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Parkhaus ohne Chance

Kreuzlingen – Die Vermutungen wurden bestätigt. Das Parkhaus an der Seestrasse hatte im Gemeinderat nicht nur einen schweren Stand, es wurde wuchtig zu Fall gebracht. Einzig die CVP fand lobende Worte, enthielt sich aber.

Bei unserer Onlineumfrage «Wollen Sie ein Parkhaus an der Seestrasse» war die Sache weniger eindeutig (siehe Grafik). Andreas Hebeisen (SP), Präsident der vorberatenden Kommission Allgemeines und Administratives, setzte dann im Gemeinderat die Kerben, in welche die Redner der übrigen Fraktionen – bis auf die CVP – gnadenlos einschlugen. Ob Trägerschaft des Parkhauses (Stadt oder Private) oder Baurechtsvertrag selbst, die Fraktionen liessen kaum ein gutes Wort an der Botschaft.

Das Parkhaus an der Seestrasse wird nicht gebaut. (Bild: zvg)

Das Parkhaus an der Seestrasse wird nicht gebaut. (Bild: zvg)

Für FDV/EVP-Fraktionspräsident Christian Brändli ist das gesamte Projekt von Anfang bis Ende, «wohlwollend gesagt, suboptimal» verlaufen. «Es ist ein schlechter Baurechtsvertrag, es fehlen seriöse Abklärungen», sprach Brändli den meisten Räten und den nachfolgenden Rednern aus der Seele. Und wie Recht Brändli damit hatte, stellte sich heraus, als Fabian Neuweiler (SVP) die Bombe platzen liess.

Neuweilers Bombe
Auf mehrfaches Nachfragen konnte ihm Stadtpräsident Andreas Netzle nicht sagen, wer tatsächlich hinter dem angedachten Baurechtsnehmer Ostschweizer Parkhaus AG steckt. Genüsslich liess Neuweiler die Räte und zahlreichen Besucher wissen, dass die AG komplett in Händen der Familie von alt Stadtrat Michael Dörflinger ist. Bisher war lediglich bekannt, dass Sohn Daniel als Mitinvestor bei Hauptinvestor Robert Urweider eingestiegen war. Auf Nachfrage erklärte Urweider, sich aus dem Projekt zurückgezogen zu haben, weil es ihm zu lange dauerte. Und Michael Dörflinger teilte mit, dass nun eben bekannt sei, was sich viele bereits gedacht hätten. «Die Bank brauchte Sicherheiten, die haben wir unserem Sohn gegeben.»

«Für den Stadtrat war immer Robert Urweider Ansprechpartner», sagte Netzle. Per E-Mail liess er später wissen, «dass ich und meine Kolleginnen und Kollegen konsterniert sind über die Tatsache, dass unser ehemaliger Stadtrats-Kollege Michael Dörflinger sowie seine Frau Erika Teilhaber der Baurechtsnehmerin sind. Unser Vertrauen wurde in dieser Frage missbraucht. Davon wussten wir bis heute Abend nichts.» Dabei wäre es Neuweiler zufolge leicht gewesen, die wahren Beteiligten herauszufinden. «Ein kostenpflichtiger Handelsregisterauszug hätte genügt», triumphierte er in der Sitzung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren dann bis auf die fünf CVP-Räte alle anderen vollends bedient.

Manche nutzten aber noch die Chance, dem Stadtrat einiges mit auf den Weg zu geben. Baurechtsverträge besser und detaillierter ausarbeiten und Projekte mehr in den Gesamtzusammenhang, beispielsweise die Stadtentwicklung, zu setzen, wurde mehrfach angemahnt und gefordert.

Moos geht den Mittelweg
CVP-Gemeinderat Walter Schmid versuchte noch mit einem Rückweisungsantrag das Ruder herumzureissen. Auch nach drei Auszählungen gab es nur sechs Befürworter aus den eigenen Reihen. Einen Vorschlag zur Güte und «um Dampf aus dem Kessel zu nehmen», machte Gemeinderat Daniel Moos (FL): «Warum nicht als Stadt das Parkhaus selber bauen und dann verpachten?»

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2 thoughts on “Parkhaus ohne Chance

  1. Bruno Neidhart

    Salat! Dabei ging es hier nicht um die Frage, ob auf „Klein Venedig“ ein Parkhaus aus praktischer, wie ästhetischer Sicht im Negativblick auf das heute ausufernde, „einstöckige, wassernahen Parken auf Kies“ sinnvoll wäre. Ja! – ein Parkhaus wäre hier sinnvoll. Mindesten dann, wenn es gelingt, ein solches Vorhaben in einen „Gesamtplan Klein Venedig“ einzubetten. Dieser Plan muss vorliegen. Sonst plant man unsicher, respektive gar nicht. Wer letztlich ein solches Parkhaus erstellt und betreibt – Stadt, Privat, ist zweitrangig dann, wenn für alle Beteiligten die Aussicht besteht, das Ganze zweckmässig und erfolgreich zu gestalten. „Neuweiler Bombe“ war überdies ein ziemlicher Blindgänger: Es erstaunt, warum er sein Wissen nicht bereits früher – in kollegialer Weise – dem Stadtrat vorgetragen hat. So ginge Politik. Nun entstand, wie eingangs erwähnt, wiedermal Salat.

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  2. schiesser

    Also im öffentlich einsehbaren Handelsregister war noch am Freitag (29.01.) nur Dörflinger jun. zusammen mit Urweider als Eigentümer der Parkhausgesellschaft eingetragen. Da kann also etwas mit dem angeblichen Handelsregisterauszug nicht stimmen, auf den sich Herr Neuweiler laut obigem Bericht beruft. In der „Thurgauer Zeitung“ vom Samstag führt er denn auch den Gründungsvertrag zur Parkhausgesellschaft an, den ihm jemand zugespielt habe. Allerdings wäre dann Urweider von vornherein nur ein Strohmann gewesen. Dass Dörflinger sich selbst noch kürzlich in einem – auch in diesem Blatt publizierten – Brief, als „Randfigur“ des Geschehens rund um das Parkhaus bezeichnete, stärkt auch nicht unbedingt das Vertrauen in die Leistung des Betreibungsamtes, von der man eigentlich ein rechtskonformes Verhalten erwartet. Dem Stadtrat glaube ich – wegen des Handelsregistereintrags – , dass er vor der Gemeinderatssitzung nichts von der Beteiligung seines Ex-Kollegen wusste. Die Frage stellt sich dann aber, weshalb jener, der Neuweiler angeblich diesen Vertrag „zuspielte“, über diesen nicht (auch) den Stadtrat informierte. Bei Dörflinger sen. kann man sich jetzt fragen, ob er den Stadtrat nicht arglistig täuschte.

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