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Applaus für Schwarzpappeln

Tägermoos – In den nächsten zwei Wochen pflanzt das Kantonale Forstamt im Tägermoos Schwarzpappeln als Ersatz für die 41 gefällten Hybridpappeln. Mit dieser Lösung geben sich auch die Vertreter der Bürgerinitiative und der Naturschutzverbände zufrieden.

Jeder Baum wurde genau positioniert: Martin Wichmann vom Konstanzer Umweltamt (blaue Jacke) und Vertreter der Bürgerinitiative (links vorne Christel Thorbecke) messen den Pflanzabstand. (Bild: sb)

Jeder Baum wurde genau positioniert: Martin Wichmann vom Konstanzer Umweltamt (blaue Jacke) und Vertreter der Bürgerinitiative (links vorne Christel Thorbecke) messen den Pflanzabstand. (Bild: sb)

«Wir wollen möglichst schnell nachpflanzen», formulierte Martin Wichmann vom Umweltamt der Stadt Konstanz gleich am Anfang das Ziel des Meetings am Seerhein vom Dienstagmorgen – ein Ziel übrigens, das schon bestanden habe, als Anfang des Jahres gefällt wurde. Und sorgte gleich mit seinen weiteren Worten für Erleichterung bei vielen: «Wir fräsen die alten Stümpfe nicht raus. Gepflanzt wird in den Zwischenräumen.»

Das Meeting wurde einberufen, um die Pflanzdistanz der neuen Bäume und ihren Abstand zum Weg zu bestimmen, sodass alle Seiten zufrieden damit sein konnten: Baum-Aktivisten, aber auch die Stadt Konstanz und das Kantonale Amt für Raumplanung. Mit Massband und Markierungspfosten staksten rund 20 Männer und Frauen durchs Naherholungsgebiet, um die Positionen der neuen Bäume zu kennzeichnen. Im Abstand von maximal zehn Metern kommen diese nun zu stehen, zwischen den Baumstümpfe, mal mehr, mal weniger von diesen entfernt. Links und rechts des Weges wechseln sich die Pappeln ab, um bestes Licht zu garantieren. Ihr Abstand zur Wegmitte beträgt drei Meter. Mit dieser Kompromisslösung gaben sich die Pappel-Freunde ebenso wie die Stadt zufrieden. Maschinen zur Baumpflege können darin bequem manövrieren. Das Flair der alten Allee bleibt bestmöglich erhalten.

Experten informierten
Kein Mitspracherecht gab’s hingegen bei der Wahl der Bäume. Die Behörden gaben der einheimischen Schwarzpappel gegenüber der von der Bürgerinitiative favorisierten, anspruchsloseren Hybridpappel den Vorzug. Experten waren gekommen, um die Bedenken der Baum-Aktivisten zu zerstreuen. Diese befürchteten, die Schwarzpappel sei zu empfindlich. Manuel Karopka von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg war eigens aus Freiburg angereist und sagte: «Wir haben gute Erfahrung mit der Aussetzung der Schwarzpappel gemacht. Sie werden zu Naturschutzzwecken angepflanzt.»

«Das Kantonale Amt für Raumplanung pflanzt jedes Jahr 100 Stück, da der Baum selten geworden ist», sagte Förster Ruedi Lengweiler vom Kantonalen Amt für Raumplanung. Im Thurgau habe es gerade mal noch 250 Schwarzpappeln. Im Tägermoos setzt das Amt zweijährige Jungbäume aus, die zwischen eineinhalb und drei Metern hoch sind. Pro Jahr wachsen sie etwa einen Meter. Sie werden den Thurgebieten bei Frauenfeld entnommen. Die Stecklinge stammten von zehn verschiedenen Mutterbäumen. «Am Seerhein herrschen für sie optimale Bedingungen», so Lengweiler weiter.

Tägerwilen trägt die Kosten
Die Kosten des Pflanzeinsatzes übernimmt die Gemeinde Tägerwilen. Ein Drahtgeflecht und Pfosten sollen sie gegen Biber und Vandalen schützen. Die jährlichen Folgekosten, beispielsweise um die umgebende Vegetation kurzzuhalten und um die Bäume zu pflegen, trägt die Stadt Konstanz.

Jost Rüegg, Kantonsrat, Mitglied der Bürgerinitiative und Vertreter des WWF, war zu anfangs skeptisch, zeigte sich dann aber zufrieden mit der Lösung. «Dank dem Input unserer Förster werden die neuen Bäume zwischen die Stümpfe gepflanzt – das war für mich das Entscheidende. Der Charakter der alten Allee wird wiederhergestellt.»

Zum Ortstermin am Seerhein hatte das Umweltamt der Stadt Konstanz eingeladen. Die letzte Entscheidung darüber, was im Tägermoos gepflanzt (oder abgeholzt) werden darf, hat jedoch der Kanton. «Weil das betroffene Gebiet ein Flachmoor von nationaler Bedeutung ist, das dem Natur- und Heimatschutzgesetz unterliegt», erklärte Raimund Hipp, Leiter Natur und Landschaft beim Kantonalen Amt für Raumplanung. «Wir haben damals die Erlaubnis zum Fällen der Bäume gegeben. Es war immer der Plan, sie nachzupflanzen.»

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