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Leere Räume mit Leben füllen

Kreuzlingen – Eurokurs und Einkaufstourismus sind nur einige der Gründe, warum so viele Läden leerstehen. Doch Leerstand kann auch Potential haben. Um- und Zwischennutzungsagenturen vermitteln in vielen Städten brachliegende Räume an Geschäftsleute, Kulturschaffende oder sozial Engagierte. Die SP-Fraktion des Gemeinderats möchte dies auch in Kreuzlingen einführen.

Als Beispiele für eine solche Nutzung auf Zeit zählt Elina Müller von der SP Kreuzlingen unter anderem «ungewöhnliche Läden, Gastronomie, Büros, Ateliers oder Ausstellungsräume, ein Quartiertreff oder eine Bildungseinrichtung» auf. Die Architektin ist von der Vielfalt der Möglichkeiten überzeugt. Auch der Bedarf sei vorhanden: «Ich weiss von vielen, die gerne etwas machen würden.»

Gute Idee: Die SP-Gemeinderäte Andreas Hebeisen (l.) und Christian Winterhalter sowie Architektin Elina Müller wollen, dass der Stadtrat eine Um- und Zwischennutzungsagentur ins Leben ruft. (Bild: zvg)

Gute Idee: Die SP-Gemeinderäte Andreas Hebeisen (l.) und Christian Winterhalter sowie Architektin Elina Müller wollen, dass der Stadtrat eine Um- und Zwischennutzungsagentur ins Leben ruft. (Bild: zvg)

Vermitteln und beraten
Was es dafür braucht, ist aber Sicherheit für die Vermieter und einen professionellen Vermittler, sagt die engagierte Architektin. Hier kommt die Um- und Zwischennutzungsagentur (ZNA) ins Spiel. Sie funktioniert als Plattform, um Vermieter leerstehender Läden und potentielle Nutzer zusammenbringt. «Die ZNA berät, vermittelt, liefert Musterverträge und zeigt neue Nutzungskonzepte auf», erklärt sie. Und betreibt nicht zuletzt Öffentlichkeitsarbeit.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Ein genutztes und ansprechend gestaltetes Ladenlokal und Schaufenster lässt sich eher wieder vermieten als ein jahrelang leerstehendes. Ausserdem kann auch aus manchem Zwischennutzungsvertrag ein reguläres Mietverhältnis entstehen. «Und die Bevölkerung profitiert von einem aktiven Stadtleben und einem vielfältigen Angebot an Dienstleistungen und Kultur», weiss Müller. Langfristig sorge dies dafür, Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen.

Ideengeberin Elina Müller weist auf die guten beispiele in zahlreichen Städten, etwa in Winterthur (Sulzer-Areal), in Bern («Schlafende Häuser wecken») und im deutschen Wuppertal hin.

Rückendeckung erhält sie von den SP-Gemeinderäten Andreas Hebeisen und Christian Winterhalter. «Leere Ladenlokale sind dem Image einer Strasse nicht gerade förderlich. Die Stadt kann hier jedoch Hilfe bieten», findet Winterhalter. «Wir haben Notstand», erklärt Hebeisen und fordert Aktion: «Die Stadt muss jetzt die Initialzündung geben, einfach mal anfangen.»

In städtischer Abteilung
Der Jurist sieht die ZNA in einer städtischen Abteilung eingegliedert. «Bei Bewilligungen und bezüglich der Organisation können Profis dort Leuten Hand bieten, die etwas machen wollen. Auf Vermieterseite sorgen sie für Vertrauen.»

Um vorwärts zu machen, hat die Gemeinderatsfraktion SP/Gewerkschaften/Juso beim Stadtrat eine schriftliche Anfrage gestellt. Die Gemeinderäte wollen wissen, wie gross der momentane Leerstand bei Kreuzlinger Ladenlokalen ist und wie der Stadtrat das Potential einer ZNA sieht. Schlussendlich stellen sie die Frage: «Ist der Stadtrat bereit, eine solche zu initiieren und organisieren?».

Die vollständige schriftliche Anfrage der SP-Fraktion.

Stadtrat ist dran
«Die Stadt könnte Hand bieten für eine Zwischennutzungsagentur», so hat es der Stadtrat bereits Anfang 2014 aufgrund der vorliegenden externen Stadtanalyse formuliert (download auf www.kreuzlingen.ch). «Wir sind bereit, und man ist bereits dran, den in der Stadtanalyse enthaltenen Vorschlag im Rahmen der AG Nutzungsstrategie zu prüfen und nach Möglichkeit umzusetzen», erklärt Stadtpräsident Andreas Netzle aus Anfrage. Die Arbeitsgruppe hat bereits drei Sitzungen gehabt. Sie empfiehlt dem Stadtrat, das Netzwerk Altstadt mit der Erarbeitung einer «Nutzungsstrategie» zu beauftragen. Nicht nur mit Ladenbesitzern und Gewerbetreibenden, sondern auch und insbesondere mit den Liegenschaftenbesitzern werde nach Lösungen gesucht, die langfristigen Erfolg bringen. «Das Problem des Leerstands muss man strukturell angehen, ein Veränderungsprozess ist nicht auf die Schnelle zu erreichen», so Stadtpräsident Netzle. Mittelfristig sei es aber möglich, entstandene Leerstände systematisch zu bewirtschaften.

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