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Kreuzlinger Mitte weiterhin blockiert

Kreuzlingen – Eine öffentliche Auflage des Gestaltungsplans Löwen/Sallmann ist nicht in Sicht, weil mindestens zwei Landbesitzer dazu nötige Landabtäusche nicht vollzogen haben. Seit Dezember 2014 liegt das Projekt schon auf Eis.

Vor zwei Wochen trat der Gemeinderat nicht auf die Botschaft bezüglich des Hochhauskonzepts ein. Der Stadtrat hätte dieses nicht mit zwei Gestaltungsplänen verknüpfen dürfen, so der Tenor der Räte. Es sei lobenswert, dass die Exekutive ein Stimmungsbild habe einholen wollen. Aber dazu habe die Vorlage nicht getaugt. Das Stadtparlament machte deutlich, dass es für Gestaltungspläne nicht zuständig ist. Keiner der Räte äusserte sich per se gegen Hochhausbau. Aber um diesen zu regeln, gebe es vorgegebene Wege. Wenn der Stadtrat hier schneller voran machen will, dann bitte auf eigene Faust, hiess es.

Bebauungsvorschlag für das Gebiet zwischen Löwen, Rathaus und Alterszentrum. (Bild: zvg)

Bebauungsvorschlag für das Gebiet zwischen Löwen (links oben), Rathaus und Alterszentrum. (Bild: zvg)

Denn diese Möglichkeit bietet das Hochhauskonzept. Schon vor der Ortsplanungsrevision (die bis 2017 durch sein soll, +/- fünf Jahre) definiert das Dokument, wo und wie Hochhäuser in Kreuzlingen möglich sind. «Gegen Wildwuchs», wie Bau-Stadtrat Ernst Zülle auf Anfrage mitteilte. Dazu hätte er gerne einen Richtungsentscheid vom Gemeinderat gehabt. Im Nachhinein zog er die Lehre daraus. «Strategische Entscheide werden wir nicht mehr in den Gemeinderat bringen», so Zülle. 0Das Ergebnis sieht er indes nicht als Niederlage, sondern als Auftrag, in eigener Kompetenz weiterzumachen. «Das Konzept geht jetzt zur Genehmigung an den Kanton.»

Hochhauskonzept wichtig
Wenn es der Kanton als Grundlage akzeptiert, dann geht es mit zwei grossen Kreuzlinger Bebauungsprojekten voran. Zum einen will der Müllheimer Architekt und Investor Konrad Häberlin das Gebiet Wolfacker Ost überbauen, zum anderen liegt ein Projekt für das Areal Löwen/Sallmann vor. «Es geht um über 300 Wohnungen, davon rund 90 Alterswohnungen und über 2000 Quadratmeter Gewerbefläche», erklärt Stadtrat Zülle. «Für Kreuzlingen enorm wichtig.» Da der Gestaltungsplan Wolfacker Ost bereits auflag, können nun die hängigen Einsprachen bearbeitet werden, so Zülle. Im Verbund mit dem Konzept geht auch dieser zum Kanton.

Im Areal Löwen/Sallmann gestaltet sich die Sache indes schwieriger. Auf acht Parzellen, die im Besitz von vier verschiedenen Grundeigentümern sind, soll hier die neue Identität von Kreuzlingens Mitte entstehen. Der Bebauungsvorschlag eines Münchner Architekturbüros wurde bereits 2012 vorgestellt. Recherchen der Kreuzlinger Zeitung ergaben jedoch, dass nicht mehr alle Grundeigentümer dahinter stehen.

Eine festgefahrene Situation
Der Stadtrat hat den Gestaltungsplan zwar beschlossen. Weil die Baukörper aber über Parzellengrenzen gehen, sind noch Landabtäusche nötig. Erst wenn diese getätigt sind, kann die öffentliche Auflage des Gestaltungsplans erfolgen. Seit Dezember 2014 sind sie hängig. Beim Stadtrat auf der einen und Landbesitzern auf der anderen Seite ist deswegen eine gewissen Verärgerung spürbar.

Die Landbesitzer sind gespalten: die einen können den Entscheid des Gemeinderats nachvollziehen und hoffen, dass es bald vorwärts geht. Mindestens einer aber fand das Ergebnis der zurückliegenden Sitzung nicht erfreulich. Ein Landbesitzer musste deswegen sogar seinen Deal mit einem Käufer auf Eis legen. «Bevor das Hochhauskonzept nicht genehmigt ist, gibt’s keine Unterschrift», war von ihm hören. Er befürchtet, dass sonst Einsprachen Aussicht auf Erfolg hätten und die ganze Sache formal angreifbar machten. Mehrere Landbesitzer sind sich einig: «Der Stadtrat muss erst die nötige Rechtsgrundlage für den Bau von Hochhäusern schaffen.»

Für Bauverwalter Heinz Theus ist diese Argumentation unverständlich. Er würde gerne parallel vorwärts machen. «Seit Dezember 2014 fehlen die nötigen Unterschriften. Dabei sind die Landgeschäfte bedingt an die Rechtskraft des Gestaltungsplans, es gibt also kein Risiko. Wir sind bereit, sobald eine ganz klar formulierte Bedingung unterschrieben ist. Dann läuft die Maschine, und ein Mann hat den Kanister in der Hand», sagt Theus.

Dass es kein Risiko gibt, sehen die Landbesitzer, so scheint es, anders.

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