/// Rubrik: Leserbriefe

Wieviele Röhren durch den Gotthard dürfen es sein?

Leserbrief – 1994 hat das Volk die Alpeninitiative zur Überraschung vieler angenommen; künftig sollte der alpenquerende Verkehr verlagert werden und so ist der Grundsatz in der Bundesverfassung §84 auch festgehalten. (Ernst Frischknecht, Kreuzlingen)

(Bild: Archiv)

(Bild: Archiv)

Insbesondre betrifft dies die umweltbelastenden Diesel-LKWs. Heute, nach 22 Jahren ist die Bilanz ernüchternd: Das Verlagerungsziel ist immer noch nicht erreicht! Statt maximal 640’000 Fahrzeuge sind es immer noch deren 840’000 – allein 3000 Lastwagen pro Tag, die das obere Reusstal und die Leventina mit Lärm und Abgasen eindecken.

Der geplante Ausbau am Gotthard mit einer zweiten Röhre für den Autoverkehr steht quer in der Landschaft. In wenigen Monaten wird der NEAT Basistunnel eröffnet, welcher künftig für den Transitverkehr und die Verbindung ins Tessin eine höchst attraktive Route schafft. Dafür sind satte 24 Milliarden ausgegeben worden. Und nun jetzt: Eine neue Autoröhre für 2,8 Milliarden muss unbedingt her, quasi als Konkurrent für die Schiene!

Ursprünglich wollte der Bundesrat eine Sanierung der bestehenden Röhre in den Jahren 2020 bis 2025 ohne einen neuen Durchstich planen. Entsprechende Studien zeigten auf, dass eine «rollende Autobahn» durchaus machbar wäre und das mit rund 800 Millionen weniger Geld.
Die östlichen Teile der Schweiz zum Beispiel die Agglomeration Konstanz-Kreuzlingen oder die Stadt St. Gallen haben eine lange Liste an Begehren in ihren Agglo-Programmen für den Bund eingebracht; mit den geplanten hohen Investitionen in den Autoverkehr am Gotthard werden es solche Projekte noch schwerer haben. Wenn also verfassungskonformer Alpenschutz, dann ist ein Nein zur zweiten Röhre angebracht.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.