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Premieren am Theater Konstanz

Konstanz – Hier eine Übersicht über die Premieren von März bis Mai 2016 am Theater Konstanz.

In der Spielzeit 2015/2016 präsentiert sich das Theater als ein Haus im Herzen der Stadt Konstanz, mischt sich ein, bezieht Position und vergisst darüber eines nicht: das Theaterspielen.
Es geht um Recht und Unrecht, um Macht und Ohnmacht, um Moral und Werte – im Öffentlichen wie im Privaten. Das Theater schaut hinter die Idylle, deckt auf und legt den Finger auf Wunden – frische wie verschorfte. «Wer bin ich? Wo ist mein Platz in der Gesellschaft? Wann muss ich Position beziehen?» Fragen, die sich das Theater Konstanz in der Spielzeit 15/16 intensiv stellt. Im Mittelpunkt steht das Individuum in seinem Verhältnis zur Gesellschaft.

Von Friedrich Hebbel gelangt «Judith» zur Aufführung. Der gottgleiche Feldherr Holofernes belagert die Stadt Judiths und ihres Volkes. Holofernes droht mit der Auslöschung, sollten sie sich ihm nicht ergeben. Nur Judith, gläubig und unbeugsam, wagt es, ihm entgegenzutreten. Sie begibt sich ins Lager des Feindes, betört Holofernes, verbringt die Nacht mit ihm – und tötet ihn. Die apokryphe Bibelgeschichte von Judith erzählt von Versuchung, Willensstärke und Glaubenstreue im Angesicht der Vernichtung. Regisseur Thokozani Kapiri fragt mit seiner Inszenierung im Zeitalter der Massenmedien und medialen Inszenierungen von Terror, Anschlägen und Krieg nach unterschiedlichen Blickwinkeln und Sichtweisen – in einer Zeit, da Gotteswille zur Begründung für Gräueltaten bemüht wird und «Gut und Böse», «Die und Wir» wieder erschreckend aktuell sind. Premiere am 5. März in der Werkstatt des Theaters Konstanz

Und dann natürlich, passend zur Spielzeit, «Der Diener zweier Herren», inszeniert von Johanna Schall – brandaktuell das Spiel um und mit gesellschaftlichen Gegensätzen, das u.a. die Frage aufwirft: «Wie vielen Herren müssen wir dienen?» Venedig, 1746. Alles scheint in bester Ordnung. Die Verlobungsfeier von Pantalones Tochter Clarice mit ihrem geliebten Silvio ist in vollem Gange, als plötzlich der totgeglaubte Ex-Verlobte von Clarice, Federigo Rasponi, quicklebendig vor der Tür steht. Doch ist dieser Rasponi wirklich der, für den er sich ausgibt? In Martin Heckmanns rasanter Fassung des Commedia dell’Arte Klassikers entspinnt sich ein turbulentes Chaos voller Missverständnisse, gebrochener Herzen und allerlei verfänglicher Situationen. Als Zentrum dieses Orkans entpuppt sich der gewitzte Diener Truffaldino, der nicht nur einen notorisch leeren Magen, sondern auch ein großes Improvisationstalent hat. Die Bilanz der Verwicklungen: drei Hochzeiten und ein Todesfall. Ende gut – alles gut? Premiere am 18. März im Stadttheater Konstanz

Für Kinder ab sieben Jahren inszeniert Sascha Flocken in einer Uraufführung das Stück «Spinne» der im Iran geborene Autorin Reihaneh Youzbashi Dizaji, das um eine ungewöhnliche Spielplatzfreundschaft kreist. In schnörkelloser und direkter Sprache erzählt Dizaji davon, wie wichtig es für Kinder ist, die Freiheit zu haben Entscheidungen selbst zu treffen.
Premiere am 2. April in der Spiegelhalle des Theaters Konstanz

Eine weitere Uraufführung präsentiert das Theater Konstanz mit «Mumien. Ein Heimspiel» des jungen iranischen Autors und Gewinners des dritten Autorenwettbewerbs der Theater Konstanz und St. Gallen. Medhi Moradpour lässt in seinem Stück «Mumien» den jungen Mamal spurlos aus einem Flüchtlingsheim verschwinden. Szene für Szene seziert er mit seiner hoch sensiblen Sprache als Werkzeug einen Körper, von außen nach innen, vom Leib bis in die Blutkörperchen. Regie führt Andreas Bauer. Premiere am 9. April in der Werkstatt des Theaters Konstanz.

Im Rahmen des Internationalen Bodenseefestivals wird «Ein Volksfeind» von Henrik Ibsen, inszeniert von Dietrich W. Hilsdorf, einem der wichtigsten Klassiker-Regisseure im Bereich Schauspiel, Oper und Musical, gezeigt. Dem idyllischen Kurort an der norwegischen Küste droht ein Skandal: Das Heilwasser des Stadtbades ist durch Industrieabfälle verseucht. Badearzt Thomas Stockmann besitzt Analysen, die das schwarz auf weiss belegen. Zusammen mit Presse und Vertretern der Stadt will er darauf aufmerksam machen und zum Wohle aller einen Umbau des Stadtbades erwirken. Doch die anfängliche Unterstützung wandelt sich schnell in Skepsis, als bekannt wird, dass Steuereinnahmen die Kosten der Sanierung decken sollen. Sogar Bürgermeister Peter Stockmann – Thomas‘ Bruder – wendet sich gegen ihn. Bald sieht sich der Arzt nicht nur mit Ablehnung, sondern auch mit Hass konfrontiert. Henrik Ibsens 1882 geschriebene Tragikomödie hat bis heute nichts von ihrer Brisanz als Politthriller und gnadenlose Satire auf Medien und Politik eingebüsst. Premiere am 29. April im Stadttheater.

Im Mai geht es wieder einmal in die Berge. Hoch oben in der Panoramahalle auf dem Gipfel des Säntis findet in Kooperation mit der Schweizerischen Säntisbahn AG die nächste Uraufführung statt. Für das packende Kammerspiel » … und wenn sie gingen» ist die preisgekrönte Schweizer Autorin Rebecca C. Schnyder verantwortlich, sie ist selbst im Appenzeller Land aufgewachsen. Regie führt Claudia Brier. Ein verlassenes Bergdorf in einer kargen Felsenlandschaft. Zwei versehrte Frauen wohnen dort oben, zurückgezogen in der Einöde. Die junge Klara und die ältere Elis. Doch als eines Tages Anton, ein junger Mann aus der Stadt in ihre Lebenswelt einbricht, prallen gegensätzliche Visionen vom Leben in der Urbanität und der Bergidylle aufeinander – und nichts ist mehr wie zuvor. Premiere am 15. Mai in der Panoramahalle auf dem Säntis.

Johanna Wehner, die in dieser Spielzeit schon «Faust I» inszenierte, führt auch Regie beim zweiten Teil der Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe. «Faust II» ist Enthemmung und Anmaßung zugleich. Der Versuch, die Dichtung selbst über alles Menschliche zu erheben und das Göttliche zu versuchen. War es im ersten Teil noch die göttliche Kraft und Allgewalt, die Gretchen im Tode vor dem Verderben, das Faust brachte, retten konnte, so wird im zweiten Teil der Goethesche Antiheld selbst zum Gott. Er wird Land schaffen und sich untertan machen, wie es einst auch in der Bibel beschrieben wurde. Er wird zum Herrscher, Erfinder, Weltenbauer. Doch am Ende wird nichts gewonnen sein. Die Flüchtigkeit all seines Schaffens und Glücks liegt bereits in den Dingen und seinem Handeln selbst. Faust, ganz Egoist und Individualist, kennt nur das Mehr und Besser. Ein gewaltiger und gnadenloser Abgesang auf den Kapitalismus, den Menschen und seine Masslosigkeit. Premiere am 20. Mai im Stadttheater.

In Thomas Bernhards Jubiläumsjahr zeigt das Theater Konstanz dessen «Die Macht der Gewohnheit» in der Regie von Jo Fabian, der dieses grandios-bösartige Stück über das Verzweifeln an der Kunst und Schuberts Forellenquintett neu beleuchten wird. Zuvor brachte er in Konstanz bereits erfolgreich Der Drache und Parsifal auf die Bühne. Premiere am 21. Mai in der Spiegelhalle des Theaters Konstanz.

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