/// Rubrik: Stadtleben

Zwei Kirchbürger sorgten für ordentlich Wirbel

Kreuzlingen – Ungewöhnlich viele Diskussionen: Auf Antrag Walter Studers wies die evangelische Kirchgmeindeversammlung ihre Revision der Gemeindeordnung an die Vorsteherschaft zurück.

Kirchenpräsidentin Susanne Dschulnigg und Kirchenpfleger Kurt Schweizer vor der eingebauten Technik aus den 60er Jahren.(Bild: ek)

Das Kirchgemeindehaus mit Technik aus den 60er Jahren ist veraltet und muss renoviert werden. (Bild: archiv)

Die Evangelischen sind froh über die sehr gute Arbeit ihrer Kirchenvorstehrschaft und die zahlreichen Aktivitäten in der Gemeinde – daran besteht kein Zweifel. 61 Stimmberechtigte genehmigten die traktandierten Geschäfte am Montag entweder einstimmig oder mit nur wenigen Gegenstimmen und bewiesen so ihr Vertrauen in die Behörde.

Von blossem Durchwinken kann dennoch keine Rede sein. Walter Studer und Arnold Baumann nahmen unter anderem einzelne Posten des Budgets 2016 wie Neuanschaffungen, Unterhalt des Gemeindehauses, die Löhne des Kirchenpersonals oder aber auch Bauvorhaben wie die geplante Renovation des Kirchgemeindehauses kritisch aufs Korn. Teils mit saftigen Worten: «Lächerlich» nannte Baumann etwa die Streichung der Spenden an Chlausengesellschaft und Jugendmusik.

Unzufriedene hätten hier aufspringen können. Das Gegenteil war aber der Fall: Einen Änderungsantrag Studers etwa – er wollte die Steuern für ein Jahr befristet von einem auf zwei Prozente weiter senken – wischten sie vom Tisch.

Die Versammlung sah sich aber gezwungen, den Rückweisungsantrag von Walter Studer zur Revision der Kirchgemeindeordnung (wir berichteten) anzunehmen. Bei einer Nichtannahme hätte er 33 Änderungsanträge in der Tasche gehabt – was zu einer Mammutsitzung geführt hätte, die Kirchenpräsidentin Susanne Dschulnigg den Anwesenden nicht zumuten wollte und deswegen nicht opponierte.

Studer zufolge schränke die Abschaffung des Initiativrechts das Volksrecht ein. Gleichzeitig baue die Vorsteherschaft ihre Macht aus, indem sie den Präsidialbeschluss in Paragraph 22 einführt. Studer fasste zusammen: Seine Anträge zielten darauf ab, das Volksrecht zu verankern, die Transparenz zu erhöhen, die Finanzkompetenzen und die Gewaltentrennung zu regeln. Er liess die Anwesenden wissen, dass ein Rekurs die vorliegende, fehlerhafte Gemeindeordnung zu Fall bringen könne.

Ärger bei Alteingesessenen
Während der Versammlug forderte Brigitte Leuch ihn verärgert auf, seinen Antrag zurückzuziehen. Er verursache nur zusätzliche Arbeit und solle der Kirchenvorsteherschaft vertrauen. Studer nehme am Gemeindeleben nicht teil und lasse sich nur an Gemeindeversammlungen blicken, kritisierte Leuch. Dafür erhielt sie Applaus.
«Ich bin kein Kirchgänger, das stimmt, aber ich äussere meine Meinung, um mich nicht nur finanziell sondern auch geistig einzubringen», entgegnete Studer. Als pensionierter Politikjournalist habe er eigenen Angaben zufolge Erfahrung mit solchen Dingen, verriet er im Anschluss.

Seine Kenntnisse wird er nun beweisen müssen:  Die Kirchenvorsteherschaft will ihn in die Arbeit an der Revision der Gemeindeordnung einbinden. «Ressourcen soll man nützen», befand Kirchenpräsidentin Dschulnigg pragmatisch.

Wettbewerb fürs Gemeindehaus
Mit der Renovation des Gemeindehauses geht’s voran: Die Vergabe muss öffentlich ausgeschrieben, ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden. Die Firma Air Architekten AG aus Kreuzlingen ist dafür zuständig. Über den Wettbewerbskredit entscheidet die Rechnungsgemeinde im Mai. Wie hoch dieser sein wird, konnte Kirchenpräsidentin Dschulnigg nicht sagen. Arnold Baumann riet der Kirchenvorsteherschaft, schon frühzeitig Experten in die Planung miteinzubeziehen, damit keine bösen Überraschungen wie bei der Sanierung des Alterszentrum drohen. Dem stimmte die Kirchenpräsidentin zu.
56 Anwesende gaben Kirchenpfleger Kurt Schweizer die Stimme zur Wiederwahl. Auch die Urnenoffizianten und Rechnungsrevisoren wurden gewählt.

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