/// Rubrik: Leserbriefe

Mitspracherecht bei Schulreformen

Leserbrief – Die Kosten für die Volksschulen betrugen 2014 laut den kürzlich publizierten Schulfinanzen des Kantons Thurgau 518 Millionen Franken. Allein durch diesen hohen aus Steuergeldern finanzierten Betrag ist die Forderung naheliegend, die Inhalte und Ziele der Volksschule durch den Grossen Rat und gegebenenfalls durch das Volk legitimieren zu lassen. (Felix Huwiler, IG G für eine gute Thurgauer Volksschule, Altnau)

Dieses Anliegen ist ein Hauptziel der mit über 5000 Unterschriften eingereichten Volksinitiative «Ja zu einer guten Thurgauer Volksschule». Und dies nicht nur aus finanzpolitischen Gründen: Keine staatliche Institution hat einen derart bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der heranwachsenden Generation wie die Volksschule. Die heranwachsende Jugend und zukünftige Berufsleute und Staatsbürger werden durch sie geprägt. Daher ist es unverständlich, wenn in einem direktdemokratischen Staatswesen Inhalte und Ziele des Volksschulwesens nur durch die Regierung bestimmt werden.

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich der Volksschulaufwand sogar um 66 Millionen Franken oder 15 Prozent erhöht. Aufgrund des Schülerrückgangs von 14 Prozent im selben Zeitraum resultierte bei den Kosten pro Schülerin und Schüler einen stärkere Steigerung von 34 Prozent oder 4’600 Franken. Ein beachtlicher Teil dieser Kostensteigerungen sind die Folgen von demokratisch nicht abgestützten Schulreformen wie beispielsweise die Einführung des Altersdurchmischten Lernens AdL.

Grundsätzlich spricht sich das Initiativkomitee für Investitionen in Bildung aus. Die Einführung des Lehrplans 21 stellt aber wiederum eine gravierende Schulreform dar, die nicht von der Schweizer Bevölkerung gewünscht wird, sondern nach Vorgaben der OECD erstellt wurde. Allein im Thurgau sind nur für die Einführungsphase 4,7 Millionen Franken geplant – Steuergelder, die in Zeiten der Knappheit lieber dem Unterricht der Schüler zukommen sollten. Kaum nachvollziehbar ist auch, dass der Kanton die kostenintensiven Einführungsarbeiten vorantreibt, obwohl die Thurgauer über den Lehrplan erst noch abstimmen werden.

Bildungspolitik soll nicht nur Sache weniger Experten oder der Regierung sein, sondern von der Bevölkerung diskutiert und mitbestimmt werden. Mit dieser Forderung steht das Initiativkomitee «Ja zu einer guten Thurgauer Volksschule» im Einklang mit zahlreichen Bürgern im Kanton und anderer Kantone. In mindestens 13 der 21 deutschsprachigen Kantone sind Volksinitiativen zustande gekommen oder in Vorbereitung – der Widerstand gegen Schulreformen wie den Lehrplan 21 wächst.

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