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Wie weiter im Schloss Brunnegg?

Kreuzlingen – Mit der Haute Cuisine ist es im Schloss Brunnegg vorbei. Nachdem das Nobelrestaurant «Nocturne» Ende Dezember seine Pforten schloss, stellt sich nun die Frage nach der gastronomischen Zukunft im historischen Gemäuer.

Ein Bild aus besseren Tagen. Thomas Haist und Küchenchef Jochen Fecht führten das Nobelrestaurant im Schloss Brunegg. (Bild: tm)

Ein Bild aus besseren Tagen. Thomas Haist und Küchenchef Jochen Fecht führten das Nobelrestaurant im Schloss Brunegg. (Bild: tm)

Die Antwort von Inge und Zeljko Berger, denen das Schloss seit 1995 gehört, lautet: «Wir wissen es noch nicht.» Momentan seien sie daran, Konzepte auszuarbeiten, in zwei Monaten – spätestens im April – wisse man mehr. Sicher ist nur: «Eine Edelküche wird es bei uns nicht mehr geben», erteilt Zeljko Berger sämtlichen Freunden der hohen französischen Kochkunst eine klare Absage.

Und für Gourmets wird die Luft im Raum Kreuzlingen immer dünner, denn mit dem «Nocturne», 2013 und 2014 mit 15 Gault Millau-Punkten und einem Michelin-Stern geadelt, verschwand bekanntlich auch die «Jakobshöhe» von Jane und Daniel  Bucher komplett von der Bildfläche. Die Fahne der gehobenen Gastronomie hält in Kreuzlingen nur noch der «Seegarten» von Barbara und Peter Günter hoch, seit Jahren konstant mit 14 Gault Millau-Punkten bewertet.

Noch ein halbes Jahr vor Ablauf des Pachtvertrags zog Pächter Michael Hirling die Reissleine. Wirtschaftliche Gründe seien es nicht gewesen, vielmehr habe ihm eine klare Perspektive gefehlt. Der Aufstieg des «Nocturne», benannt nach dem Haus-Champagner der Kellerei Taittinger, begann im März 2013 mit Küchenchef Jochen Fecht und Restaurantleiter Thomas Haist, die dem Restaurant ein knappes Jahr lang ihren Stempel aufdrückten und es innerhalb kürzester Zeit aus dem Stand in den Gastro-Himmel katapultierten. Als die beiden dann das «San Martino» in Konstanz übernahmen und seitdem sehr erfolgreich führen, wurde der Anfang vom Ende eingeläutet. «Es war viel zu wenig los, vor allem im Tagesgeschäft», erinnert sich Restaurantfachmann Haist.

Sous-Chef Alexander Wussow wurde vom Pächter als neuer Küchenchef gepriesen und mit Vorschusslorbeeren überhäuft, doch im September bekam das ganze Team mit dem neuen Betriebsleiter Friedrich Diener die Kündigung auf Januar. Beide verabschiedeten sich vom Stadt- ins Landschloss (Schloss Weinstein in Marbach). Das «Nocturne» war dann drei Monate geschlossen, ein Intermezzo von Star- und Szene-Koch Chris Trewer, der von 2006 bis 2011 das «Grödeli» zu 14 Gault Millau-Punkten führte, währte ebenfalls nicht mehr lange.

Pächter Michael Hirling, leidenschaftlicher Feinschmecker, wurde im Brunnegg vom «Gast zum Gastgeber», wie er zu Beginn seines Engagements 2011 sagte. Ohne jede gastronomische Erfahrung, aber mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet, hatte er sich ins Abenteuer gestürzt und bereut rückblickend nichts: «Ich hab’s versucht.» Auch er weiss noch nicht genau, wo er künftig investiert, «im Raum Kreuzlingen wird es aber sehr wahrscheinlich nicht mehr sein».

Aus der Gastroszene
Die Gerüchtekücke brodelt, nichts genaues weiss man nicht. Nur soviel: Inge Berger hat ihr Engagement im Schlössli Bottighofen beendet und sich auf ihr Schloss zurückgezogen. Hier grübelt sie über ein neues Gastrokonzept nach. Wer im Schlössli künftig den Kochlöffel schwingt, ist noch nicht bekannt. Weiter ist da schon Stephan Pagnoncini, neuer Mitinhaber und Direktor vom Hotel Krone in Gottlieben, der dem Haus einen komplett neuen Touch verliehen hat. Er setzt auf eine Kombination von Kultur und Kulinarik, alles etwas weniger steif. Mehr wird erst zu Saisonbeginn Ende Februar verraten.

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