/// Rubrik: Kultur

Theater Konstanz reist nach Kuba

Konstanz – Kuba und kein Ende: Nach der Kooperation mit kubanischen Theatermachern, mit Strassentheater-Gruppen, nach Stücken über El Cimarrón, Che Guevara und Fidel Castro, hat das Theater Konstanz nun eine Einladung zum 16. Internationalen Theaterfestival nach Havanna bekommen.

Szenenfoto aus «Gestern habe ich aufgehört mich zu töten. Dank dir, Heiner Müller». (Bild: zvg)

Szenenfoto aus «Gestern habe ich aufgehört mich zu töten. Dank dir, Heiner Müller». (Bild: zvg)

Das renommierte Theaterfestival findet in diesem Jahr von 22. bis 31. Oktober in Havanna statt, dieses Mal ist auch das Theater Konstanz dabei! Das Festival will Kuba für neue Theaterformen öffnen und den Dialog mit internationalen Theatergruppen suchen. Gegründet wurde das Festival im Jahr 1980, es findet alle zwei Jahre, ohne Wettbewerb und Auszeichnungen, statt. Die Veranstalter sehen das Theater als einen Akt des Widerstands, der Solidarität und des interkulturellen Dialogs.

Der Beitrag des Theater Konstanz zum Festival ist die Produktion «Gestern habe ich aufgehört mich zu töten. Dank dir, Heiner Müller», das in Konstanz als deutschsprachige Erstaufführung in der Regie von Andreas Bauer am 28. September 2014 Premiere hatte. Auf Kuba spielen Julia Philippi, Jonas Pätzold und Georg Melich, sowie die kubanische Schauspielerin Clara Gonzáles, die auch in Konstanz den Part der «Braz» übernommen hatte. Im Rahmen des theoretischen Programmes des Festival «Exposed» wird es im Anschluss an eine der Vorstellungen eine Publikumsdiskussion geben, um den Dialog zwischen Darstellern und Öffentlichkeit zu fördern und zu fordern.

Rogelio Orizondo Gomez, Autor aus Kuba, der für dieses Stück 2010 mit dem Virgilio-Piñera- Preis ausgezeichnet wurde, hat Shakespeares «Hamlet» und Heiner Müllers «Hamletmaschine» in unsere Gegenwart hineingeschrieben, ein Stück über die Lebenssituation junger Menschen nicht nur auf Kuba, sondern überall auf der Welt, über die Unfähigkeit sich mit den bestehenden Verhältnissen arrangieren zu können, über Schmerz, Lust und Trauer, über das Scheitern an der Liebe und der Kunst. Auch Müllers «Hamletmaschine» entstand zwischen zwei Systemen – während der Proben im Herbst 1989 fiel die Mauer. Rogelio Orizondo Gomez stellt in seinem Stück, stellvertretend für eine ganze Generation junger Theatermacher, Fragen nach der Zukunft des Landes und seiner Menschen. Seine Figuren sprechen von ihrer Sehnsucht, sprechen davon, vorgefundene Verhältnisse nicht einfach hinnehmen zu wollen. Ein Stück auch über die Begegnung zweier Kulturen, wie sie dem Konstanzer Team in Havanna bevorsteht.

Die Figur der Braz, angelehnt an Shakespeares Fortinbras, ist die einer Ausländerin, die in ein bestehendes System eintritt, um Ordnung zu schaffen. Sie eröffnet den Ausverkauf und hängt allem ein Preisschild um. Aus Helsingör macht sie eine Wellnessoase, aus Ofelias und Amlets geheimen Liebesnest wird eine Shopping-Mall. Genau das, so befürchten viele, steht Kuba nach der Annäherung an die USA bevor. Gleichzeitig hoffen Kubaner auf eine bessere Anbindung an die Welt durch Reisen und Internet. Das Theater Konstanz wird Kuba in einer Zeit des Umbruchs erleben.

Mit der Konstanzer Teilnahme am Festival del Teatro de la Habanna, die vom Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut und den Theaterfreunden Konstanz e.V. unterstützt wird, setzt das Theater Konstanz seine internationale Arbeit und auch die gelungene Kooperation mit seinen kubanischen Partnern fort. Nach Kuba begleitet wird das Team des Theater Konstanz von den Gemeinderäten Herr Peter Müller-Neff und Frau Zahide Sarikas sowie der Vorsitzenden der Theaterfreunde Konstanz e.V. Frau Barbara Gerking-Dönhardt. Alle Mitreisenden freuen sich auf eine spannende Festival-Woche.

Als weiterer deutscher Beitrag wurde das Performance-Kollektiv «She She Pop» eingeladen, das gemeinsam mit ihren Müttern die Performance «Frühlingsopfer» nach Igor Strawinskis «Le Sacre du Printemps» zur Aufführung bringen wird.

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