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Kein Geld für neues Dampfschiff

Ermatingen/Schaffhausen – Ein Verein will die alte Dampfboottradition am Untersee und Rhein wieder aufleben lassen und sucht Geldgeber für ein neues Schiff. Der Kanton Thurgau ist nicht an Bord.

Die «Hohentwiel» – letztes grosses Dampfschiff auf dem Bodensee und Beispiel einer mustergültigen Restaurierung. (Bild: zvg)

Die «Hohentwiel» – letztes grosses Dampfschiff auf dem Bodensee und Beispiel einer mustergültigen Restaurierung. (Bild: zvg)

In einer Einfachen Anfrage an den Thurgauer Regierungsrat erkundigte sich Kantonsrat Peter Dransfeld (SP) aus Ermatingen, wie es um das Projekt derzeit steht, welche neuen Erkenntnisse es gibt und ob sich der Kanton an einer Finanzierung beteiligen wolle. Dem erteilte die Kantonsregierung zur Freude von Dransfeld eine klare Absage: «Ein solches Dampfschiffprojekt ist aus ökologischen und ökonomischen Gründen  durch den Kanton Thurgau nicht weiter zu unterstützen.» Die Kantone Thurgau und Schaffhausen haben als Anteilseigner der URh je 20000 Franken an die Kosten der Studie beigesteuert.

Der Kanton Thurgau hat sich auch gegen weitere Beitragsleistungen aus Interreg-Mitteln ausgesprochen. Als Grund führt der Regierungsrat an, dass der Energieverbrauch eines Dampfschiffes im Ver- gleich zu einem Motorschiff doppelt so hoch sei, da eine Dampfmaschine einen äusserst schlechten Wirkungsgrad habe. Der Mehrverbrauch eines Dampfschiffes sei laut der Shiptec-Studie wesentlich höher, als bei einem Schiff mit dieselelektrischen Antrieb. «Der Dampfantrieb ist eine veraltete Technik, diese passt nicht mehr in die heutige Zeit, in der die Energieeffizienz hohe Priorität hat», so das Urteil des Regierungsrats. Auch wenn der Verein Pro Dampfer Pellets als Treibstoff einsetzen wolle, werde im Vergleich zum Diesel wohl die Umweltbilanz verbessert, der Wirkungsgrad der Dampfmaschine bleibe jedoch unverändert schlecht.

Dransfeld frohlockt
Für Dransfeld eine gute Entscheidung, wie er in einer Stelungnahme wissen lässt: «Mit seiner Beantwortung meiner Einfachen Anfrage bestätigt der Regierungsrat vollumfänglich meine Bedenken betreffend ein geplantes Dampfschiff auf dem Untersee und Rhein. Er bestätigt in klaren Worten meine Sorgen betreffend Wirtschaftlichkeit, Fahrsicherheit, Ökologie und historische Echtheit und er schliesst überraschend deutlich  ein weiteres Engagement für dieses Projekt aus.

Hierbei geht es wohlgemerkt nur um das Engagement des Kantons Thurgau. Inwieweit Dritte ein solches Projekt verfolgen, ist zuersteinmal deren Sache. Den Initianten und ihren zahlreichen Unterstützern ist bei alldem Respekt zu zollen für ihre leidenschaftlich vertretene Idee, etwas Neues und Attraktives zu schaffen. Unsere Welt wäre arm ohne solche mutigen Ideen und ich kann mir gut vorstellen, dass ich mich ebenfalls für die Dampferidee engagiert hätte, die auf ersten Blick ohne Zweifel sympathisch ist.

Allerdings scheint mir, dass der Förderverein die kritischen Ergebnisse vertiefter Abklärungen nicht gerne sieht, zumal der Regierungsrat schon vor Jahren mit der nötigen Deutlichkeit kritische Punkte erwähnt hatte. Zumindest allen öffentlichen und privaten Geldgebern gegenüber wäre etwas mehr Nüchternheit in der Betrachtung der Chancen und Risiken wünschbar gewesen.

Regierungsrätliche Stellungnahmen überzeugen mich nicht immer. In diesem Fall aber bin ich von den klaren und für mich nachvollziehbaren Worten erfreulich überrascht.»

Was der Verein dazu sagt und wie es jetzt weiter geht, lesen Sie am Freitag in unserer Printausgabe.

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