/// Rubrik: Leserbriefe

Zollfrei Zone Kreuzlingen!

Leserbrief – Angesichts der Tatsache, dass dem Detailhandel in der Schweiz durch den Einkaufstourismus im Ausland zwölf Milliarden Franken an mehr Umsatz entgehen, Arbeitsplätze in Gefahr sind und Kreuzlingen als Grenzstadt davon besonders schwer betroffen ist, fordere ich für Kreuzlingen eine zollfreie Zone wie in Samnaun. (Emil Bügler, Dotnacht)

(Bild: pixelio)

(Bild: pixelio)

So lange, bis sich die Rahmenbedingungen in Punkto Wechselkurs und Hochpreispolitik relativieren. Nur durch eine solche Massnahme würde sich der Schaden für unsere Wirtschaft verringern, weil Arbeitsplätze erhalten  und neue Stellen geschaffen werden. Ich wäre auch ohne weiteres bereit, eine Petition zu lancieren. Nur so kann auch der Druck auf die Politik erzeugt werden, endlich gegen die zu hohen Konsumentenpreise  bei Importprodukten vorzugehen. Kreuzlingen könnte da ganz bestimmt etwas ins Rollen bringen, andere Regionen werden da nicht lange mit gleichen Forderungen auf sich warten lassen!

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4 thoughts on “Zollfrei Zone Kreuzlingen!

  1. schiesser

    Ähhh – zollfreie Zone für Kreuzlingen wegen des Einkaufstourismus‘? Wieso nur für Kreuzlingen und nicht auch für Schaffhausen (Abwanderung nach Singen), Koblenz (Abwanderung nach Waldshut+Säckingen) und Basel (Abwanderung nach Lörrach und Weil am Rhein). Nicht zu vergessen das St. Galler Rheintal (Abwanderung nach Vorarlberg) und das Tessin sowie die Region Genf. Genau genommen bleibt da doch nur die Innerschweiz, das Berner Kernland und Glarus übrig. Kurz: Schnapsidee.

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  2. René Brändle

    Ihre Petition würde ich nicht unterschreiben, Herr Bühler, denn der Zoll längst kein relevanter Kostenfaktor mehr. Zölle für Waren aus EU und EFTA-Staaten wurden weitestgehend schon vor jahren ebenso abgeschafft wie für Waren aus der sogenannt 3. Welt. Zugegeben – die Liste der Länder der 3. Welt sollte vielleicht mal aktualisiert werden., aber wird wohl vorher ein Freihandelsabkommen abgeschlossen.
    Samnaun, Herr Bügler, lebt primär von der dortigen Ausnahmeregelung in Bezug auf die Mineralölsteuer, welche dort sehr tiefe Treibstoffpreise ermöglicht und vom Mythos der Zollfreiheit. Die Freimengen bei der Einfuhr in die Schweiz in Bezug auf Tabak, Alkohol und Fleisch bzw. CHF 300.00 Gesamtsumme sind die gleichen wie überall. Ihre Forderung nach einer zollfreien Zone zielt also auf etwas, was es faktisch kaum mehr gibt und den angesprochenen Grenzverkehr nicht wirklich tangiert.
    Im Gegenteil, der Wegfall der noch verbliebenen Zölle durch internationale Abkommen führt lediglich zu einer weiteren Reduktion der Einnahmenseite des Bundes, was eher früher als später durch Steuererhöhungen kompensiert wird.

    Wenn Sie eine Petition starten wollen, um „Druck auf die Politik“ zu machen, um gegen die zu hohen Konsumentenpreise vorzugehen, dann gestatten Sie mir vorab die Frage, wer denn diese Politiker gewählt hat. Mit Blick auf Kreuzlingen mag ich das Thema irgendwie schon gar nicht mehr hören. Als Beispiel: Detailhandel und Gewerbe beklagen sich über schwindende Erträge. Beide Gruppen sind in den städtischen Instanzen (Stadtrad, Gemienderat) eigentlich sehr gut vertreten. Dennoch wird für die Erstellung eines Parkhauses, welches nur dazu dienen kann, den Einkauftouristen den Zugang zum Lago zu erleichtern Boden zur Verfügung gestellt, welcher derzeit der Stadt gehört. Für mich eine ähnliche Ambivalenz wie der Umstand, dass immer wieder von einem „Boulevard“ gesprochen wird. Darauf wie Boulevard übersetzt und was dort von den Leuten erwartet wird brauchen wir hier nicht einzugehen. Allein der Umstand, dass der Boulevard ja immer noch Hauptstrasse heisst zeigt, wie wenig Überzeugung hinter dieser Sache steht.

    Gegen die Wirkung der Währungsspekulanten, welche wesentlich die Frankenstärke befördert haben, kann der einzelne wenig unternehmen. Da hilft vielleicht die Zinserhöhung bei den Amerikanern vom Franken abzulenken. Solange wir aber selbst Politiker (aller Parteien) wählen, deren persönliches Interesse über jenem der Bevölkerung steht und solange Detailhandel und Gewerbe lieber die Gewinne mitnehmen und dicht macht, als sich mit Kreativität und Überzeugung zu engagieren und die Konsumenten selbst aktiv z.B. durch Nutzung der Self-Scanning bei den Grossverteilern Coop und Migros zum Stellenabbau beitragen, ist die Not nicht gross genug um den Trend zu ändern. Daran dass der möglichst tiefe Preis zum Hauptkriterium geworden ist, sind wir – die Bevölkerung insgesamt – im wesentlichen selber Schuld. Das bestätigen Sie u.a. mit Ihrer Forderung nach tieferen Konsumentenpreisen ohne zu erwähnen, dass dies nicht allein durch Reduktion der Kaufkraftabschöpfung erfolgen soll sondern allenfalls durch tiefere Löhne kompensiert wird.

    Vielleicht könnte es helfen, einmal darauf aufmerksam zu machen, dass verschiedene Geschäfte/Branchen jenseits der Grenze zwei Preislisten führen: eine für Deutsche und eine für Schweizer mit höheren Preisen. Oder dass sich der Währungskurs schon seit einiger Zeit beim Kauf von Noten bei ca. CHF 1.12 bewegt, was nur mehr 6.7% zu den vormals gestützten CHF 1.20 ausmacht. Gut – die Differenz bei den MWST-Ansätzen bleibt und ist erheblich.
    Aber statt Abschaffung praktisch inexistenter Zölle könnte man ja die Einhaltung der Freigrenze…. Die Liste der Ideen darf gerne mit konstruktiven und keativen Lösungen erweitert werden. Vielleicht finden sich ja auch bei den Detaillisten und Gewerblern ein paar Mutige, die erkennen, dass Mut und Einsatz auch Kundschaft in den Laden bringt.

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  3. Bruno Neidhart

    Kreuzlingen war gegen den „Sog“ nach Konstanz im Prinzip noch nie konkurrenzfähig. Das ist zu erkennen. Die derzeitigen Verwerfungen an der Grenze nur mit „billiger“ zu umschreiben geht an der Tatsache vorbei, dass sich Konstanz, die aus dem Mittelalter hervorgegangene, sich stetig erweiternde Stadt, heute gar Universitätsstadt, als veritables regionales Zentrum zu positionieren vermochte. Bereits während der Konzilszeit, also vor 600 Jahren, war die Stadt innerhalb von Europa ein wichtiger Anlaufpunkt. Im späteren Verlauf schlief sie zwar gelegentlich ziemlich ein, doch in der Neuzeit hat sie sich wieder aufgemacht an Bedeutung zu gewinnen, obwohl sie gegenüber anderen Städten im Land geografisch peripher liegt, was im Mittelalter aufgrund damaliger wichtiger Handelswege nicht der Fall war. Auch wenn sich dereinst die „Geldwert-Vergleichsgeschichte“ ändern sollte, bleibt Konstanz ein Mass, das bestimmend wirkt für viele Lebensinhalte, die eine Stadt vermitteln kann und lebendig macht. Daher wird der „Sog“ auch dann anhalten, wenn die Sterne am See-Ende mal nicht mehr so günstig stehen. Ein kräftiger attraktiver Bodensatz wird bleiben, der für die Stadt weiterhin befördernd wirken dürfte.
    Aber deswegen verzagen gilt aus Kreuzlinger Sicht wirklich nicht: Die Struktur von Kreuzlingen ist ganz anders gelagert. Besonders sind viele schöne Wohngebiete vorhanden. Der Stadtkern, die Hauptstrasse – lassen wir mal den zu üppig geratenen Begriff „Boulevard“ weg! – , war früher für die Bevölkerung lange Zeit ein Synonym für Einkaufen und Begegnen: beim Metzger über Hauhaltswarenverkäufer, Uhrengeschäfte, Kleiderläden, vom Kino zu den „Beizen“, Restaurants, Banken, Hotel, Zeitungsverlag (!), usw. Eben bunt. Hier traf sich einfach „Tout Kreuzlingen“. Das Zentrum der sich etablierenden Stadt war so zum Anlaufpunkt für viele Bewohner geworden – ebenso für Auswärtige!
    U.a. mit der zunehmenden Installation grosser Einkaufsmöglichkeiten an der Peripherie der Stadt, verbunden mit einer enormen Automobilität und entsprechenden Auto-Abstellmöglichkeiten (!), trat zwangsläufig einerseits ein frühes „Lädelisterben“ in den Aussenquartieren ein, andererseits verlor das Zentrum ausgerechnet dann an Interesse, als diese enorme „Kauflust“, geprägt durch den zunehmenden Wohlstand, an grosser Bedeutung für das Kommerzielle einer Stadt bestimmend wurde. An der Hauptstrasse und im Umfeld hatte man weder durch eine architektonisch attraktive, konzentrierte Stadtmitte-Weitergestaltung, noch durch eine besonders wirksame, kreative und zielgerichtete Geschäftigkeit daraufhin reagiert. Zurück blieben – überspitzt – die Banken! Und erfreulicherweise immer noch das „Karussell“ in der Nähe, es sei mal gesagt. Auch ein kleines Theater – Kultur ist für die Stadt enorm wichtig!
    Käufer aus Deutschland hatten sich übrigens in den besten Zeiten der Stadt in der Überzahl stets auf ein eher bescheidenes Sortiment von Waren konzentriert, u.a. auf „Nüdeli und Kafi und Schoggi“ – oder ganz aktuell: „Dreikönigskuchen“! Dabei wurde bekanntlich die „Einkaufsschlacht“ lange an der unteren Konstanzerstrasse erfolgreich von „M“geschlagen, nicht im Zentrum.
    Die Frage, ob eine Stadt der Zukunft grundsätzlich „ohne ein erkennbares Zentrum“ leben kann, stellt sich für Kreuzlingen elementar. Ich meine schon, dass trotz oder gerade wegen gegenwärtiger, eher widriger Zeiten eine Stadt auf Dauer ein Bewusstsein braucht, das zum Beispiel auch mit einer „erkennbaren Örtlichkeit“ vergesellschaftet sein sollte, die sichtbar macht auf lebendiges Leben und Geschichte der Bewohner.
    Was sagt hier vorerst die Geschichte? Die Geburtsstunde von Kreuzlingen lässt sich kurz vor dem Jahre 1000 mindestens namenshistorisch mit „cruzelin“ umschreiben. Eine Stunde, die in Konstanz auf dem Domhügel in Form eines geschenkten „Kreuzsplitters“ von Bischof Konrad an ein Hospiz („in mittelalterlicher Frömmigkeit“ bei Arno Borst) begann, und sich um 1100 auf heutigem Schweizer Gebiet, nahe der Grenze, als kleine Probstei – „cella cruzelin“ – fortsetzte. Im Zeitverlauf entwickelte sich daraus bekanntlich eine bewegte Klostergeschichte, bis sich um 1803 durch die Säkularisation ein vorläufiger Schlusspunkt ergab, der aber noch bis heute mit den augustinischen Klosterbauten und der Basilika markant auf die Entwicklung der Siedlung hinweist. Zwar entstand aus diesem Kern heraus nicht gleichzeitig eine Stadt, wie es andernorts – etwa in St. Gallen – der Fall war. Vielleicht hatte man es in Kreuzlingen auch nicht besonders eilig, war doch der Fokus stets auf Konstanz gerichtet, das bereits ein prägendes Stadtbild aufwies, welches sich zwischen den verschiedenen Klöstern der Stadt entwickelte.
    Langsam hat sich aber auch Kreuzlingen trotzdem zu einer ansprechenden städtischen Siedlung gemausert. Dabei ist bemerkenswert, dass das Zentrum, also die Hauptstrasse, geografisch ganz auf Konstanz verweist. Man wusste wohl schon immer um die Bedeutung der Nachbarstadt. Und das ist bis heute so geblieben.
    Dennoch – oder gerade deswegen – braucht Kreuzlingen auch eine architektonische Identifikation, die tief aus der Geschichte geboren ist. Und dazu ist der heute noch bestehende Klosterbereich mit Kirche der einzige Massstab, der zur Erfüllung dieser Identifikation herangezogen werden kann, deutet doch hier die Geschichte in gerader Linie auf das beschriebene „cruzelin“ (Kreuzlein).
    Was hat nun dieser kurze Rückgriff auf die Geschichte mit dem Heute zu tun? Viel! Einerseits ist der Bewahrung dieser Identifikation als „Merkmal“ ganze Aufmerksamkeit zu schenken und entsprechend zu verankern. Und andererseits ist das Malaise, welches im Zentrum täglich zu besichtigen ist, in dem eben manch wichtige Anlaufpunkte fehlen, die zu einer grösseren Belebung beitragen könnten, ausgerechnet durch die Wegnahme des „Stadthauses“ aus dem Zentrum sicher nicht zu beheben! Hier wird eine Doppelbedeutung erkennbar: So ist dem beschriebenen „Merkmal“ (Klosterkomplex mit Kirche) in allen Aspekten Aufmerksamkeit zu schenken, wie es die Geschichte von Kreuzlingen verlangt. Dies schliesst folglich eine Bebauung des vorgelagerten grünen Areals „Gmeinds- oder Fäschtwise“ fundamental schon mal aus. Andererseits kommt dem Stadthaus an der jetzigen Stelle eine nicht wegzudenkende neue Bedeutung für die Belebung des Zentrums zu. Eine überzeugende, attraktive und moderne Neugestaltung dieser zentralen städtischen Anlaufstelle Hauptstrasse/Marktstrasse ist ein Elixier, das durch eine inhaltliche wie architektonische Prägung und Neuinterpretation wesentliche Impulse in die Zukunft dieses zentralen städtischen Raums Hauptstrasse bewirken soll – und kann!
    Kreuzlingen, die nicht „arme“ Stadt, hat sich auf vielen Ebenen zu profilieren, um mehr Gestalt und Aufmerksamkeit zu erlangen. Jammern gilt nicht. Anpacken schon eher. Und da sind alle gefordert, die etwas beitragen können – von städtischen Institutionen, Bildungsinstitutionen, Vereinen, Sport, Kultur, über das Gewerbe, bis hin zu vielen weiteren Aspekten, welche das Leben in einer lebenswerten Stadt beflügeln können. Das mit „Zollfreier Zone“ ist – nebenbei – dem Humor zu übergeben. Es geht für Kreuzlingen jetzt und in Zukunft um viel Elementareres, Beständigeres. Daran ist in eigener Regie zu arbeiten, nicht zu lamentieren oder gar Falsches in Bewegung zu setzen.

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    1. Bernd Folkmer

      Kern des Problems ist doch, dass es sich heute um einen „absichtlich“ geteilten Lebensraum handelt:
      In der Tat ist es für die Bürger der Städte Kreuzlingen und Konstanz täglich erlebbar, dass es sich um zwei Städte handelt. Ganz offensichtlich sind die natürlichen historischen Weg und Verbindungen baulich unterbrochen. Und dies geschieht auch nur nach Prüfung und Entschluss von Gremien und politisch Verantwortlichen.
      Einseitiger, ungehemmter partikulärer Nutzen, jeweils auf einer Seite der Grenze, resultiert in einem Strauß von Problemen auf der anderen Seite. Und doch nimmt jeder seine Vorteile mit; bis auf den letzten Tropfen. (Erlebbar als tägliche Stilblüte: „Ausfuhrschein für ein paar Zigaretten“ – Räpplispalter trifft Beutelschneider).
      Ich frage mich, warum sich das bürgerliche Engagement nicht deutlich mehr auf die Schaffung eines gemeinsamen, für alle lebens- und liebenswerten Raum konzentriert.
      Mit dem bestehenden Weg haben wir die meisten von uns hier vor Ort mehr verloren als gewonnen.

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