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Hat die Behörde Angst vor dem Stimmvolk?

Kreuzlingen – Mit dieser Überschrift wendet sich die Evangelische Kirchbehörde an die Mitglieder der Gemeinde. Im Kirchenboten vom März erklärt sie, wie es mit der Überarbeitung der Kirchenordnung (wir berichteten) weitergeht.

Nach der Sanierung der Stadtkirche nimmt sich die Kirchenvorsteherschaft nun das Gemeindehaus vor. (Bild: archiv)

Die Stadtkirche. (Bild: archiv)

Das schreibt die Kirchenvorsteherschaft:

An der Kirchgemeindeversammlung vom 25. Januar 2016 haben die anwesenden 61 Kirchbürgerinnen und Kirchbürger dem Budget mit überwältigendem Mehr bei wenigen Enthaltungen zugestimmt. Die Kirchenvorsteherschaft fühlt sich in ihren Entscheidungen gestützt und freut sich, die Pläne im Jahr 2016 umzusetzen, schreibt sie im Kirchenboten.

Die Gemeindeordnung allerdings geht nochmals zur Überarbeitung an die Behörde zurück. Bei der Überarbeitung ging es der Behörde keineswegs um eine Beschneidung von Volksrechten. Niemand wird sich an den Artikeln stossen, die aufgrund der neuen Kirchenordnung Eingang in die Gemeindeordnung gefunden haben. Stein des Anstosses ist wohl das Initiativrecht und die mangelnde Regelung der Finanzkompetenzen. Da gibt es grundsätzlich verschiedene Auffassungen. Die Musterordnung, die auf der Website der evangelischen Landeskirche unter Dokumente (Gemeindeordnung der evangelischen Kirchgemeinde Musterdingen) vorgeschlagen wird, stützt die Argumentation der Kirchenvorsteherschaft, dass ein zusätzliches Initiativrecht in einer direkten Demokratie nicht notwendig ist.

Nun wird damit argumentiert, dass eine Gemeindeversammlung nicht repräsentativ sei. Das ist aber keine Frage der Organisation an sich. Es passt zum gesellschaftlichen Trend der Privatisierung des Religiösen, dass nur noch eine kleine Minderheit sich aktiv in der Kirche bewegt. Trotzdem werden mehrheitlich die Kirchensteuern bezahlt, da eine Mehrheit den sozialdiakonischen Auftrag der Kirche als wichtig erachtet (Stolz J., Ballif E., Die Zukunft der Reformierten, Zürich 2010). Mit der Gemeindeversammlung haben die Kirchbürger und Kirchbürgerinnen direkten Einfluss auf die Geschäfte der Kirchgemeinde. Kirchenferne werden sich auch bei einer vermehrten Einflussmöglichkeit via Urne bzw. Initiative nicht häufiger zu Wort melden. Wer zäumt nun das Pferd am Schwanz auf?

Die Kirchenvorsteherschaft wird die Gemeindeordnung nochmals überarbeiten und sie nach getaner Arbeit wieder zur Beratung vorlegen.

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