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Schwieriges Umfeld für die Thurgauer Industrie

Frauenfeld – Die Thurgauer Industrie kämpfte auch im dritten Quartal mit rückläufigen Verkaufspreisen und gedrückten Erträgen, der Auftragsbestand ist vielerorts zu klein. Für das vierte Quartal erwarten die Betriebe eine zaghafte Erholung der Bestellungseingänge. Im Baugewerbe hält sich die Geschäftslage gut, die Dynamik dürfte allerdings weiter nachlassen. Nach wie vor angespannt ist die Situation im Detailhandel.

Baustelle_PMS_Arbeiter_P105Gemäss der soeben erschienenen Ausgabe des Thurgauer Wirtschaftsbarometers, das vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau gemeinsam getragen wird, verharrt die Geschäftslage in der Thurgauer Industrie auf unbefriedigendem Niveau. Jeder dritte von der KOF ETH befragte Thurgauer Industriebetrieb meldete Anfang Oktober 2015 eine schlechte, jeder zehnte eine gute Geschäftslage. Das Gros der Betriebe (58 Prozent) bezeichnete seine Geschäftslage als befriedigend. Damit haben sich die Einschätzungen im Vergleich zur Juli-Umfrage nur noch minim weiter eingetrübt.

Niedriger Auftragsbestand
Anfang Oktober stuften 40 Prozent der Thurgauer Industriefirmen ihren Auftragsbestand als zu klein ein. Von einem grossen Auftragsbestand sprachen weniger als fünf Prozent der Betriebe. Noch ausgeprägter zeigt sich dies beim Blick auf die Aufträge aus dem Ausland: Mehr als jeder Zweite bezeichnet diese als zu klein, nur Vereinzelte hingegen als gross. 40 Prozent der Betriebe hatten im dritten Quartal weiter sinkende Verkaufspreise zu verkraften, 45 Prozent meldeten eine Verschlechterung der Ertragslage. Eine Erholung der Erträge gab es demgegenüber nur vereinzelt.

Exporte unter Druck
Die Exporte aus dem Thurgau waren im dritten Quartal 2015 weiter rückläufig. Mit einem Minus von 6,3 Prozent war die Einbusse aber nicht mehr ganz so stark wie im Quartal zuvor (-8,2 Prozent). Im gesamten Zeitraum Januar bis September 2015 lagen die Exporte aus dem Thurgau wertmässig um 7,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Mengenmässig wurde jedoch praktisch gleich viel wie im Vorjahr ausgeführt; das nominale Minus veranschaulicht den Preisdruck, der auf der Exportwirtschaft lastet. Mit Ausnahme der Fahrzeugbranche litten alle grösseren Exportsparten unter Einbussen. Überdurchschnittlich stark sanken die Ausfuhren in den wichtigsten Absatzmarkt Deutschland (-11,4 Prozent). Die Exporte in den gesamten EU-Raum liegen um 7,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau, jene in die aussereuropäischen Industrieländer um knapp 12 Prozent. Mehrexporte gelangen den Thurgauer Exporteuren in die Transformations- sowie in die Entwicklungsländer.

Verhaltene Zuversicht
Für das vierte Quartal 2015 äussern sich die Thurgauer Industriebetriebe verhalten zuversichtlich. Sie erwarten eine leichte Erholung der Bestellungseingänge und ein zaghaftes Anziehen der Produktion. Sowohl bei Einkaufs- als auch Verkaufspreisen wird mit weiteren Rückgängen gerechnet. Der Personalbestand soll in der Tendenz reduziert werden. Beim Blick auf den weiteren Zeithorizont von sechs Monaten überwiegt die Skepsis. Gut 20 Prozent der Betriebe erwarten eine Eintrübung, lediglich 6 Prozent eine Aufhellung der Geschäftslage.

Im Bau läuft es mehrheitlich gut
Die Thurgauer Baukonjunktur läuft nach wie vor rund. Anfang Oktober 2015 meldete jeder zweite von der KOF ETH befragte Betrieb eine gute Geschäftslage, während nur Vereinzelte von einer schlechten Lage sprachen. Für das vierte Quartal 2015 rechnen die Thurgauer Baubetriebe mit einem Nachlassen der Bautätigkeit, einer moderateren Nachfrage und rückläufigen Preisen. Beim Ausblick bis zum Frühling 2016 geht das Gros der Betriebe von einer unveränderten Lage aus (70 Prozent). Die Übrigen erwarten mehrheitlich eine Abkühlung.

Angespannte Lage im Detailhandel
Die Situation im Thurgauer Detailhandel ist nach wie vor angespannt. Im Oktober 2015 beurteilte gut jeder dritte Betrieb seine Geschäftslage als schlecht, nur jeder zehnte hingegen als gut. Für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft rechnen die Betriebe mit Mehrumsätzen. Die Zuversicht hält sich auch beim Blick auf einen längeren Zeithorizont von sechs Monaten: 24 Prozent der Detailhändler rechnen mit einer besseren, lediglich 7 Prozent mit einer schlechteren Geschäftslage.

Ältere finden schlechter in den Arbeitsmarkt zurück
Die November-Ausgabe des Thurgauer Wirtschaftsbarometers beleuchtet zudem die Chancen älterer Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt. Ältere Arbeitnehmer sind grundsätzlich gut im Schweizer Arbeitsmarkt integriert. Sie sind im Vergleich zu jüngeren Alterskategorien nicht stärker von Arbeitslosigkeit betroffen. Einmal arbeitslos bekunden sie jedoch Mühe, wieder einen Job zu finden.

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