/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Musikalische Wanderung

Konstanz – Heute Abend, 20 Uhr, ist im Stadttheater Konstanz die Premiere von «Fremd bin ich eingezogen». Katrin Hilbe inszeniert das Stück als musikalische Wanderung durch Schuberts «Winterreise» und Büchners «Lenz», als eine Reise in den Winter des Selbst.

«Es drängte in ihm, er suchte nach etwas, wie nach verlornen Träumen, aber er fand nichts.»

Auf der Bühne stehen Sophie Nawara, Wolfgang Erkwoh (l.), Vincent Heppner und Andreas Kohl (nicht auf dem Bild). (Bild: zvg)

Auf der Bühne stehen Sophie Nawara, Wolfgang Erkwoh (l.), Vincent Heppner und Andreas Kohl (nicht auf dem Bild). (Bild: zvg)

«…fremd zieh‘ ich wieder aus.» Schuberts Wanderer aus der Winterreise zieht hinaus und singt davon. Es ist aber nicht die Reise, an deren Ende die Heimkehr steht, es ist vielmehr das Hinaus ohne Wiederkehr. Unterwegs trifft er einen anderen: Büchners Lenz, den scheinbar Wahnsinnigen. Lenz – die vielleicht radikalste Figur Büchners, des erklärten Feindes des Bürgertums – der singende Wanderer in der einsamen eisigen Welt. Fremd sind sie beide: sich, uns, einander. Mit Schuberts weltberühmten Liedern suchen und irren sie durchs Gebirge, durch die Menschen, durchs eigene Ich.

Wenn die Zeit gefriert, die Regeln der Dimensionen wie Zeit und Raum ihre Gültigkeit verlieren Drei Fremde, drei Wanderer und doch kein einfaches «Wir», keine Schicksalsgemeinschaft – sie sind sich selbst und den anderen fremd, rastlos, getrieben und einsam. Die Inszenierung stellt mit dem Topos der rastlosen Reise auch einen Bezug zur aktuellen Flüchtlingsthematik her: die Heimat verlassen und alles zurücklassen – auf der Flucht, in existentieller Not, ohne Ankommen, mit ständig entgegengebrachter Ablehnung, Scheitern und erneuten Versuchen.

 

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