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Kemmental will Senioren halten

Siegershausen – Betagte Menschen waren in der Vergangenheit immer wieder aus der Gemeinde Kemmental weggezogen, weil es keinen geeigneten Wohnraum für sie gibt. Um diesen Trend zu stoppen, erstellt eine Genossenschaft jetzt 20 altersgerechte Wohnungen.

So sieht das Projekt «Weitsicht» in Siegershausen aus. (Bild: zvg)

So sieht das Projekt «Weitsicht» in Siegershausen aus. (Bild: zvg)

Wohnen im Alter Kemmental hat es sich zum Ziel gesetzt, bis Herbst 2017 an der Alterswilerstrasse in Siegershausen für 9,3 Millionen Franken ein grosses Wohngebäude zu erstellen. 1,7 Millionen Franken kommen von der Politischen Gemeinde, 300000 Franken von der Bürgergemeinde, der Rest von der Bank. Das Projekt «Weitsicht» des Architekturbüros Antoniol und Huber aus Frauenfeld ging als Sieger aus einem Wettbewerb hevor.

Es sieht auf einer Wiese mit Obstbäumen, gegenüber dem Restaurant Sonnenhof, 20 Wohnungen verschiedener Grösse vor. Im Erdgeschoss sollen je eine 3,5- und 4,5-Zimmer Wohnung entstehen, im ersten und zweiten OG mit jeweils identischen Grund- rissen je eine 2,5-, je fünf 3,5- und je zwei 4,5-Zimmer Wohnungen. Besonderheit und in der Region einmalig sei laut Genossenschaftspräsident Werner Ess, dass im Erdgeschoss eine Arztpraxis geplant ist. «Ein sehr wichtiger Faktor», wie er bei der Vorstellung des Projekts am Montag sagte.

Voll eingerichtete Praxis
«Der Bedarf ist vorhanden», ist der ehemalige Kantonsarzt Max Dösseger aus Ermatingen überzeugt, der dem Bauherrn in dieser Frage als Berater zur Seite stand. Während die älteren Bewohner einen Arzt im Haus hätten, würde dies auch allen Bewohnern der Region zugute kommen. Bei einem Einzugsgebiet bis nach Lengwil und Berg käme auf 633 Einwohner ein Arzt, Durchschnitt in der Schweiz seien 400 Einwohner, rechnete Dössegger vor. Mit einer Gemeinschaftspraxis aus bis zu vier Ärzten sei beinahe eine rund um die Uhr-Betreuung möglich. «Die Ärzte könnten sich die Infrastruktur und Verwaltung teilen und sind dadurch in ihrer Arbeitszeit recht flexibel», so Dössegger.

Die Praxis soll im übrigen keine Konkurrenz zum Hausarzt in Siegershausen darstellen, der ins Pensionsalter kommt, sondern vielmehr einen Ersatz als Nachfolge. Jetzt müsse man nur noch geeignete Bewerber finden, die Verantwortlichen sind aber recht zuversichtlich und scheuen kein finanzielles Risiko, immerhin lässt sich die Genossenschaft die Arztpraxis (ohne allfällige Sonderausstattung) 1,2 Millionen Franken kosten: «Wir stellen eine moderne, voll eingerichtete Praxis hin», so Werner Ess. Für Max Dössegger ein klarer Vorteil, denn so liessen sich junge Ärzte vielleicht leichter dazu motivieren, aufs Land zu kommen.

Wie der Präsident der Baukommission, Josef Knill, ausführte, werde das Gebäude in Holzständerbauweise erstellt. «Da sind wir stolz darauf», schliesslich sind mehrstöckige Wohnbauten aus Holz doch eher selten im Thurgau. Die Zimmer in den beiden Obergeschossen verfügten über Balkone nach Osten oder Westen ausgerichtet. Auflage wegen der Arztpraxis seien viele Parkplätze, so werden im Aussenbereich 25 erstellt und in der Tiefgarage 20. Im Untergeschoss ist zudem ein grosser Schutzraum vorgesehen. Um eine Begegnung der Bewohner untereinander zu ermöglich und zu begünstigen, wurde auch an einen Allzweckraum im Ergeschoss gedacht. Dieser soll mit Toilette und einer kleinen Küche eingerichtet werden und Raum für kleine Feiern oder sonstige Zusammenkünfte bieten. Und falls die Arztpraxis nicht mehr gebraucht würde, seien die Räume auch anders nutzbar: «Da sind wir flexibel», so Knill.

Baugesuch liegt auf
Das Baugesuch für das Projekt liegt momentan auf, bisher seien keine Einsprachen eingegangen. Bis es dazu kam, vergingen seit der Gründung der Genossenschaft Wohnen im Alter Kemmental am 31. März 2008 beinahe acht Jahre. Die Genossenschaft startete mit 42 Mitgliedern, einem Kapital von 38000 Franken und wuchs mittlerweile auf 66 Mitglieder an. Im Mai 2008 bewilligte die Gemeindeversammlung einen Genossenschaftsanteil von 100000 Franken, Mindesteinlage sind 500 Franken. Wer eine Wohnung möchte, muss Mitglied sein und sollte sich sputen, denn zehn sind bereits reserviert. «Ziel ist, möglichst alle Wohnungen so schnell wie möglich zu vermieten», sagt Präsident Ess. Die Vergabe erfolge nach Reihenfolge. Neben älteren Menschen können sich auch junge Leute dafür bewerben, eine altersmässige Durchmischung sei, jedenfalls zu Beginn, durchaus erwünscht.

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