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Chance für Jungunternehmer

Kreuzlingen – Seit 2007 gehört der Bahnhof Bernrain der Stadt und ist seither weitgehend ungenutzt. Das soll sich jedoch so schnell wie möglich ändern. Der Kreuzlinger Jungunternehmer Manuel Miller plant hier seinen neuen Firmensitz, ein Baurechtsvertrag mit der Stadt soll dies ermöglichen.

Manuel Miller will den Bahnhof Bernrain von der Stadt Kreuzlingen im Baurecht übernehmen. Das letzte Wort dazu hat der Gemeinderat. (Bild: Thomas Martens)

Manuel Miller will den Bahnhof Bernrain von der Stadt Kreuzlingen im Baurecht übernehmen. Das letzte Wort dazu hat der Gemeinderat. (Bild: Thomas Martens)

«Das Gebäude ist dringend sanierungsbedürftig», teilte Stadtpräsident Andreas Netzle im Vorfeld der Gemeinderatssitzung am nächsten Donnerstag mit. Der Stadtrat will sich dort die Zustimmung des Gemeinderats zum Baurechtsvertrag mit Manuel Miller einholen. Der Inhaber der Kreuzlinger Firma Eventcrew für Veranstaltungsinfrastruktur, Um- und Abbauten will seinen Geschäftssitz dorthin verlegen. Er hatte sich nach einer zweiten Ausschreibungsrunde gegen einen Mitbewerber durchgesetzt. Bisher ist Miller an sechs Standorten in Kreuzlingen eingemietet, was zu logistischen und organisatorischen Problemen führe. Künftig wären es dann nur noch zwei Standorte.

Keine andere Option
Die Firma des 27-Jährigen wachse stetig und beschäftige an die hundert Voll- und vor allem Teilzeitkräfte. «Eine andere Liegenschaft in Kreuzlingen kommt für uns nicht in Frage», sagte Manuel Miller auf Anfrage. Für Miete gebe es keine geeigneten Objekte, ein Bau wäre – wenn überhaupt Land zur Verfügung stünde – zu teuer. Manuell Miller hätte auf jeden Fall Planungssicherheit. Der Vertrag geht über eine Laufzeit von 75 Jahren mit einem Baurechtszins von momentan 7360 Franken pro Jahr. Im Gegenzug muss er aber die Investitionskosten von geschätzten 800000 bis eine Million Franken selbst tragen.

Für Netzle ist diese Baurechtsvergabe Bestandspflege par excellence: «Wir geben einem Jungunternehmer die Chance, zu wachsen und sich weiter zu entwickeln.» In der Tat kann Miller den alten Bahnhof mit Sanierung und Umbau, vorbehaltlich einer Baubewilligung, zum Vorzeigeobjekt seiner Firma machen. Zudem befindet sich die Stadt in ausgesprochen komfortabler Lage: Sie kann sich den Bahnhof kostenlos renovieren lassen und bleibt weiterhin Eigentümerin. Sollte sie nach 75 Jahren andere Pläne mit dem Gebäude haben, geht sie kein Risiko ein. Das war dem Stadtrat wichtig: «Wir wollten das historische Gebäude nicht aus der Hand geben, weil es für uns kulturhistorisch wertvoll ist», verdeutlicht Netzle, auch wenn es für die Denkmalpflege lediglich in seiner Gesamtform erhaltenswert sei, die schwächste Form des Denkmalschutzes.

Gemeinderäte haben Sorgen
In der vorberatenden Gemeinderats-Kommission Allgemeines und Administratives gab es Vorbehalte gegen das Vorhaben, die Stadtpräsident Andreas Netzle aber nicht gelten lässt: «Eigentlich wollen alle das Gleiche – eine Nutzung für den Bahnhof Bernrain.» Wie Netzle mitteilte, erinnerten Kommissionsmitglieder ans Gasthaus Löwen, das infolge eines «schlechten Vertrags» lange Zeit ungenutzt gewesen sei. «Diesmal haben wir Sicherheiten für die Stadt eingebaut», so Netzle. Manuel Miller verpflichte sich demnach, in gewissen Fristen den Bahnhof zu sanieren. Für den Stadtpräsidenten eine gute Lösung: «Sollte dies nicht geschehen, fällt der Bahnhof wieder an uns zurück.»

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