Repräsentanten der Konstanzer Freimaurer auch Fragen stellen.

An deren Spitze sitzt seit zwei Jahren Ralf Schrödinger, Meister vom Stuhl (Vorsitzender). Zusammen mit dem Rechtsanwalt Jan Hendrik Taubert verschaffte er Journalisten am Dienstag einen Einblick in die verschworene Bruderschaft, der in Konstanz nur Männer angehören, einige auch aus dem Raum Kreuzlingen. Rund 40 Mitglieder zählt die Konstanzer Loge, die während der Nazi-Herrschaft verboten war und seit 1910 in einem markanten Gebäude mit plakativem Symbol (Zirkel und Winkelmass) linksrheinisch in der Schottenstrasse residiert. Hier befindet sich auch der Tempel, der ausserhalb seiner rituellen Nutzung lediglich eine Art Saal sei, wie Schrödinger erklärte. Markant ist eine beleuchtete Glaskuppel, von den Tierkreiszeichen umrandet. Der Tempel ist für die Allgemeinheit nicht zugänglich, auch für die Journalisten blieben die Türen verschlossen. Die reich bebilderte und informative Festschrift zeigt immerhin eine Aufnahme um ca. 1910. Eines der vielen gut gewahrten Geheimnisse der Bruderschaft, auch wenn Meister Schrödinger den Begriff «Geheimbund» ablehnt: «Wir sind eine Gemeinschaft mit Geheimnissen.»

Arbeit an sich selbst
Und klaren Zielen, auch wenn diese für Aussenstehende nur schwer zu fassen sind. «Unser Auftrag ist es, an uns selbst zu arbeiten», sagt Schrödinger und vergleicht dies mit einem rauhen Stein, dem in mühevoller Arbeit die scharfen Kanten abgeschlagen werden – ganz in der Tradition von Steinmetzen. Es gehe darum, gute Männer besser zu machen, auch durch ständige Selbstreflexion.

Von einer Selbsthilfegruppe unterscheiden sich die Freimaurer eigener Aussage nach dadurch, dass sie nicht therapiebedürftig seien. «Das Schöne bei uns ist, dass es bei uns eine sehr grosse persönliche Freiheit gibt», sagte Taubert, der auf seiner jahrelangen Suche nach der für ihn richtigen Gemeinschaft einige andere ausprobiert hatte, darunter auch Service Clubs. «Mich hat überzeugt, dass es bei den Freimaurern keine autoritären Strukturen und Weisungen gibt», so Taubert. Dies war es letztlich, was den Nazis ein Dorn im Auge war. Politik und Religion seien weitgehend Tabu-Themen, auch dürfe man die Bruderschaft nicht für eigene wirtschaftliche Zwecke nutzen.

Geistige Vervollkommung
Im Unterschied zu Service-Clubs wie Round Table, Lions oder Rotary wirken die Freimaurer nur indirekt nach aussen, in dem sie durch ihre permanente Selbstverbesserung die Gesellschaft positiv beeinflussten. «Wir streben nach geistiger Vervollkommung, im Bewusstsein, dass wir dieses hohe Ziel niemals erreichen.» Diese Aussage von Jan Hendrik Taubert macht zunächst stutzig, klingt sie doch nach einem Teufelskreis. Doch genau dieses Hamsterrad ist es, was die Freimaurer fasziniert. Mitsamt ihren antiquierten Symbolen und Ritualen, die nichts mit ekelhaften Aufnahmeprozederen gewisser studentischer Verbindungen zu tun hätten. «Bei uns geht es kultiviert zu, wir sehen uns der humanistischen Tradition verbunden», räumt Ralf Schrödinger mit Vorurteilen und Gerüchten auf. Es gehe darum, Gleichgesinnten einen geschützten Raum für ethisch-philosophische Fragen zu bieten.

Der Aufnahmeritus ist unspektakulärer, als man denkt. Die Herren sind in schwarze Anzüge gekleidet und tragen weisse Handschuhe. Wer für die Aufnahme eines neuen Bruders ist, zeigt dies mit einer weissen Kugel, wer nicht mit einer schwarzen. Zuvor ist der Anwärter zu Gastabenden eingeladen, an denen sich beide Seiten ein Bild machen können. Die Initiative müsse aber klar vom «Suchenden» ausgehen.

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