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Die Wogen sind noch nicht geglättet

Kreuzlingen – An der Kirchgemeindeversammlung vom vergangenen Mittwochabend wehte der Kirchenvorsteherschaft enormer Gegenwind entgegen. Ganz knapp nur nahmen die Stimmberechtigten das Budget 2016 an. Auch den Planungskredit für die Sanierung des Priesterhauses Bernrain lehnten sie beinahe ab – weil ein Vertrag aus dem Jahre 1924 Fragen aufwirft.

Die «Causa Jehle» warf ihren Schatten auf die Versammlung – und sorgte für Rekordzahlen: 145 Stimmberechtigte waren ins Ulrichshaus gekommen. Obwohl der Stein des Anstosses selbst gar nicht vor Ort war. Pfarradministrator Alois Jehle weilte wegen eines Notfalls in der Familie in Bern.

Die Kirchenvorstehrschaft schlug vor, die Sanierung des Priesterhauses zu planen und parallel die Modalitäten des Vertrags mit den Redemptoristen zu klären. Ziel sei es, einen neuen Vertrag aufzusetzen, der den heutigen juristischen Anforderungen genügt. Vielen Kritikern ging dies zu schnell. Es sei sicherer, erst die Rechtslage in Ordnung zu bringen, bevor die Planung beginnt.
Knackpunkt darin ist das Darlehen der Redemptoristen an die Kirchgemeinde, mit dem das 1929 erstellte Gebäude gebaut wurde. Bei einem Wegzug der betagten Seelsorger müsste die Kirchgemeinde dieses laut Vertrag zurückzahlen. Ob sich der Betrag allerdings am damaligen oder heutigen Verkaufswert des Hauses richtet, ist unklar. Dies zu klären, sei nicht pressant, argumentierte Kirchenpräsident Thomas Gisler: Weil 2016 polnische Patres die Tradition der Redemptoristen auf Bernrain fortführen, sei mit dem Fall der Fälle sowieso nicht zu rechnen.

Juristisch bedenklich
Ob und wieweit es in der Verantwortung der Remptoristen gelegen sei, das Haus instandzuhalten, welches sie all die Jahre umsonst benutzten, müsse ebenfalls geklärt werden, so die Kritiker. Da der Umbau auch eine Vermietung ermöglichen soll, fragten sie, in welche Taschen solche Einnahmen fliessen werden. Einfach zu viele offene Fragen, befand unter anderem CVP-Gemeinderat Thomas Dufner. «Würde mich ein Klient fragen, was er tun soll, müsste ich ihm raten, gegen den Kredit zu stimmen.»

74 Stimmberechtigte befürworteten schliesslich einen Planungskredit in Höhe von 80000 Franken, während 69 dagegen waren.

Zu reden gab auch das Budget. In der Kritik standen unter anderem die hohen Personalkosten. Sie seien, so argumentierte ein Kirchbürger, durch Aushilfstätigkeiten verursacht, welche nötig seien, da Alois Jehle desöfteren in Rom weile. Dort gehe der Pfarradministrator einer Tätigkeit zusätzlich zur Vollzeitstelle in Kreuzlingen nach. Präsident Gisler befand, es sei das Recht des Pfarrers, in der Freizeit zu tun, was ihm beliebt. Das Budget wurde mit 72 Ja- gegenüber 61 Neinstimmen angenommen.

Die Katholische Kirchgemeinde hat einen neuen Kirchenpfleger: Cornelia Helg übergibt das Zepter an Simon Tobler aus Kreuzlingen. (Bild: sb)

Die Katholische Kirchgemeinde hat einen neuen Kirchenpfleger: Cornelia Helg übergibt das Zepter an Simon Tobler aus Kreuzlingen. (Bild: sb)

Weitere Ergebnisse: Die Steuern wurden um ein auf 16 Prozent gesenkt (neuer Rückschlag: 5415 Franken). Gewählt wurden drei neue Mitglieder für’s Wahlbüro: Damian Rusch, Silvan Wyss und Marianne Dasch. Neuer Kirchenpfleger ist der 29-jährige Betriebswirtschafter Simon Tobler aus Kreuzlingen. Er ist damit automatisch Mitglied der Kirchenvorsteherschaft. Der entsprechende Antrag eines Kirchbürgers wurde angenommen.

Schliesslich gab’s noch Zahlen zu den Kirchenaustritten: In St. Stefan treten mehr Menschen aus als in St. Ulrich (2014: 48). Mit 43 sind es aber im vergangenen Jahr in St. Ulrich mehr als doppelt so viele gewesen wie noch im 2012.

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2 thoughts on “Die Wogen sind noch nicht geglättet

  1. Tim Büchele

    Nur die negativen Voten gegen den Planungskredit werden im Artikel ausgeführt, nicht jedoch, dass es auch mehrere klar befürwortende Stellungnahmen aus dem Kreis der Stimmbürger gab und welche Argumente diese vorbrachten. Deshalb wurde der PLANUNGS-Kredit dann ja auch angenommen. Es war zwar knapp, aber es war die Mehrheit.
    Richtig ist wohl, dass die jahrelangen Streitigkeiten in der Pfarrei St. Ulrich nun auf einmal die ganze Kirchgemeinde mit in den Strudel ziehen und damit auch die überhaupt nicht betroffene Pfarrei St. Stefen Emmishofen und das seit 30 Jahren als Emmishofer Pfarrhaus dienende Priesterhaus Bernrain. Statt das eigentliche Problem in St. Ulrich zu lösen, werden nun Auseinandersetzungen auf dem Buckel der Emmishofer ausgetragen. Emmishofen braucht auch in Zukunft ein Pfarrhaus mit Wohnmöglichkeit für den Pfarrer, so wie dies in allen anderen Pfarreien des Thurgaus üblich ist. Der Sanierungsbedarf des Hauses wird ja auch von niemandem bestritten.

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    1. Stefan Böker Beitragsautor

      Da haben Sie natürlich Recht, Herr Büchele. Eine engagierte Wortmeldung beispielsweise stammte vom ehemaligen Stadtrat David Blatter. Paralell zu planen und am neuen Vertrag zu arbeite spare Zeit, so seine Meinung. Die kritischen Voten überwiegten aber zahlenmässig.

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