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Zeltfestival wieder auf der Kippe

Kreuzlingen/Konstanz – War das erste Zeltfestival Konstanz/Kreuzlingen auch schon wieder das letzte? Nachdem der Kreuzlinger Gemeinderat den Zuschuss aus dem Budget nahm, liegt’s nun an Konstanz allein.

Erste Konsequenz aus der Kreuzlinger Absage: Das Spiegelzelt auf Schweizer Seite wird gestrichen. (Bild: zvg)

Erste Konsequenz aus der Kreuzlinger Absage: Das Spiegelzelt auf Schweizer Seite wird gestrichen. (Bild: zvg)

In eigener Finanzkompetenz hatte der Kreuzlinger Stadtrat im November 2014 entschieden, das Zeltfestival, organisiert durch den Konstanzer Konzertveranstalter Koko Entertainment, mit 40000 Franken zu unterstützen – «um die grenzüberschreitende Kulturszene zu fördern», wie Stadträtin Dorena Raggenbass auf Anfrage betonte.

FDP/EVP-Fraktionspräsident Christian Brändli persönlich war diese Subvention eines privaten Konstanzer Unternehmers von Anfang an ein Dorn im Auge: «Bereits in der Kommissionssitzung für Gesellschaft, Kultur und Sport im Januar hatte ich meinen Unmut darüber geäussert. Da könnte ja jeder kommen.»

Bürgerlicher Block
Die Beratungen über das Budget für 2016 vergangene Woche nahm er nun zum Anlass, den Beitrag grundsätzlich infrage zu stellen, wobei ihm seine Fraktion FDP/EVP grosssmehrheitlich und die SVP komplett folgte. Für Stadträtin Raggenbass kam das «in dieser Vehemenz völlig überraschend». Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die regionale Kultur hatte sie vergeblich versucht, die Stimmung zu drehen. Brändli, der sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale warf und absichtlich provokant argumentierte, attestierte sie einen «kulturpolitischen Rundumschlag». «Die Meinung war vorgefasst, da konnten wir nichts mehr machen», ist sich Raggenbass sicher.

Die Niederlage will sie aber nicht so einfach hinnehmen. Da Brändli dem Konzertveranstalter und dem Stadtrat Intransparenz bei den Abrechnungen vorwarf, werde die Stadträtin in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen eine Gesamtbilanz vorlegen, «sobald alle Zahlen bekannt sind».

Höhe des Defizits noch unklar
In der Gemeinderatssitzung nannte Raggenbass nach aktuellem Stand und vor der endgültigen Abrechnung einen Verlust von etwa 50000 Franken, den der Konzertveranstalter allein zu tragen habe. Geschäftsführer Dieter Bös möchte diese Zahl nicht bestätigen, bedauert aber den Rückzug Kreuzlingens. Als erste Konsequenz streicht er das Spiegelzelt auf Schweizer Seite.
Das Gesamtprojekt sei aber noch nicht vom Tisch. Dafür müsse die Stadt Konstanz aber mehr beisteuern, als die bisherigen 90000 Euro. «Ich hatte von Anfang 150000 Euro als Beitrag aus Konstanz im Auge», so Bös.

Der endgültige Finanzierungsbedarf sei aber auch immer sehr abhängig von Sponsoren. Im kommenden Kulturausschuss am 18. November nimmt die Stadt Konstanz das Zeltfestival auf die Tagesordnung und stellt die neue Situation zur Diskussion, teilt das Pressebüro auf Anfrage mit. Bis dahin führt das Kulturbüro die notwendigen Gespräche mit Koko Entertainment und bereitet die Sitzungsvorlage vor.

Kooperation soll bleiben
Bei einer Wiederauflage des Festivals soll die Qualität auf keinen Fall leiden, schon gar nicht für die Zuschauer aus der Schweiz. «Wir setzen weiterhin auf eine breite Mischung, auch aus Schweizer Künstlern», verspricht Dieter Bös als erfahrener Konzertveranstalter. Auch stellt er weiterhin eine Kooperation mit Kreuzlinger Kulturvereinen in Aussicht, wie Kabarett in Kreuzlingen, Kultling, Z88 oder Gesellschaft für Musik und Literatur. Inwieweit diese von den Kreuzlinger Vereinen organisierten Veranstaltungen bei einem Zeltfestival 2016 unterstützt werden könnten, lässt Stadträtin Raggenbass offen.»

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