/// Rubrik: Leserbriefe

Zur Katholischen Vortragsreihe Ring 2000

Kreuzlingen – Die aktuelle Diskussion über von den «Ring 2000»-Verantwortlichen eingeladenen Referenten weckt ungute Erinnerungen an einen Vortrag vor einem Monat. Am 11. Dezember sprach der österreichische Konvertit und islamische Prediger Muhammad Hanel im Ulrichshaus. (R. Tauscheck, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

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Er erklärte – man wähnte sich allerdings eher in einer Predigt – den etwa 20 anwesenden Personen, dass es sich beim Islam um eine Friedensreligion handele. Die Frau habe im Islam eine besonders geachtete Stellung.

Auf entsprechende Fragen aus dem Publikum im Anschluss an den Vortrag versuchte Muhammad Hanel, die strikte Rollenzuweisung an die Frau und skandalöserweise sogar die Frühverheiratung dreizehnjähriger Mädchen zu rechtfertigen, und zwar nicht etwa nur für die Zeit des Propheten Mohammed, sondern auch aktuell.

Bezeichnend, dass kritische Fragen durch einen Vertreter der katholischen Organisatoren als unpassend getadelt wurden. Fundamentalistische Positionen scheinen dagegen im Ulrichshaus hoffähig.

Man kann gespannt sein, welche weiteren «Testfälle für Toleranz und Meinungsfreiheit … ausserhalb des allgemeinen Mainstreams» zukünftig auf Kreuzlingen zukommen. Wie wäre es mit einem Vertreter des Ku-Klux-Klan oder einem praktizierenden Teufelsaustreiber?

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2 thoughts on “Zur Katholischen Vortragsreihe Ring 2000

  1. schiesser

    Der „praktizierende Teufelsaustreiber“ – also der Exorzist – stünde im völligen Einklang mit der katholischen Kirchenlehre. Der Vatikan ernennt immer wieder solche. 2004 fand die erste Exorzismuskonferenz der röm.-kath. Kirche statt und Papst Franziskus hat 2014 die internationale Vereinigung der Exorzisten als privatrechtsfähige Gesellschaft anerkannt. Insofern wäre der Exorzist im Rahmen dieser Veranstaltungen genauso auf kirchlicher Linie, wie ein Vortragsreisender, der die Meinung vertritt, man dürfe zwar homosexuell sein, die Homosexualität aber nicht leben. Auch das ist kath. Lehrmeinung. In Kreuzlingen zeigt das einfach, dass es auch einen sehr konservativen Flügel in der Kirchgemeinde gibt. Abgesehen davon, unterscheidet sich die Meinung der kath. Kirche zur gottgewollten Rolle der Frau nicht sehr von jener des Islam. Deshalb finden sich ja dann auch Islam- und Vatikanvertreter in internationalen Konferenzen zu den Rechten der Frau gewöhnlich problemlos zusammen.

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  2. Muhammad Hanel

    Bedauerlich ist, wenn in der Debatte über Religion und besonders über den Islam, jeglicher objektive Anstand und nötiger Wille zur Differenzierung subjektivem Vorurteil und einseitiger Wahrnehmung zu weichen hat und verloren geht.
    Hanel sagte (oder predigte?) über die strikte, THEOLOGISCH korrekte Rollenzuweisung an die Frau im Islam, dass es NICHT der Rolle der Frau entspricht, sich am Haushaltseinkommen der Familie zu beteiligen, dass sie NICHT einmal verpflichtet ist die Hausarbeit (am Herd oder sonst wo und wie) zu übernehmen, dass sie sogar das Recht habe, für das STILLEN des gemeinsamen ehelichen Kindes von ihrem Ehemann entschädigt zu werden, dass sie berechtigt ist, eigenes Vermögen zu erwerben, über welches nur sie alleine verfügungsberechtigt ist und NICHT verpflichtet ist, dieses dem gemeinsamen familiären Eigentum hinzuzufügen, dass sie, sollte sie sich aus freien Stücken entschließen, doch Haushaltsarbeit zu übernehmen, das Recht hat, von ihrem Mann in der Tat unterstützt zu werden, etc. … all das und noch viel mehr ist theologische Wahrheit und keine Mähr!
    Wenn Hanel ganz grundsätzlich das Verheiraten eines dreizehnjährigen Mädchens rechtfertigte, dann explizit vor dem Hintergrund vergleichender gesellschaftlich, ethischer Verhältnisse.
    Möge man doch die Situation eines geschlechtsreifen und -bereiten Mädchens unter folgenden Umständen vergleichen.
    Einerseits in tatsächlich gelebten gesellschaftlichen Verhältnissen, die es als „normal“, ja liberal und deshalb erwünscht ansehen, dass Mädchen in diesem Alter und noch früher, damit beginnen Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern zu haben, sich dadurch der Gefahr von übertragbaren Krankheiten (z.B. HPV – bereits allgemein verbreitet), die Entwicklung einer stabilen und nachhaltigen, auf Liebe und Zuneigung ausgerichtete Partnerschaft (so WILL es der Koran) vernachlässigen – zu Gunsten einer sogenannten frei ausgelebten Sexualität auf eher rein körperlicher, ja instinktiver Ebene.
    Oder andererseits, den natürlichen Wunsch nach Zuneigung, Liebe UND Sexualität in geschützten und vor allem geregelten Rahmen einer fürsorgenden Großfamilie zu befriedigen? Denn ist es nicht so, dass nur die INSTITUTION der Ehe jenen rechtlichen, emotionalen und materiellen Schutz für die Frauen zu bieten vermag, die es für ein erfülltes Leben für Frau und Mann und Mann und Frau bedarf?
    Damit es nochmals klar gesagt und in Erinnerung behalten wird – Hanel hat nicht über die gesellschaftlichen Zustände einer bestimmten Epoche, bestimmten Kultur oder Weltgegend referiert oder gepredigt, sondern über die theologisch begründbaren Verhältnisse und Erfordernisse einer Religion, die ziemlich missverstanden wird.

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