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Thurgauer Industrie stabilisiert sich allmählich

Frauenfeld – Die Thurgauer Industriebetriebe kämpfen nach wie vor mit niedrigen Auftragsbeständen und gedrückten Margen. Anfang 2016 beurteilten sie die Geschäftslage jedoch nicht mehr ganz so negativ wie zuvor, und für die nahe Zukunft erwarten sie eine Stabilisierung. In der Thurgauer Bauwirtschaft lässt die Dynamik nach. Der Detailhandel meldet weiterhin eine knapp befriedigende Geschäftslage.

Meldungen aus dem Kanton Thurgau. (Bild: archiv)

Meldungen aus dem Kanton Thurgau. (Bild: archiv)

Gemäss der soeben erschienenen Ausgabe des Thurgauer Wirtschaftsbarometers, der vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau gemeinsam getragen wird, bleibt die Stimmung in der Thurgauer Industrie auch Anfang 2016 gedrückt, scheint aber den Tiefpunkt durchschritten zu haben. Anfang Januar 2016 stuften 17 Prozent der von der KOF ETH befragten Thurgauer Industriebetriebe ihre Geschäftslage als schlecht ein, nur zehn Prozent hingegen als gut. Damit hat sich der Anteil der «Schlecht»-Meldungen innert dreier Monate deutlich reduziert (Oktober 2015: 33 Prozent). Im Gegenzug sprachen im Januar mehr Betriebe (73 Prozent) von einer befriedigenden Geschäftslage als drei Monate zuvor (58 Prozent).

Niedrige Auftragsbestände
Der niedrige Auftragsbestand bleibt das Sorgenkind der Thurgauer Industrie. Nach wie vor klagen fast vier von zehn Betrieben über zu spärlich gefüllte Auftragsbücher. Bei den Auslandsaufträgen meldet sogar mehr als jeder zweite Betrieb einen zu niedrigen Bestand. Demgegenüber sprechen nur wenige von einem hohen Bestand an Auslandsaufträgen. Immerhin hat sich dieser Anteil innert dreier Monate von zwei Prozent auf acht Prozent erhöht.

Empfindliche Exporteinbussen
Die Thurgauer Exportwirtschaft musste im vierten Quartal 2015 erneut empfindliche Einbussen hinnehmen. Mengenmässig wurde um fünf Prozent weniger ausgeführt als im entsprechenden Vorjahresquartal. Wertmässig lag das Exportvolumen sogar um fast 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dies verdeutlicht, in welchem Ausmass die Thurgauer Exporteure zu Abstrichen bei den Verkaufspreisen gezwungen waren. Im Gesamtjahr 2015 brach der Wert der aus dem Thurgau exportierten Waren um zwölf Prozent ein. Stark betroffen waren insbesondere die Maschinenindustrie (-20 Prozent) sowie die Hersteller von Präzisionsinstrumenten (-25 Prozent). Vergleichsweise gut hielten sich unter den grösseren Exportbranchen demgegenüber die Metallindustrie (-3 Prozent), die Kunststoffbranche (-4 Prozent) sowie die Nahrungsmittelindustrie (-7 Prozent). In Deutschland, ebenso wie im gesamten EU-Raum, wurden um knapp 13 Prozent weniger Waren aus dem Thurgau abgesetzt als im Vorjahr. Minderausfuhren gab es in sämtliche Wirtschaftsregionen mit Ausnahme der südosteuropäischen Transformationsländer und der Entwicklungsländer.

Keine grossen Änderungen erwartet
Für das erste Quartal 2016 geht das Gros der Thurgauer Industriebetriebe (59 Prozent) von einer stabilen Situation aus. Bei den übrigen dominiert die Zuversicht leicht: 23 Prozent der Betriebe rechnen mit einem Anziehen von Produktion und Bestellungseingängen, knapp 18 Prozent hingegen mit weiteren Einbussen. Der Personalbestand dürfte leicht nach unten angepasst werden. Bis zur Jahresmitte 2016 erwarten drei Viertel der Betriebe eine unveränderte Geschäftslage. Die übrigen halten je zur Hälfte eine Verbesserung bzw. eine Verschlechterung für wahrscheinlich.

Nachlassende Dynamik in der Bauwirtschaft
Die Stimmung im Bau bleibt positiv, hat sich im vierten Quartal 2015 jedoch deutlich abgekühlt. Anfang Januar 2016 sprach noch jeder fünfte Thurgauer Baubetrieb von einer guten Geschäftslage, drei Monate zuvor war es fast jeder zweite gewesen. Der Anteil «Schlecht»-Meldungen erhöhte sich von zwei auf Prozent. Sowohl die Bautätigkeit als auch die Nachfrage bildeten sich im Schlussquartal 2015 zurück. Anfang Januar bezeichnete jeder vierte Betrieb seinen Auftragsbestand als zu niedrig, nur jeder zehnte meldete einen grossen Auftragsbestand. Für das erste Quartal 2016 gehen die Betriebe sowohl bei der Bautätigkeit als auch bei der Nachfrage von Einbussen aus, dies bei anhaltendem Preisdruck. Auch bezüglich der Geschäftslage bis zur Jahresmitte überwiegt die Skepsis leicht.

Geschäftslage im Detailhandel bleibt knapp befriedigend
Die Situation im Thurgauer Detailhandel hat sich nicht wesentlich verändert. Anfang Januar 2016 meldeten mehr Betriebe eine schlechte als eine gute Geschäftslage. Die Lage in sechs Monaten wird verhalten zuversichtlich beurteilt.

Gut Ding will auch beim Nachfolgeprozess Weile haben
Die Februar-Ausgabe des Thurgauer Wirtschaftsbarometers beleuchtet zudem die Erfolgsfaktoren für die Unternehmensnachfolge in Klein- und Mittelbetrieben. Erfolgreiche Nachfolgeregelungen zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie sehr langfristig geplant und vorbereitet wurden.

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