/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Der Schock ist verdaut

Kreuzlingen – Das Gewerbe Kreuzlingen lud zu einem Detaillisten-Talk, um den Puls des hiesigen Gewerbes zu spüren. Dieser hat nach dem Frankenschock kurz ausgesetzt, Wiederbelebungsmassnahmen sind jedoch im Gange.

Urs Portmann, Tabakwaren Portmann (v.l.n.r), David Betschart, David’s Mode, Stadtpräsident Andreas Netzle, Sandra Linder, Unique Style, und Dr. Hans Naef, Experte für Standortanalyse und Planung beim Detaillisten-Talk. (Bild: ek)

Urs Portmann, Tabakwaren Portmann (v.l.n.r), David Betschart, David’s Mode, Stadtpräsident Andreas Netzle, Sandra Linder, Unique Style, und Dr. Hans Naef, Experte für Standortanalyse und Planung beim Detaillisten-Talk. (Bild: ek)

Der Ort der Podiumsdiskussion hatte Symbolkraft: In den ehemaligen Räumlichkeiten des Tiefenbacher Schuhgeschäfts versammelten sich die Kreuzlinger Gewerbler, um den Ausführungen von Detaillisten, Politik und Wissenschaft zur aktuellen Wirtschaftslage zu lauschen. «Vor 30 Jahren war hier Steiner Sport eingemietet», blickte Moderator Thomas Gut noch weiter zurück. Damals hätten Kreuzlinger ein breites Sportartikelangebot gehabt, heute ist nur noch Ochsner Sport übrig. Dieser Schwund sei bezeichnend für die jüngste Entwicklung des Detailhandels in Kreuzlingen. Der Frankenschock, welcher die Schweiz vor fast genau einem Jahr traf, erschütterte das hiesige Gewerbe weiter.

«Ich habe schon fünf Währungsschocks miterlebt, aber dieser traf uns äussert hart», erinnerte sich Urs Portmann, Inhaber des gleichnamigen Tabakfachhandels, zurück. Mit einem ausländischen Kundenanteil von rund 80 Prozent habe sein Geschäft nur durch eine eigene Frankenuntergrenze von 1,10 und dem Entgegenkommen der Lieferanten überlebt. Auch David Betschart, Inhaber von David’s Mode, und Sandra Linder, Inhaberin von Unique Style, spürten den Währungssturz im Umsatz. «Wir verkaufen jedoch nicht nur Kleider, sondern auch Emotionen, und das ist nicht mit einem Preis aufzuwiegen, erklärten sie unisono.

«Die Stadt kann Ideen unterstützen, Entwicklungen vorantreiben oder Rahmenbedingungen schaffen», erläuterte Stadtpräsident Andreas Netzle die Situation der Politik. «In den Markt eingreifen, z.B. mit einer direkten Unterstützung von Läden, dürfen und wollen wir aber nicht.»
Dr. Hans Naef, Experte für Standortanalyse und Planung an der Uni Zürich, ist einerseits beeindruckt vom Boulevard. «Solche A-Lagen sehen wir selten in Städten dieser Grössenordnung.» Das Problem sei, dass diese nicht flankiert von B- und C-Lagen seien, wodurch keine Synergieeffekte entstehen können. Hinzu komme natürlich die offensichtliche Nähe zu Konstanz.

Dass Detaillisten durch herausragenden Service, wie Parkplätze, Beratung oder Kaffee aufs Haus dennoch überleben können, bewiesen die drei Geschäftsleute eindrücklich. «In Kreuzlingen kann man immerhin noch stressfrei einkaufen», zeigte Linder Humor.

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