/// Rubrik: Leserbriefe

Beznau 1 sorgt weiter für Schlagzeilen

Leserbrief – Es sickern laufend neue Details der laufenden Untersuchung an die Presse. (Text: Georg Klevenz, Kreuzlingen)

Gegen 1000 Löcher mit einem durchschnittlichen Durchmesser von einem halben Zentimeter, zum Teil in Gruppen, finden sich im Reaktorkessel. So melden es verschiedene Medien. Es wird unwahrscheinlich, dass Beznau 1 mit solchen Schäden jemals wieder ans Netz geht.
Dumm für die AXPO, versucht man doch gerade mit über 700 Mio CHF die altersschwachen Beznau-AKW zu retten. Aber die Investitionen in neue Reaktordeckel und Notstromsysteme sind nur Pflästerli. Das ist, wie wenn ein Besitzer eines alten verschlissenen Autos viel Geld in neue Bremsen, Kupplung und Auspuff investiert, aber dann doch mit Motorschaden liegen bleibt.

Und es zeigt die Gefahr, die ohne eine vorgegebene Laufzeit von Atomkraftwerken ausgeht. Die AXPO hat gerade in die altersschwachen Beznaus 700 Mio CHF investiert. Darf das ENSI jetzt auf Sicherheit bestehen oder muss man der AXPO trotz aller Mängel jetzt noch viele Jahre Laufzeit schenken, um auf Kosten der Sicherheit das Geld wieder zu verdienen? Für die ältesten AKW der Welt?

Der Verzicht auf Laufzeitbeschränkungen bedeutet nicht, das AKW ewig laufen. In Wirklichkeit ersetzt man ein geplantes Ende durch den Zufall. Es bedeutet nicht Sicherheit für die Stromversorgung sondern ein hohes Risiko. Im Fall von Beznau waren es europäische Vorgaben, die die AXPO gezwungen haben, die Reaktorkessel genauer zu prüfen. Wie beim alten Auto steigt beim alten Reaktor das Risiko, dass nach dem nächsten Vorführtermin kein Weiterbetrieb mehr möglich ist. So wie es gerade passiert.

Die Schweizer AKW sind immer nur eine Volksabstimmung von der Abschaltung entfernt. Ständig wächst die Liste der Argumente gegen AKW. Und jeder Atomunfall irgendwo auf der Welt kann das Schweizer Atomzeitalter sehr schnell beenden. Also bitte rechtzeitig den Ausstieg planen und nicht dem Zufall überlassen! Eine Laufzeitbegrenzung schafft Planungssicherheit und öffnet Alternativen, unter anderem auch der Wasserkraft den Weg. Ohne Laufzeitbegrenzung wird Planung durch Zufall ersetzt. Eine sehr schlechte Strategie für das wichtige Thema Energieversorgung.

Leider haben sich im Ständerat die Vertreter alle bürgerlichen Parteien gegen Laufzeitbegrenzung und sogar gegen Betriebskonzepte für AKW ausgesprochen. Wer eine sichere Energieversorgung wünscht sollte das berücksichtigen und entsprechend wählen.

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