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Das sagt Michael Dörflinger

Kreuzlingen – Zur Botschaft Parkhaus Seestrasse erreichte uns eine Stellungnahme von alt-Stadtrat Michael Dörflinger, die wir hier in voller Länge veröffentlichen.

Michael Dörflinger. (Bild: Archiv)

Michael Dörflinger. (Bild: Archiv)

«Auf der einen Seite ehrt es mich, nach so langer Zeit nochmals mediale Aufmerksamkeit zu erhalten und von einer thurgauer Zeitung in den Mittelpunkt einer Geschichte gerückt zu werden (Mitte November, Anm. d. Red). Wer aber andererseits die Fakten anschaut, sieht schnell, dass das nicht gerechtfertigt ist. Ich war in Wirklichkeit nur eine Randfigur in diesem Geschehen und konkret lediglich mit einem Fünftel-Anteil am ersten Vorentscheid beteiligt.

Eine einigermassen seriöse Recherche hätte denn auch bald ergeben, dass ich gar keine Gelegenheit gehabt hätte, meine damalige Rolle als Stadtrat zum eigenen Vorteil auszunutzen. Das ist natürlich nicht sehr schlagzeilentauglich. Aber mit etwas gewagten Unterstellungen angereichert, liess sich eine Befangenheitssituation konstruieren und so doch noch ein Zeitungsartikel aufbauschen. Diese vorgängig initiierte Publikation erschien bevor die Mitglieder des Gemeinderates oder auch die Medien vom Stadtrat Informationen erhielten. Die Fakten erfuhren sie erst später.

Damit wurden Journalisten dazu missbraucht, die Meinung über die Hintergründe des Projekts Parkhaus Seestrasse bösartig zu manipulieren. So wurde die Meinung der Gemeinderäte bereits negativ vorbereitet. Das verstösst ganz klar gegen die Spielregeln. – Ich bin aber überzeugt, dass die Gemeinderäte diese Beeinflussung in der Zwischenzeit durchschaut haben und durchaus imstande sind doch noch objektiv zu entscheiden.

Allerdings hinterlässt der Gemeinderat immer mehr den Eindruck, dass der Neidfaktor gegenüber einheimischen Gewerbetreibenden unüberwindbar ist. Natürlich wird das so nicht offen zugegeben. Da werden konstruierte Gründe vorgeschoben, die aber bei qualifizierter Beurteilung nicht bestehen können. Weder ist der Baurechtsvertrag löchrig, noch ist es eine kommunale Aufgabe, ein autonomes Parkhaus ohne Anbindung an eine öffentliche Einrichtung oder Nutzung zu betreiben. Die Absicht, das ansässige Gewerbe zu unterstützen würde durch die neidvolle Haltung des Gemeinderates schon wieder torpediert und der Stadtrat damit gezwungen, sich endgültig von seiner Politik der Förderung des einheimischen Gewerbes zu verabschieden.

Der Kleinkrieg, den ein Teil des Gemeinderates gegen den Stadtrat austrägt, verhindert eine Entwicklung unserer Stadt. Dabei ist es notwendig, dass Kreuzlingen ein Parkhaus in Klein Venedig erhält. Nur aus diesem Grund hat die Stadt Konstanz ihre Parzelle an der Seestrasse überhaupt an uns verkauft. Ich stand seinerzeit persönlich als Vertreter der Stadt Kreuzlingen im Gemeinderat Konstanz und konnte mit dem Argument, dass wir endlich die hässliche Situation in unserem Hafenareal verbessern wollen, die Räte überzeugen.

Für die «Einkaufstouristen» gibt es mit dem geplanten Parkhaus nicht mehr Parkplätze als heute. Die Autos werden einfach nicht mehr direkt am Seeufer abgestellt, das dadurch endlich aufgewertet werden kann. Sollte nun schlussendlich aber kein Parkhaus an diesem Ort realisiert werden, wird die Stadt Kreuzlingen wortbrüchig. Dann müssten wir die Parzelle ehrlicherweise auch wieder an Konstanz zurückgeben.»

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3 thoughts on “Das sagt Michael Dörflinger

  1. Bruno Neidhart

    Herr Dörflinger bezeichnet sich nachträglich als „Randfigur“ im Rahmen des Projekts – o.k.! Wenn er nun noch anmerkt, durch die Verlagerung der Fahrzeuge, weg von Seeufer, würde dieses „aufgewertet“, so ist wiedermal die entscheidende Frage zu stellen – was Herr Dörflicher selbst nicht mehr betreffen kann!: Welche „Aufwertung“ soll hier weiter verfolgt werden? Ist es nicht so, dass alle Massnahmen einer Gebiets-Gesamtplanung unterliegen sollten? In dieser Gesamtplanung müsste ziemlich alles abgebildet sein, was sich auf Klein Venedig in 10-15-20 Jahren zu entwickeln hat – möglichst abgestimmt auf Konstanzer Belange. Es ist ja nicht so, dass in diesem Rahmen kein Platz für ein Parkhaus wäre. Aber solange niemand offiziell weiss, was auf Klein Venedig in den kommenden Jahren geschieht – geschehen kann, geschehen sollte, geschehen muss, usw. – , angefangen bei der elementarsten Frage, ob die Sportplätze noch zu halten sind, oder letztlich verlegt werden müssen (!), fussen hier alle Investitionen auf unsicherem Gelände. Klein Venedig hat enormes Potential für die Stadt. Doch wohin führen die Wege?

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    1. Michael Dörflinger

      Die von B. Neidhart angesprochene Problematik, was mit unserem „Filetstück“ am See zukünftig geschieht, in welche Richtung die Planung geht, ist berechtigt. Nur schon im Stadtrat gingen hierbei die Meinungen auseinander. Die Bevölkerung wird dann aber auch noch mitreden und es ist voraussehbar, dass es etwas dauern könnte, einen Konsens zu finden. Sicher ist aber, dass als Grundlage für irgendeine Entwicklung des Areals die heute parkierten Autos am Seeufer weg müssen. Dies ist so offensichtlich, dass ein Parkhaus zwischen Seestrasse und Bahnlinie für jegliche Entwicklung richtig platziert und notwendig ist. Dafür muss aber nicht jahrelang gewartet werden, bis wir definitiv wissen, wie es weitergeht. Wie lange noch verstellt die Stadt Kreuzlingen den schönsten Platz einfach nur mit Autos? Der Stadtrat hat in seiner Botschaft schön dargestellt, wie der heutige Parkplatz mal vorläufig mit einfachen Mitteln gestaltet werden kann. Dann hätten wir wenigstens für die nächsten Jahre (Jahrzehnte – bei unserem Planungstempo) eine passable Übergangslösung; egal wohin die Wege führen…

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  2. Bruno Neidhart

    Das Wort „Übergangslösung“, auch wenn sie Herr Dörflinger als „passabel“ beschreibt, ist geradezu prädestiniert, hier das „Planungstempo“ noch mehr zu verlangsamen. Bereits die Planung im Hafengebiet, ohne das eigentliche „Klein Venedig“, war quasi eine „Übergangslösung“, schloss diese doch nicht, wie man sinnvollerweise hätte annehmen können, den westlichen Teil des Hafengeländes richtig ein, auf dem heute Autos auf einem Kiesfeld stehen oder sich ab und zu ein Zirkus ansiedelt und ein provisorisch aussehender Jugendspielplatz dümpelt. So ist eben bereits damals „Halbes“ entstanden, das nun mit einer „Übergangslösung“ nochmals überdeckt werden soll! Und etwas zu realisieren, „egal wohin die Wege führen…..“, wie Herr Dörflinger schreibt, kann nicht die Antwort sein zur Aufgabe, der kommenden Generation endlich einen gesamtplanerischen Weg vorzulegen, wohin auf Klein Venedig die Reise gehen soll. Es betrifft dies besonders den Sport, wie die Bevölkerung allgemein, die dieses Ufer besitzt. Nochmals: Das Gelände hat „Potential“ für die Stadt! Wie lange eine „Übergangslösung“ dauern kann, hatte sich übrigens bereits beim ersten Hafenrestaurant gezeigt, das damals als „Provisorium“ erstellt wurde. Wäre das zweite, heutige, attraktiver geraten, nicht quasi eine Kopie des ersten geworden, sowohl bezogen auf die Lage, als auch „in der Art“, so hätte das Provisorium wenigstens noch einigermassen glücklich geendet (Das Hafenrestaurant mit seinem sommers ausufernden Platzbedarf konterkariert übrigens geradezu die ursprüngliche grosszügige, planerische Hafen-Platzgestaltung – dies nur nebenbei). Es sei wiedermal an eine französische Feststellung erinnert die besagt, dass nichts so dauerhaft sei, wie ein Provisorium. Diese Zeit sollte auf Klein Venedig abgelaufen sein. Da nützt dann auch der Bau eines neuen Stadthauses wenig. Ein Haus schafft keinen Plan und versucht, etwas Sinnvolles zu realisieren. Menschen schon eher.

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