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Sportcenter auf Klein Venedig

Kreuzlingen – Wer am Samstag bei der Präsentation der diesjährigen Maturaarbeiten der Kantonsschule Kreuzlingen dabei war, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eine Fülle verschiedener Themen wurden unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten behandelt und stiessen auf grosses Interesse. Besondere Beachtung fand das «Kreuzlinger Sportcenter», geht es hier doch um ein aktuelles Politikum.

Miro Berger mit dem Modell seiner überdachten Tribüne.(Bild: Thomas Martens)

Miro Berger mit dem Modell seiner überdachten Tribüne. (Bild: Thomas Martens)

Die Sportstätten in Kreuzlingen sind dezentral über die ganze Stadt verteilt. Während die Stadt Kreuzlingen das Döbeli-Areal und das Gebiet Seezelg für eine Zusammenführung diverser Anlagen favorisiert, bringt Maturand Miro Berger eine andere Idee ins Spiel.

Der Sohn des bekannten Kreuzlinger Architekten Zeljko und der Gastronomin Inge Berger vom Schloss Brunnegg möchte die Sportstätten an einem Ort zusammenführen – dem Hafenareal Klein Venedig: «Zuerst wollte ich das Döbeli als Standort für mein Sportzentrum, doch durch die ungünstige Infrastruktur sowie fehlende Erweiterungsmöglichkeiten fiel die Wahl auf das Hafenareal», schreibt Miro Berger. Es sei grösser und könne, da es genau an der Grenze liegt, auch gut mit Konstanz verbunden werden. Das Seezelg hatte er gar nicht erst ins Auge gefasst, «weil zu weit weg und verkehrstechnisch schlecht erschlossen».

Vieles bereits vorhanden
Ein weiterer Aspekt war für den begeisterten Fussballer vom FC Kreuzlingen, dass es neben Parkplätzen mit Bodensee-Arena und Kunstrasenplatz dort bereits vorhandene Sportplätze und -hallen gibt. Die Swiss Olympic Sport School befinde sich ebenfalls in der Nähe «und es wäre sinnvoll, wenn Schule und Sport so nah wie möglich beisammen liegen würden», urteilt Miro Berger. Zudem sei die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr an diesem Standort am besten.

Auch über die möglichen Sportarten hat sich der Maturand Gedanken gemacht. Im Sportzentrum möchte er Wasserball, Tennis, Eishockey und Fussball unterbringen. Wasserball mit einer neuen Schwimmhalle auf der Nordseite der Bodensee-Arena, Tennis mit einer neuen Halle und fünf statt drei Plätzen südlich eines neuen Stadions als Herzstück. Die überdachte Tribüne sei gleichzeitig das höchste Gebäude der Anlage und damit Erkennungszeichen des Sportzentrums direkt vor der Bodensee-Arena, die als Multifunktionshalle erhalten bliebe.
Beim Eishockey würde Miro Berger das bestehende Ausseneisfeld ausbauen und parallel zur Längsseite der Bodensee-Arena platzieren. Die vorhandene Technik und Infrastruktur der Arena lasse sich für das Eisfeld mitverwenden. «Die abgegebene Wärme für die Eisproduktion könnte für die Schwimmhalle genutzt werden, was Energie spart», so Berger.

Visionen eines Sportlers
Er verweist auch immer wieder auf mögliche Kooperationen mit der Nachbarstadt Konstanz, die allerdings nicht weiter ausgelotet wurden, was aber auch den Rahmen einer Matura-arbeit gesprengt hätte. Auch zur Finanzierung und baurechtlichen Realisierbarkeit findet sich kein Wort. Seine Pläne sind vielmehr das Resultat von Gedankenspielen und Wunschträumen eines begeisterten Sportlers, der den Titel «Sportstadt Kreuzlingen» in Gefahr sieht. Seine Arbeit will er deshalb im nächsten Schritt dem Sportnetz Kreuzlingen und der Sportschule vorstellen, als Argumentationsgrundlage. Denn mit seinen Thesen liegt er voll im Trend der beiden Instititionen.

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4 thoughts on “Sportcenter auf Klein Venedig

  1. Reto Ammann

    Bemerkenswert vernetzte Gedanken.
    Freue mich für Miro Berger dass im Rahmen einer Maturaarbeit viel Herzblut und viele Ideen eingeflossen sind, welche sein Hobby Sport mit lokalem verbindet. Quasi think global, act local Guet gmacht Miro!

    Reto Ammann, Kreuzlingen

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  2. Bruno Neidhart

    Hier hat sich mal ein junger Einwohner Gedanken darüber gemacht, wie die Kreuzlinger Stadtgesellschaft – weit über den Sport hinaus! – zukünftig eine zusammengefasste, attraktive Möglichkeit bekommen könnte, sich vielfältig zu begegnen, sei es als aktiver Sportler/aktiveSportlerin, sei es als zuschauender Sportfan, sei es als Sportschüler/Sportschülerin, oder sei es auch nur aus gesellschaftlichem Interesse, usw. Diese Maturaarbeit trifft mitten ins Herz der erklärten Sport-Stadt. Da der Stadtrat derzeit ganz aufs Stadthaus auf der Gemeindewiese fokussiert zu sein scheint, wird es allerdings nicht einfach sein, auch nur einen Teil „Miro’s Visionen“ in die Tat umgesetzt zu sehen, zumal das „Objekt der Begierde“ – das Stadthaus vor dem Kreuzlinger Wahrzeichen, der Klosterkirche – , mit allem drum und dran zirka 50 Millionen kosten solle! Grundsätzliches vorab: Bei der Standortwahl einer Sportstätte, wie es Miro vorschwebt, ist aus jüngster Vergangenheit zu berücksichtigen, dass das knapp abgelehnte, zusätzliche Egelseebad eben dort hätte entstehen sollen, weil 1. nebenan bereits eine notwendige, kleine (Wettkampfeinschwimm-) Halle bestanden hätte, und 2. zudem der ganze Komplex sinnvoll schulnah gewesen wäre. Die „Bildungsstadt“ mit ihren heute vielfältigen Schul- und Studienangeboten kommt auf Dauer ohne ein grösseres, schulnahes, ganzjähriges Schwimmsportangebot nicht aus. Die Schule selbst will nun, zusammen mit dem Kanton, ca. 10 Millionen in das alte, kleine Egelseebad hinein buttern! Das verbessert jedoch die ungenügende Schwimmsportsituation für die immer grösser werdenden Schülerzahlen höchsten marginal. Zum Egelsee-Sportprojekt war stadtseits in den Räten überdies kein mächtiges Engagement erkennbar. Die Gedanken schwebten wohl damals bereits überm teuren Stadthaus. So gesehen sind also emotionale, wie besonders finanzielle Vorbehalten erkennbar, wenn es um den Sport geht. Und nun soll bekanntlich noch eine Steuersenkung hinzu kommen, die schon bei der Egelsee-Abstimmung argumentativ von Nein-Protagonisten quasi mit „sinnvoller als schwimmen“ erklärt wurde! Es wird andererseits nun wirklich mal Zeit – und dazu ist die Arbeit von Miro Berger hervorragend geeignet – , von der Stadt realistische Aussagen, ja selbst Pläne anzufordern, wie es denn – sagen wir mal in 10 Jahren – ganz allgemein mit Kreuzlinger Sportangelegenheit zu stehen hat. Die Frage dazu ist eigentlich recht simpel: Wo – Was – Wie – Wann! Auch die involvierten Vereine und Klubs müssten in diesem Rahmen ihre Ziele vorgeben. Hier lautet etwa die Frage: Welcher sportliche Standard wird letztlich angestrebt? Darauf kann sich eine Planung dann abstützen. Zur breiteren Orientierung ist letztlich noch anzufügen, dass auf Klein Venedig „grenzübergreifend“ jedoch an ganz anderen „Visionen“ geprobt, ja bereits ein Wettbewerb durchgeführt wurde. Nur: Der Sport hatte bei allen vorgelegten Projekten praktische keine Bedeutung – dies wohl in Anlehnung an die vorgegebenen Bedingungen „hüben und drüben“! Es besteht somit viel Erklärungsbedarf: Nicht nur in Sachen Sport – auch um Klein Venedig ganz allgemein. Miro sei Dank!

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  3. Spada Mirko

    Zum Glück gibt es junge Persönlichkeiten, die nicht Durchschnitt sein wollen. Tenero und Magglingen zeigen, dass eine Region vom Sport profitieren kann. Kreuzlingen könnte ein dritter BASPO Standort werden. Dafür braucht es aber Mut, Leidenschaft und Durchsetzungskraft. Zur Zeit weder im GR noch im SR zu finden.

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