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«Einige sind bekloppt»

Kreuzlingen – Shams Ul-Haq, Terrorismusexperte und Journalist, ist selbst vor 15 Jahren mit einer Schleuserbande nach Europa gekommen. Mit dem Ziel, Missstände aufzuheben und für eine faire Behandlung von Flüchtlingen zu sorgen, hat er fünf Tage undercover im Kreuzlinger Asylzentrum verbracht. (Interview: Stefan Böker)

Shams Ul-Haq lebt in Frankfurt (D). (Bild: zvg)

Shams Ul-Haq lebt in Frankfurt (D). (Bild: zvg)

Herr Ul-Haq, warum Kreuzlingen?
Weil ein solches Vorgehen hier nötig war. Die Informationspolitik des Asylzentrums lässt stark zu wünschen übrig. Was ich im Vorfeld unter Flüchtlingen recherchierte, etwa, dass den Flüchtlingen ihr Handy abgenommen wird, liess bei mir die Alarmglocken schrillen. Auch von Misshandlungen war die Rede.

Gewalt, Drogen, Extremismus: Wie relevant sind ihre Enthüllungen ohne journalistische Zuspitzungen?
Der Umgang der Beamten mit den Asylsuchenden ist besorgniserregend. Einige sind wirklich bekloppt. Der Umgangston unmöglich. So ruiniert man den Ruf der Schweiz.  Selbst die Betreuer dort haben Angst vor den Sicherheitsleuten, trauen sich nicht, einzugreifen. Es braucht mehr Sozialpädagogen. Die Betreuung von Kindern (und Erwachsenen) muss ausgebaut werden.

Aber vieles war, im Vergleich zu deutschen Lagern, auch positiv!
Selbstverständlich, das Essen etwa oder das Flüchtlingscafé des Vereins Agathu. Ich war ausserdem beeindruckt vom modernen, sicheren Gebäude. Anschläge, wie in Deutschland allein im vergangenen Jahr hunderte geschahen, hätten beim Hauptgebäude des EVZ wenig Aussicht auf Erfolg.

Warum erstatten Sie keine Anzeige?
Ich bin Journalist, mein Job ist es nicht, Anzeige zu erstatten, sondern Probleme aufzudecken.

Was würden sie sofort verbessern?
Den Zugang zu Telefonen. Im kleinen Lager (für Jugendliche und Männer) gab es ein altes Samsung-Handy – für ungefähr hundert Personen.

Wie reagierten die offiziellen Stellen?
Ich stehe in Kontakt mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM). Ich erhalte sehr viele Mails und Anrufe, unter anderem will sich SP-Nationalrat Cédric Wermuth mit mir treffen.

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