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Streptomycinverbot: ein schwerer Schlag für Thurgauer Obstbauern

Frauenfeld – Die Ankündigung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), im Jahr 2016 das Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Streptomycin für die Feuerbrandbekämpfung nicht zuzulassen, trifft die Thurgauer Obstbauern hart.

Meldungen aus dem Kanton Thurgau. (Bild: archiv)

Meldungen aus dem Kanton Thurgau. (Bild: archiv)

Das schreibt Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer in einem Brief an den Direktor des BLW. Er macht darin auf die grosse Bedeutung des Obstbaus im Thurgau aufmerksam und fordert eine Wiedererwägung des Entscheids.

«Mit dem sofortigen Verbot des Pflanzenschutzmittels Streptomycin sind je nach Infektionsdruck viele Obstbaubetriebe in unserem Kanton samt den davon abhängigen Arbeitsplätzen stark gefährdet», hält Regierungsrat Kaspar Schläpfer in seinem Schreiben fest. Er weist auf die Wichtigkeit des Obstbaus als Wirtschaftszweig des Kantons Thurgau hin: «Fast jeder dritte Apfel, der in der Schweiz gegessen wird, kommt aus unserem Kanton. Im Thurgau pflegen rund 530 Landwirtschaftsbetriebe moderne Obstkulturen auf einer Fläche von 1‘500 Hektaren. Daneben unterhalten 2‘000 Bauernbetriebe hochstämmige Obstbäume in traditioneller Art. Gesamthaft sichert der Obstbau rund 1‘500 Arbeitsplätze in unserem Kanton.»

Nach Ansicht des Volkswirtschaftsdirektors sind die vom BLW für 2016 zugelassenen Bekämpfungsmittel noch nicht genügend erprobt, um die Bedrohung des Erwerbobstbaus durch den Feuerbrand abzuwenden. Er schreibt deshalb unmissverständlich: «In Anbetracht der Bedeutung des Obstbaus und der verfügbaren Alternativpräparate kommt der Zeitpunkt des Verbots von Streptomycin zu früh. Das Argument, es ständen neue feuerbrandrobuste Sorten zur Verfügung, ist schon deshalb nicht stichhaltig, weil eine Umstellung mehrere Jahre beanspruchen wird und zudem die Akzeptanz der feuerbrandresistenten neuen Sorten bei den Konsumenten noch keineswegs vorhanden ist. Die Erneuerung der Obstanlagen beansprucht mehrere Jahre und ist ein sehr kostenintensiver Prozess, der zudem im Gleichgewicht mit der Marktnachfrage geschehen muss.»

Aus den erwähnten Gründen fordert Regierungsrat Kaspar Schläpfer, dass das Bundesamt für Landwirtschaft auf seinen Entscheid zurückkommt und dass Streptomycin im Jahr 2016 zumindest teilweise für Baumschulen und Junganlagen zugelassen wird.

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2 thoughts on “Streptomycinverbot: ein schwerer Schlag für Thurgauer Obstbauern

  1. Frischknecht Ernst

    Wer hat wohHern Regierungsrat Schläpfer diesen Unsinn diktiert? Einmal mehr meint man, vor der Bauern- und Agrarlobby kuschen zu müssen. Wenn jemand mit Kompetenz vom Arenenberg Stellung bezöge, wäre dies noch verständlich und sinnvoll!
    Seit Jahren stellt man in den Gewässern dank besseren Untersuchungsmethoden genau dieses Gift fest – was aber hat der Kanton bis jetzt unternommen? Nein, dieses Gejammer inklusive Totschlagargument Arbeitsplätze verfängt nicht länger!

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  2. schiesser

    Stimmt, es wird mehrere Jahre dauern, bis die Umstellung auf feuerbrandresistentere Apfelsorten abgeschlossen sein wird. Deshalb kommt das Streptomycinverbot jetzt genau richtig. Denn ohne Verbot, werden die Erwerbsobstbauern mit der Umstellung gar nicht erst beginnen – frei nach dem Motto“funktioniert doch gut, so wie es ist“. Erst wenn es eben nicht mehr „so funktioniert, wie es ist“, wird sich etwas ändern. Die Obstbauern werden alternative Spritzmittel erst verwenden, wenn Antibiotika verboten sind – denn die alternativen Mittel müssen meistens öfter und genauer gespritzt werden. Und sie werden bei der Erneuerung ihrer Obstanlagen erst auf andere Sorten umstellen, wenn sie müssen. Denn die neuen Sorten dürften derzeit noch kostspieliger in der Anschaffung sein als die bisherigen. Regierungsrat Schlöpfer wiederum wird sich die letzten Tage im Amt nicht mit Krach mit den Bauern verderben wollen: Soll sich doch das Bundesamt für Landwirtschaft den Ärger aufhalsen… Die Imker wiederum werden früh über das Verbot sein.

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