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Ausbildungsattest: neues Angebot in der Berufsbildung

Frauenfeld – Mit dem «Kantonalen Ausbildungsattest» soll im Kanton Thurgau eine zusätzliche berufliche Ausbildung geschaffen werden. Es handelt sich um ein niederschwelliges Angebot für schwache Schülerinnen und Schüler. Mit der Botschaft zur Änderung des Gesetzes über die Berufsbildung und die Mittelschulen an den Grossen Rat erfüllt der Regierungsrat den Auftrag aus einem erheblich erklärten Vorstoss.

Im Jahr 2010 wurde mit dem Wegfall der Anlehre ein Ausbildungsgefäss aufgehoben, in dem sich meist schulisch schwache Jugendliche einen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt sichern konnten. Dieser Wegfall führte zu einem Vorstoss im Grossen Rat, der die Schaffung der gesetzlichen Grundlage für ein niederschwelliges Berufsausbildungsangebot anregte. Diesen Vorstoss hiess der Grosse Rat im Februar 2014 gut, worauf der Regierungsrat die vorliegende Gesetzesänderung ausarbeitete. Sie hat die Einführung eines kantonalen Ausbildungsattests zum Inhalt.

Derzeit bestehen für Jugendliche mehrere Möglichkeiten im Anschluss an die obligatorische Schulzeit. Sie können eine weiterführende Schule besuchen, eine drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung mit Abschluss «Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis» (EFZ) absolvieren, eine zweijährige Grundbildung mit Abschluss «Eidgenössisches Berufsattest» (EBA) besuchen oder als Vorbereitung auf diese eidgenössische Grundbildungen ein kantonales Brückenangebot nutzen. Für arbeitslose Jugendliche gibt es das Motivationssemester. Die IV bietet für invalide Jugendliche spezielle Ausbildungen an. In der Praxis zeigt sich, dass für ein bis zwei Prozent der Schulabgängerinnen und -abgänger trotz der angebotenen Möglichkeiten kein passender Ausbildungsweg gefunden werden kann. Für sie ist das neue kantonale Ausbildungsattest gedacht.

Dabei handelt es sich um schwache Schulabgängerinnen und -abgänger, leistungs-starke Sonderschülerinnen und -schüler ohne Anspruch auf IV-Massnahmen, Jugendliche in sozial schwierigen Verhältnissen und aus Integrationsprogrammen, Erfolglose nach Absolvierung des Brückenangebots sowie Lehrabbrecherinnen und -abbrecher. Das kantonale Ausbildungsattest dauert zwei Jahre. Grundlage bildet die Anstellung in einem Betrieb. An vier Tagen pro Woche findet dort die praktische Ausbildung statt, an einem Tag pro Woche wird die Berufsfachschule besucht. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einem Kompetenznachweis und einer Beschreibung der Entwicklung. Erstes Ziel ist es, diese Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern. Allenfalls ist auch der Übertritt in eine eidgenössische Grundbildung (EBA oder EFZ) möglich.

Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten wird davon ausgegangen, dass dieses Ausbildungsangebot von rund 20 Jugendlichen pro Jahr genutzt wird. Mit zwei Klassen hat das Gesamtkosten von 128 000 Franken pro Jahr zur Folge. Mit zusätzlichen Zahlungen des Bundes kann für das kantonale Ausbildungsangebot nicht gerechnet werden.

Die Revision des Gesetzes über die Berufsbildung und die Mittelschulen wird ausserdem dazu genutzt, um weitere kleinere Änderungen vorzunehmen, welche die Aufgaben der Berufsschulkommissionen verdeutlichen. Zudem wird der Begriff Berufsschulkommission durch Berufsfachschulkommission ersetzt.

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