/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Kult-Band und wilder Prediger

Kreuzlingen – Zusammen mit dem Konstanzer Zebra Kino führt der Horst Klub seinen ersten Kinoabend durch. Gezeigt wird ein Film über die Kult-Band «Dead Moon». Und auch Live-Musik darf am 1. März nicht fehlen.

Reverend Deadeye. (Bild: zvg)

Reverend Deadeye. (Bild: zvg)

«Ich habe kein grosses Interesse daran, mich an die moderne Kultur anzupassen», sagt Reverend Deadeye. Das glaubt man dem der Prediger mit dem toten Auge sofort. Schuld daran war der Biss einer Schlange, ausgerechnet während eines Gottesdienstes erwischte sie ihn. Seitdem bereist der Reverend die Welt und spielt sein Publikum mit einer wilden Mischung aus verzerrtem Delta-Blues und quasi-religiösem Eifer in Extase. «Mit organisierter Religion hab ich aber nichts am Hut», sagt er.

Bei seinem Auftritt im Horst Klub wird er unterstützt von Bruder Al am Schlagzeug. Die zwei entern die Bühne allerdings erst, wenn der Film vorbei ist. Präsentiert wird «Unknown Passage – The Dead Moon Story». Das Werk erzählt die Geschichte der legendären amerikanischen  Garagenrock-Combo Dead Moon – ein Leckerbissen für Fans von musikalischen Dokumentationen und für jeden, der die Gruppe bereits kennt: sowieso Pflichtprogramm.

Dead Moon vor rund 30 Jahren. (Bild: zvg)

Dead Moon vor rund 30 Jahren. (Bild: zvg)

Dead Moon:
Es gibt wohl kaum eine Band, die den oft beschworenen DIY-Ethos so verkörpert wie das Trio aus Portland, Oregon. Gegründet in den 80ern vom Ehepaar Fred und Toody Cole sowie dem Drummer Andrew Loomis sind Dead Moon noch heute – wenn auch ganz selten – auf der Bühne zu sehen. Sie haben nicht nur ihre Platten übers eigene Label selbst veröffentlicht, sondern diese sogar selbst gepresst: auf einem Vintage-Teil, über das schon die Kingsmen «Louie Louie» aufnahmen. Toody hat es Fred einst zum Geburtstag geschenkt. Die Coles hatten bzw. haben sogar einen eigenen Platten- und Musikladen – natürlich auch mit den eigenen Händen gebaut. «Tombstone Music» wurde zur Anlaufstelle für junge Punks in Portland. DEAD MOON haben die dortige Szene und den Grunge massiv beeinflusst.

Und nicht nur das. Unzählige Bands auf der ganzen Welt haben sich von ihrer unverwechselbaren, kompromisslosen Art und ihrer fantastischen Musik beeinflussen lassen. Trotzdem blieben sie chronisch unterbewertet und immer underground. Der selbstgenügsame, knochentrockene Sound, Fred Coles heiseres Krächzen und das Scheppern und Krachen von Drums, Bass und Gitarre bleiben einfach eine Spur zu extrem, um massentauglich zu werden.

Reverend Deadeye hat sich jedenfalls vorgenommen, den Abend gebührend ausklingen zu lassen. «Ich habe Dead Moon mal in einer kleinen Bar im Nirgendwo spielen sehen», erinnert sich Prediger. «Es hat mich schwer beeindruckt, dass sie schon so alt waren. Und es freut mich immer wieder, wenn Menschen sich den Normen der Gesellschaft nicht unterwerfen.»

Der Horst-Kinoabend plus Live-Show findet am Dienstag, 1. März, statt. Türöfffnung ist um 19 Uhr, der Film beginnt um 19.30 Uhr. Karten gibt’s ausschliesslich an der Abendkasse.

Am Abend wird ausserdem für Andrew Loomis, den Drummer, von Dead Moon, gesammelt, der an Krebs erkrankt ist und Hilfe benötigt, um Arztrechnungen zu zahlen.

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