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Schon wieder schliesst ein Geschäft am Boulevard

Kreuzlingen – Siegfried Soya zieht die Reissleine und hat am Donnerstag das Sideways am Boulevard geschlossen. Hier hat er seit November 2012 eine Weinbar betrieben und diese um kleine kulinarische Genüsse erweitert.

Siegfried Soya gibt auf. (Bild: Archiv)

Siegfried Soya gibt auf. (Bild: Archiv)

Trotz innovativen Geschäftsideen und vergleichsweise günstigen Preisen blieben vor allem in den diesjährigen Sommermonaten die Kunden aus: «Von Mai bis August hatte ich einen Umsatzrückgang von über 70 Prozent», sagte der ehemalige Informatiker auf Anfrage und gibt zu, etwas blauäugig in die Gastronomie in Kreuzlingen eingestiegen zu sein.

Er habe sich von den Prophezeihungen einer belebten Prachtstrasse von den Verantwortlichen blenden lassen. «Durch die Stadtverwaltung, die Banken und anderen Geschäfte am Ort sah ich ein grosses Potenzial für meinen Laden, doch von denen hat sich kaum einer bei mir blicken lassen.» Er vermisste, dass ab und zu mal eine Gruppe nach der Arbeit zum Apéro bei ihm vorbeigeschaut hätte oder auch mal zum Mittagessen.

Für ihn hat sich der Stadtrat mit seinen Vorstellungen zum Boulevard gründlich verschätzt. «Der viele Beton sorgt für eine kalte Atmosphäre und im Sommer wird’s hier brütend heiss, das ist wenig einladend für Kunden», zieht Soya nüchtern Bilanz. Hinzu sei noch die Eurokrise gekommen, die aber alle Geschäfte am Boulevard gleichmassen treffe. Allen Gastronomen, die in Kreuzlingen investieren wollen, rät Soya: «Machen Sie’s woanders!».

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One thought on “Schon wieder schliesst ein Geschäft am Boulevard

  1. Bruno Neidhart

    Kreuzlingen hat es in den vergangenen Jahrzehnten kaum geschafft, ein veritables Stadtzentrum zu entwickeln, das unterschiedlichen Gewerbebranchen einen attraktiven Raum auf Dauer hätte abgeben können. Die Verluste sind markant. Über die Gründe, warum das so gekommen ist, müsste ernsthafter diskutiert werden. Derweil versucht die Stadtregierung auch noch das Stadthaus aus diesem zentralen, unabdingbar zu belebenden Stadtmittebereich zu entfernen. Somit wird die „Position der Verbliebenen“ zusätzlich geschwächt. Dabei stünde es der Stadt gut an, zum Beispiel mit einem innovativen, architektonisch kreativen Stadthausneubau genau hier die Position der Stadtmitte als Anlaufpunkt für alle möglichen Aktivitäten, die mit „Stadt“ in Zusammenhang zu bringen sind, zu verstärken, um so einen attraktiven, unverwechselbar zu erlebenden Mitte-Pol zu schaffen – für Einheimische und Besucher der Stadt! Es bleibt tatsächlich viel zu tun, ehemals Belebtes wieder zu beleben. Vieles nur auf die gegenwärtige, von der SNB verordneten monetären Veränderung der Parität zu schieben, wäre gefährlich. Es ist das Potential zu begreifen, das sich mit einem Innenstadtrechteck zwischen Löwenplatz-Helvetiaplatz-Karussel-Sonnenstrasse-Löwenstrasse definieren lässt. Nur kreativer Mut der Stadt – im Zusammenwirken mit Privaten! – liesse hier die Hoffnung keimen, das gegenwärtige Dahindümpeln des Zentrums zu stoppen. Man könnte das Vorhaben auch einen „Ruck“ nennen. Er müsste gewaltig daher kommen! Mit „Quasischnee“ auf der Bodanstrasse zur Weihnachtszeit lässt sich das sicher nicht machen. Auch nicht mit Alphörnern. Schon gar nicht mit Weihnachtsbaumkugelabschiessen – dies nur nebenbei! Da müssten schon andere Perspektiven her! Kreuzlingens Mitte sollte rasch im Kern runderneuert werden, um nicht noch weiter abzusinken. Es sei denn, man begnügt sich mit dem Vorhandenen. Dann kann auch das Stadthaus auf die letzte freie, zentrale Grünfläche zwischen Parkstrasse und Klosterkirche gepflastert werden. Es wäre allerdings die Schlechteste aller Bemühungen um die Stadt, die dringend eine kreative, gewerbliche und kulturelle, begleitend eben auch die vorhandene, historische „Grüne Mitte“ braucht (mit anschliessendem Klosterbezirk!), um auf Dauer sich als attraktiv zu erlebende Stadt zu prägen. Auch – und gerade – über „Grenzen“ hinweg! Derzeit strahlt wenig aus einer Stadt dieser Grössenordnung und seiner „finanziellen Potenz“. Den „Blickpunkt Kreuzlingen“ nur ab und zu der simplen Zürcher TV-Unterhaltungsindustrie zu überlassen, wäre trügerisch. Im umfassenden Sinn muss sich „Kultur und Kreuzlingen““ anders etablieren, aus eigener Stärke wirksam werden. Nur mal ein ganz zarter Hinweis am Rande (auch einbezogen, dass sich die „Seh- und besonders Ausgehgewohnheiten“ inzwischen verändert haben!): Kreuzlingen besass tatsächlich – man glaubt es kaum – drei belebte Kinos unterschiedlicher Programmsparten: Eins an der Hauptstrasse („Bodan“: viel Kultur), eins an der Löwenstrasse/Kichstrasse („Zentral“: querdurch), eins an der Konstanzerstrasse beim ehemaligen Bahnübergang („Apollo“: Wildwest bis „nestlégesponsertes“ Kinderprogramm!). Zwei der Gebäude sind sogar noch – „in klassischer Kinoarchitektur“! – vorhanden. Das dritte lag in einer „heute unmöglichen, bereits jahrelange dahin vegetierenden Stadtbrache“, die sich entlang der Löwenstrasse zwischen Kirchstrasse und Löwenplatz traurig dahin zieht. Dies in zentraler Innenstadtlage! Die Kinos entsprangen engagierten, privaten Initiativen. Vielleicht fehlt Kreuzlingen tatsächlich ein gehöriges Stück „frisches, mutiges Engagement“ in vielen Richtungen (wie z.B. aktuell „Das Trösch“!). Ist das der Kern des „“Verlustes der Mitte“? Vielleicht auch. Aber nicht nur. Und wenn dann – wirklich nur als aktuellstes Beispiel! – der Versuch unternommen wird, die Stadt mit einem neuen, über die Region hinaus attraktiven, zentralen, grossen Ganzjahresschwimmbad zu beglücken, das gleichsam Jugend, Alter und Sport hätte beflügeln können, wird es flott-demokratisch „bachab“ geschickt (es wählt bekanntlich jeweils nur die Vertretung nicht mal der Hälfte der Einwohner!). Ich stelle das ohne Wertung der elementaren Sinnhaftigkeit des Vorhabens und dessen Finanzierbarkeit fest! Mehr als Ausdruck der Schwierigkeiten, in Kreuzlingen „auch mal etwas Grösseres anzustellen“, etwas tatsächlich zu „bewegen“. Gesellschaftswirksam zum allgemeinen Stadtwohl. Und wie steht es mit dem „Kulturzentrum Molki“? Hier ist schon lange eine zentrale Aufgabe vorhanden, endlich „Stadt und Kultur“ markant ausstrahlend auf Dauer deutlicher zu etablieren – eben: „Blickpunkt Kreuzlingen“. Sich letztlich mit vielen Banken an der Hauptstrasse zu bekränzen, ist es nicht, was „Stadt“ ausmacht. Leben in der Stadt spielt sich grundsätzlich schon anders ab! Es lohnt sich, sich mal darüber Gedanken zu machen. Darin liegt viel gesellschaftliches Potential gerade für eine Stadt, deren Bevölkerungsmehrheit „ausländisch“ geprägt ist.

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