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Hitlergruss im Asylzentrum

Kreuzlingen – Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat mittlerweile eine externe Untersuchung der Vorfälle im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) eingeleitet.

Diesen Ausweis erhielt der Undercover-Journalist im Asylzentrum. (Bild: zvg)

Diesen Ausweis erhielt der Undercover-Journalist Shams Ul-Haq im Asylzentrum. Sein Bericht brachte die Dinge ins rollen. (Bild: zvg)

Dies geht aus einem Artikel der Sonntagszeitung hervor. Ein Mitarbeiter des SEM und eine Mitarbeiterin von Amnesty International (AI) bestätigten den Autoren gegenüber Vorwürfe, die Undercover-Journalist Shams Ul-Haq in seinem Bericht erhoben hatte (wir berichteten). Schläge, Übergriffe und sogar die Existenz des besagten Raumes, in dem angeblich Flüchtlinge misshandelt werden und der schallisoliert sein soll, haben sie verifiziert.

Auch der WOZ gegenüber bejahen Quellen aus dem Kreuzlinger Asylzentrum: Schikane, «aggressive Grundstimmung», Prügel habe es im EVZ wirklich gegeben. Eine Mitarbeiterin von Securitas habe sogar einmal einen Hitlergruss gezeigt. Der Grund: Überlastung.
Die WOZ zitiert ausserdem aus  einer E-Mail von Stefan Preisig von der Asylorganisation Zürich (AOZ), die belegt: Das Fehlverhalten der Securitas-Leute ist nicht erst ein Thema, seitdem die Misstände durch den Undercover-Bericht ans Licht kamen. Intern war schon länger bekannt, dass etwas im Argen liegt. In der E-Mail ist von «Fehlverhalten» die Rede.

Securitas wollte sich rausreden
Unserer Zeitung gegenüber hatte Urs Stadler, Kommunikationschef der Securitas, noch vor einer Woche gesagt: «Weder uns noch den Verantwortlichen des SEM sind solche oder ähnliche aktuellen Vorwürfe bekannt.»

Shams Ul-Haq bleibt jedenfalls bei seiner Geschichte und rechtfertigt sein Selbstverständnis als Journalist gegenüber Kritikern: «Dass Zeitungen und Onlineportale hauptsächlich als Schutzschild der Behörden agieren, statt den Staat kritisch auszuleuchten, kenne ich so aus Deutschland nicht.»

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One thought on “Hitlergruss im Asylzentrum

  1. schiesser

    Das Verhalten der Securitas-Leute ist im Kreuz,linger Empfangszentrum doch seit Jahren immer wieder Thema – z.B. hat Amnesty International (AI) der Verhalten der Securitas-Leute 2005 kritisiert und eine Untersunchung verlangt. Die wurde damals vom – zu der Zeit noch so heissenden – Bundesamt für Flüchtlinge abgelehnt. 2008 kam dann ein Vorfall aus 2005 vor das Kreuzlinger Bezirksgericht, in dem es darum ging, dass ein Securitas-Mann (und Mithilfe von Kollegen einen Somalier so „behandelt“ hatten, dass dieser einen gebrochenen Arm und Wunden an den Schienbeinen davontrug. Der Securitas-Mann ging aus dem Scharmützel mit einer Bisswunde in der Brust hervor. Der Somalier war dann zum Zeitpunkt des Gerichtsverfahrens nicht mehr in der Schweiz. Im Januar 2011 wurde AI dann wieder aktiv und prangerte „physische und psychische Angriffe“ von Securitas-Leuten auf Flüchtlinge an. Einen Monat später wurden die Vorwürfe bestätigt und mehrere Securitas-Leute entlassen – die Zuständigen gelobten Besserung. Naja. Mal sehen, wie lange es dieses Mal vorhält.

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