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Ein «Schlussstein» für den Stadthauswunsch

Kreuzlingen – Das Gewinnerprojekt des Architekturwettbewerbs fürs Stadthaus ist überarbeitet worden. Am Mittwoch wurde es der Öffentlichkeit samt einem Kostendach von 47,5 Mio. Franken vorgestellt.

So könnte das neue Stadthaus aussehen. (Bild: zvg)

So könnte das neue Stadthaus aussehen. (Bild: zvg)

Die Idee, die Kreuzlinger Stadtverwaltung unter ein Dach zu bringen, ist nicht neu. In den letzten 25 Jahren wurden immer wieder Projekte und Vorschläge dazu aufgearbeitet, keines davon wurde jedoch realisiert. Dabei hat der Bedarf und die Notwendigkeit eines modernen und zentralen Verwaltungsgebäudes über die vergangenen Jahre stetig zugenommen. Mit dem nun vorgelegten, überarbeiteten Projekt unter dem Namen «Schlussstein» soll ein Schlussstrich unter diesen Wunsch gezogen werden.

«Unser Stadthaus»
«Ein Stadthaus für uns alle», soll der 100 Meter lange, auf dem Bärenplatz angedachte Komplex laut Stadtpräsident Andreas Netzle werden. Der Stadtrat stellte das von Stadt- und Architektenseite überarbeitete Projekt samt Tiefgarage und Festwiese der Öffentlichkeit am Mittwochabend vor. «Zurzeit herrschen schlechte und blamable Zustände für Kunden und Mitarbeiter», gab Netzle die derzeitige Situation wieder. Die Stadtverwaltung erstrecke sich über vier Standorte, was nicht nur die interne Zusammenarbeit erschwere, sondern auch bei Besuchern für Verwirrung sorge. Die vier Liegenschaften seien zudem veraltet, schlecht isoliert und nicht barrierefrei. «Besucher sind auf der steilen Treppe schon gestürzt», zeichnete der Stadtpräsident ein desolates Bild. Der neue Komplex soll all diesen Problemen Abhilfe schaffen und in der geographischen und verkehrstechnischen Mitte von Kreuzlingen alle Departemente zusammenführen. «Das ist auch ein Beitrag an die Zentrumsentwicklung», so Netzle. Der dreistöckige Bau soll wortwörtlich als «Schlussstein» für das Areal bis zum See samt Schulverwaltung, Dreispitzsaal und Schulcampus dienen.

Freie Sicht

Die Präsentation des geplanten Stadthauses war gut besucht.(Bild: ek)

Die Präsentation des geplanten Stadthauses war gut besucht. (Bild: ek)

«Dennoch soll der Bau sich dezent in die Umgebung einfügen», erläuterte  Ernst Zülle, Departementsvorsteher Bau, die Details des Gebäudes. Um die Sicht auf die Basilika St. Ulrich zu gewährleisten, sei bewusst ein flaches   Gebäude aus dem Architekurwettbewerb erkoren worden. Rund 120 Arbeitsplätze müssen darin sichergestellt werden, fünf Eingänge sollen dafür sorgen, dass die 6000 monatlichen Kunden ihr Ziel in der Verwaltung erreichen. Viel frequentierte Abteilungen wie das Einwohner- oder Steueramt wurden darum im Erdgeschoss angesiedelt. Ein Teil des Gebäudes soll ausserdem ausserhalb der Öffnungszeiten für Sitzungen oder Veranstaltungen zugänglich sein.

Gegenüber dem Wettbewerbsprojekt hat es einige Anpassungen und Änderungswünsche seitens der Stadt gegeben. So wurde eine genaue Einteilung der Büroräume vorgenommen und eine Terasse auf dem Dachgeschoss gewünscht. Die auffälligste Änderung bildet die Fassade. «Die ursprüngliche Version hatte dünne Schlitze als Fenster, das hat eher an ein Gefängniss erinnert», so Zülle. Dabei soll die Verwaltung transparent und einladend wirken, was nun mit langen Fensterfronten impliziert wird.

Selbstversorger

«Das Kostendach wird nicht überschritten», versichert Stadtpräsident Andreas Netzle. Die Tiefgarage ist gegenüber der ursprünglichen Schätzung günstiger geworden, dafür fallen beim Stadthaus mehr Kosten an. (Bild: zvg)

«Das Kostendach wird nicht überschritten», versichert Stadtpräsident Andreas Netzle. Die Tiefgarage ist gegenüber der ursprünglichen Schätzung günstiger geworden, dafür fallen beim Stadthaus mehr Kosten an. (Bild: zvg)

Auch das grossflächige Dach soll nicht ungenutzt bleiben. «Dieses ist prädestiniert für eine Photovoltaikanlage», stellte Stadtrat Thomas Beringer, Leiter Departement Dienste, das Energiekonzept vor. Zusammen mit der Solaranlage auf dem Dreispitzdach könne so der gesamte Strombedarf des Stadthauses abgedeckt werden. Der Bau soll zudem dem Minergie-P-Standard entsprechen, die Heizung könne an die Holzschnitzel-Anlage der PHTG angehängt werden und die Kühlung soll über Erdsonden erfolgen.

Auch verkehrstechnisch sei die neue Verwaltung mit Zug- und Busbahnhof sowie Tiefgarage ausgezeichnet erschlossen. Diese soll 251 Plätze bieten, 80 mehr als der derzeitige Bärenplatz-Parkplatz. Auch Ladestationen für Elektroautos und -fahrräder sind vorgesehen. Damit es zu keiner Gefahrensituation bei der Tiefgaragenausfahrt kommt, werde das Trottoir an der Pestalozzistrasse entfernt. Als Ersatz gebe es eine überdachte Passerelle, welche an der Festwiese vorbei zum Stadthaus führe.

Historischer Zustand
Die Festwiese bildet den dritten und letzten Teil des Gesamtprojekts. «Früher hatte jede Ortschaft einen Platz im Zentrum», so Stadträtin Dorena Raggenbass, Leiterin Departement Gesellschaft, «diesen historischen Zustand wollen wir wieder herstellen.» Rund 20000 Quadratmeter gäbe es so zu bespielen, zur Strasse abgegrenzt mit einer einer Allee aus Bäumen. Eine mobile Möblierung mit Tischen, Pflanzen oder Spielgeräten soll Platz machen können für grössere Veranstaltungen. Ein belastbarer Untergrund soll auch schwere Gerätschaften vertragen, wodurch auch der Jahrmarkt willkommen bleibt.

«Kostendach ist heilig»
Mit der detaillierten Ausarbeitung des Projekts stieg auch die Genauigkeit bei der Kostenabschätzung. Das Kostendach von 47,5 Mio. Franken soll dabei nicht überschritten werden. «Das kann ich mit gutem Gewissen versichern», so Stadtpräsident Netzle. Bei einer Realisierung des Projekts komme es zu jährlichen Investitionskosten von 1,3 Mio. Franken. Die Unterhaltskosten sollen dabei um 20 Prozent und die Energiekosten um 50 Prozent sinken.
Läuft alles nach Zeitplan und ohne Baueinsprachen, soll der neue Verwaltungskomplex noch im Sommer 2019 eingeweiht werden. Bis es soweit ist, gilt es noch einige politischen Hürden zu nehmen. Am 17. März 2016 wird die Botschaft dem Gemeinderat vorgelegt, am 5. Juni kommt es zur Volksabstimmung über das Gesamtprojekt.

Die Stimmung und Fragen nach der Stadthauspräsentation waren schon mal weitgehend positiv. Die Notwendigkeit eines neues Stadthauses wurde dabei nicht in Frage gestellt, viel mehr ging es um Details und Individualinteressen, wie öffentlich zugängliche Sitzungsräume. Bei der Gestaltung der Fassade teilten sich die Meinungen. Einige fanden den Vorschlag ausgefallen, andere hielten den Bau für langweilig und austauschbar. Architekt Jürg versicherte jedoch: «Wir machen keine 0815-Bauten.»

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One thought on “Ein «Schlussstein» für den Stadthauswunsch

  1. Bruno Neidhart

    1. Das Projekt ist falsch angelegt. Die Stadtverwaltung gehört ins wirtschaftliche Zentrum der Stadt, an den Boulevard/an die Markstrasse, mit nachgelagertem Stadtparkhaus zur Sonnenstrasse/Löwenstrasse hin (Geschäftsachse Karussell/“Löwengeschäfte“!). Es entscheidet sich, ob die Stadt die kreative Fähigkeit besitzt, eine belebte Mitte zu kreieren. Das Gewerbe wartet darauf. Ein Stadthaus ist heute mehr als nur ein Dienstleistungszentrum. Es soll verschiedene Interessen zwischen Verwaltung, Kultur, Stadtgastronomie, Bibliothek, Tourismus, usw., als tägliche, zentrale Anlaufstation bündeln, sich lebendig in das Stadtbild als wesentliche Örtlichkeit integrieren, und somit auf alle geschäftlichen Aktivitäten des Zentrums positiv ausstrahlen. Eine schöne, interessante, kreative Aufgabe für mutige Architekten!
    2. Das einzige übergeordnete Wahrzeichen der Stadt, wie es sich im Kern geschichtlich über 1000 Jahre zurück verfolgen lässt (Kreuzlingen begann mit „cruzelin“!), ist das ehemalige augustinische Kloster mit der Kirche St. Ulrich und Afra. Dieses Bewusstsein ist auf Dauer verstärkt als historische Vergangenheit in der Stadtgeschichte zu verankern und sichtbar zu „bespielen“. Der grosse freie Blick auf das Wahrzeichen soll daher als historisch identifizierende, „ikongrafische Achse“ im Stadtbild aufscheinen und vollständig erhalten bleiben.
    3. Das vorgelegte Projekt ist ein ziemlich banaler, austauschbarer Zweckbau für derzeit 120 „Bewohner“. Eine Erweiterung ist undenkbar. Durch seine Lage beeinträchtigt das Projekt nicht nur das Gesamtbild der heute noch grossen, freien Fläche im grünen Zentrum der Stadt, sondern schliesst den optisch freien Zugang zum Campus und weiter zum „gefühlten Seegestade“ hin ab. Die 100 Meter lange Baumasse gegen den Stadtfriedhof hin nimmt an dieser Stelle dem Stadtbild gleichsam den Atem. Dieser Eindruck verstärkt sich noch deutlicher durch die – unsinnige – Passerelle entlang der Pestalozzistrasse. Auf eine solche Idee muss man zuerst mal kommen! Man fragt sich übrigens in diesem Zusammenhang, was eine Denkmalschutzbehörde antreibt, dieses planerische Treiben auf der Festwiese noch beflügeln zu wollen!
    3. Auch die Festwiese ist historisch ein integraler Bestandteil der Stadt. Sie ist in ihrer Gesamtausdehnung zu erhalten. Der vorhandene „Jahrmarktstreifen“ kann als „fester Festplatz“ interpretiert werden. Daneben ist das – grüngetrennte – , grosse übrige Areal, zusammen mit einer Neuinterpretation des Dreispitzparks als eine einheitliche Park-und Gartenlandschaft zu begreifen, die in ihrem östlichen Teil den Blick freigibt auf das erwähnte Stadt-Wahrzeichen. Hier soll bereits anklingen, was unten am See seine Fortsetzung findet: Das Kapital der Stadt, sich besonders auch als -Park- und Gartenstadt den Einheimischen und Besuchern zu präsentieren. Ein runderneuerter „Dreispitzpark“ ist inhaltlich mit dem „Neue Stadtgarten“ auf der Festwiese als belebender Ort zu verwirklichen, wo man sich gerne aufhält, sitzt, liegt, spielt, Gepflanztes bewundert (z.B. Rosen!), sich an einem Wasserspiel erfreut, usw., einfach gut fühlt inmitten der Stadt – Kinder, Jugendliche, Erwachsene! Dieser Raum kann als wichtiger „soziologischer Ort“ einer Stadtgesellschaft gedeutet werden.
    4. Über das Parkieren: Die Frage ist ganz neu zu stellen. Man hat sie im Rahmen des – architektonisch nicht gerade umwerfenden! – „Dreispitz-Sport-und Kulturzentrum, wie auch beim Ausbau des „Campus“ nur unzureichend berücksichtigt.
    5. Gastronomie: Im Bereich von Dreispitzpark-Neuer Stadtgarten-Sport-/Kulturzentrum ist die Integration eines kleineren Kaffeerestaurant mit Gartensitzplätzen vorstellbar. Es kann als Kristallisationspunkt von Einheimischen, Besuchern, sowie den vielen Studenten des Campus einen integrierenden gesellschaftlichen Part übernehmen.
    6. Kreuzlingens Zukunft hängt definitiv nicht von der Bebauen der Festwiese ab! Für zukünftige Generationen ist dagegen eine grosse, freundlich grün gestaltete „Freie Mitte“ als Stadtkapital bedeutend. Kaum eine andere vergleichbare Stadt hat diesen Vorzug in die Neuzeit hinein zu retten vermocht. Das „Konservieren“ hat sich hier für Kreuzlingen überaus gelohnt (was z.B. beim Bellevue-Park nur halb gelungen ist!). Mit der stetigen baulichen Verdichtung der Stadt gewinnt dieser grosse, freie Raum noch mehr an Bedeutung. „Grün“ und „Raum“, betonen Experten, ist nicht nur zum Wohlfühlen da, sondern auch klimatisch bedeutsam für die sich immer weiter entwickelnden Städte und Agglomerationen.

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